Bibliotherapie

Bücher sind alles andere als reiner Zeitvertreib und Futter fürs Gehirn, denn Bücher stecken voller Worte, und Worte sind mächtig – mächtiger als den meisten bewusst ist. Bei Fachbüchern sind sich die Leser über die Macht der Worte einig, dass sie etwas in uns bewirken, uns weiterbringen, während sich bei Fiktion die Gemüter scheiden. Zu Unrecht. Denn die Sprache ist etwas vom Einflussreichsten, was unserer Evolutionsküche entsprungen ist, und sie bewirkt Unglaubliches, wenn man sie einzusetzen weiss – ganz egal, wo.

Im Anfang war das Wort

Nicht ganz zufällig gebührt dem Wort in der Bibel ein Ehrenplatz, heißt es doch im Johannesevangelium:
(weiterlesen im PATAK BLOG: Bibliotherapie)

Aus dem Wunderland der Psychologie

😎 Ihr Lieblingslied hat mit grösster Wahrscheinlichkeit einen Bezug zu einem emotional wichtigen Ereignis. Quelle.

😎 Musik beeinflusst nicht nur unser Empfinden, sondern damit auch unsere Perspektive (und damit wiederum z.B. unser Urteil zu einer bestimmten Situation). Dies wurde in einer Studie an der Universität von Groningen nachgewiesen. Quelle.

😎 Je mehr wir für andere ausgeben, desto glücklicher sind wir. Was Grosszügigkeit von einem ungeliebten sozialen Muss zu einer befriedigenden Eigenschaft machen sollte. Quelle.

😎 Geld in Erlebnisse zu stecken bringt deutlich mehr Befriedigung als Geld in Materie zu investieren. Statt Dinge sollten wir also lieber Erinnerungen sammeln. Quelle.

😎 Die heutigen Kinder sind angespannter und neurotischer als der durchschnittliche Insasse einer psychiatrischen Anstalt in den 50er-Jahren. Was ziemlich beängstigend, aber nicht wirklich überraschend ist. Wenn man sich umsieht, bemerkt man schon bald, dass die Hälfte der Menschheit an Ängsten oder Depressionen leidet oder substanzenabhängig ist. Quelle.

😎 Gewisse religiöse Praktiken vermindern Stress. Das “American Psychiatric Publishing Textbook of Mood Disorders“ zeigt, dass Menschen, die regelmässig meditieren oder beten weniger gestresst sind. Quelle.

😎 Geld macht glücklich – aber nur bis zur magischen Marke von 75’000 Dollar pro Jahr.
Für den durchschnittlichen Amerikaner trägt ein Verdienst von 75’000 Dollar jährlich deutlich zum Lebensglück bei, weil es von der Last der Armut befreit und einem ein gutes Stück Freiheit schenkt. Höhere Verdienste bringen noch mehr Freiheit, machen aber offenbar nicht zwangsläufig glücklicher. Quelle.

😎 Wenn wir uns mit glücklichen Menschen umgeben, macht uns das selbst auch glücklicher.
Nicht besonders überraschend, aber vielleicht eine kleine Erinnerung an die Lebensweisheit: Umgib dich mit Menschen, die dir wirklich wichtig sind und gut tun. Alles andere sind Energiefresser. Quelle.

😎 18-33jährige sind die gestresstesten Menschen auf dem Planeten. Alles ist im Umbruch oder im Aufbau: Beziehungen, Familie, Bildung, Job … der Steady State, das Gleichgewicht des Lebens, kommt erst nach dieser angespannten Phase. Quelle.

😎 Sich selbst überzeugen, man habe gut geschlafen, wirkt. Man fühlt mehr Energie, fühlt sich erholt – weshalb man diese Methode den Plazebo-Schlaf nennt. Quelle.

😎 Kluge Menschen unterschätzen sich selbst, während dumme Menschen oft glauben, sie wären brillant. Man nennt dies den Dunning Kruger-Effekt. Es handelt sich um eine erkenntnismässige Einseitigkeit resp. Voreingenommenheit: Hochbegabte Menschen nehmen an, dass Dinge, die ihnen leicht fallen, allen anderen ebenfalls leicht fallen — während Minderbegabte so beschränkt sind, dass sie ihre eigene Dummheit nicht erkennen können. Quelle.

😎 Wenn wir uns an etwas Vergangenes erinnern, erinnern wir uns in Wahrheit an das letzte Mal, als wir die Erinnerung abriefen.
Was bedeutet, dass unsere Erinnerungen höchst fehleranfällig sind. Wie in einer menschlichen Telefonkette, bei der jeder dem Nächsten etwas ins Ohr weiterflüstert, wird der (resp. die Erinnerung) bei jedem Mal weiter verzerrt. Quelle.

😎 Unsere Entscheidungen sind rationaler, wenn wir sie in einer Fremdsprache denken.
Eine Studie an der Universität von Chicago zeigte, dass Koreanische Staatsbürger, die in einer Fremdsprache über etwas nachdachten, ihre Vorurteile oder Befangenheit deutlich reduzieren konnten. Quelle.

😎 Wenn wir unsere Ziele aussprechen, ist die Chance geringer, dass wir sie erreichen.
Seit 1930 wurde in Versuchen mehrfach bewiesen, dass wir besser fahren, wenn wir unsere Ziele für uns behalten, bis wir sie wirklich anpacken oder erreicht haben. Quelle.

Der Troll und die Dunkle Triade

Wie die meisten modernen Menschen nutze ich das Internet gerne und viel — in meinem Fall vorwiegend für Recherchen zu meinen Romanen.
Manchmal fühlt sich das Surfen im Netz an wie ein Heimspiel, denn schliesslich wurde das Internet 1989 in der Schweiz erfunden (oh ja!), als Projekt des CERN —welches wiederum eine tragende Rolle in meinem Thriller ACE DRILLER – Das Prometheus-Gen spielt … but that’s another story.

Das Akronym des Internets — WWW — kennt inzwischen jeder. Allerdings hat dieses Kürzel für mich als Mystery Thriller-Autor noch eine andere, ebenso wichtige Bedeutung als World Wide Web. Denn www steht auch auf jener Tür, die ich täglich öffne, um auf die andere Seite zu gelangen. Ins Reich des Mysteriums. Ins Alles-ist-möglich-Land.

www = „Was wäre wenn … “

In meiner Welt verschmelzen die beiden www-Bedeutungen zu einem geheimnisvollen Wunderland, wo Fakt und Fiktion sich vermählen und dabei den Thriller gebären.
Denn der Thrill ist überall, im Internet, in Büchern, im echten Leben. Altbekannte Ausdrücke finden im Internet neue Bedeutungen und werden beunruhigender als zuvor. So war beispielsweise ein Troll früher ein unheimliches, oft riesiges, plumpes Naturwesen, während der moderne (Internet-) Troll ein Mensch ist, der absichtlich Online-Community-Mitglieder stört, sie provoziert oder beleidigt.

Die Persönlichkeit hinter dem Troll

Liest man im Internet nach, was einen modernen Troll so ausmacht, was für Persönlichkeiten (resp. Persönlichkeitsstörungen) dahinterstecken, landet man in jenen zwielichtigen Grenzgebieten, wo die wahre Welt auf das Reich der Fiktion trifft.
Denn Trolle, liebe LeserInnen, sind Menschen mit einem schauerlichen Charakterprofil.
Menschen, denen man im Thriller ebenso begegnet wie im echten Leben.

Die dunkle Triade

Trolle sind eine Realität und ein modernes Übel. Studien kommen zum Ergebnis, dass viele Trolle die Persönlichkeitsmerkmale der sogenannten Dunklen Triade (Dark Triad) in sich vereinigen. Diese Eigenschaften sind:
* Narzissmus
* Machiavellismus
* (subklinische) Psychopathie

Kommt zu diesen Qualitäten noch eine Portion Sadismus dazu, so spricht man gar von der Dunklen Tetrade — einer gräulichen Kombination, die destruktive und ausbeuterische Persönlichkeiten beschreibt.
Wir sprechen hier von Menschen, die anderen gegenüber oft gefühllos und manipulativ sind. Das Erschreckende: obwohl diese Qualitäten gesellschaftlich im Prinzip unerwünscht sind, scheinen sie (z.B. für Führungskräfte) ein Sprungbrett zum Berufserfolg zu darzustellen. Man kann die Eigenschaften der Dunklen Triade somit als Fehlanpassung an die Gesellschaft sehen — oder im Gegenteil als eine Anpassung, die den Betroffenen einen (Überlebens-)Vorteil bringt.

Wir sprechen hier also nicht von Serienmördern, sondern von Menschen, denen wir tagtäglich begegnen. Menschen, die es oft mit Leichtigkeit schaffen, uns zu blenden, zu manipulieren, zu verführen. Menschen, die uns — sähen wir hinter ihre Fassade — in Angst und Schrecken versetzen würden.
Menschen also, die erstklassiges Material für den Thriller liefern. Weil es sie wirklich gibt. Wahrscheinlich in einer Zig-Millionenauflage.
Michael Coppola, der Mafioso aus meinem Roman „Der Screener“, ist ein Paradebeispiel für einen Vertreter der Dunklen Tetrade. Hatte ich ihn zuerst als ‚reinen‘ Psychopathen konzipiert, realisierte ich erst später, dass er alle vier Qualitäten in sich vereinigt. Und als Psychopath erster Güte hat er noch einige schlimme Dinge mit der Welt vor …
Wie auch immer: seid achtsam, denn Trolle treiben sich nicht nur im Internet herum. Wenn euer Chef eine Vorliebe dafür zeigt, seine Angestellten zu unterdrücken, oder wenn ihr euch von einem Mitarbeiter oder Familienmitglied manipuliert fühlt, dann wird’s Zeit, sich zu wehren und den Trollen eins auf die Nase zu geben: 

Goethe für Legastheniker

Was genau, Bitteschön, ist ein Künstler? Onkel Google sagt: Ein Künstler ist ein „Mensch, der beruflich im Bereich der Kunst tätig ist, Kunstwerke schafft oder darstellend interpretiert.“ Zu dieser Gilde gehören also zum Beispiel Kunstmaler, Musiker und Schriftsteller.
Aha.
Künstler sind aber auch Menschen, die von ihrer Kunst leben wollen. Oder müssen. Einige sind Ausnahmetalente oder haben Glück oder beides: sie werden entdeckt, haben Erfolg, jede Mange Fans, machen einen Haufen Kohle, und das Leben ist ein Ponyhof.
Die anderen brauchen Marketing.

Wie der Fisch das Fahrrad

Fragt man den typischen Künstler, so braucht er das Marketing wie der Fisch das Fahrrad. Marketing ist für Künstler etwa so genussvoll wie Goethe für Legastheniker, wie Tango für Einbeinige, wie Hängebrücken für Menschen mit Höhenkoller. Denn die meisten Künstler verbringen ihre Zeit am liebsten mit ihrer Kunst, und nicht mit der krampfhaften Suche nach einem Publikum. Aber ohne Publikum wird’s schwierig. Nicht nur, weil die Freude und Anerkennung der Fans und Community das Salz in der Suppe sind, sondern weil man ja von was leben muss. Kein Wunder, dass man unter Taxifahrern und Serviceangestellten eine beeindruckende Schar von brotlosen Künstlern findet.
Doch warum fällt es dem Künstler so schwer, für sich selbst die Werbetrommel zu rühren? Ganz einfach: Künstler sind, pauschal gesagt, selten die geborenen Selbstvermarker.

Marketing – das notwendige Übel?

Nachdem ich mir über die Jahre bewiesen habe, dass ich es mit der Schriftstellerei ernst meine, folgt die Konsequenz auf dem Fuß. Während ich in meine Schreibe bezüglich Stil, Form, Aufbau und anderen Facetten viel Fleiss und Schweiss investiert habe, erkenne ich, dass ich das Marketing sträflich vernachlässigt habe. Okay, das war eine dreiste Untertreibung, euer Ehren: ich habe mich davor versteckt. Mich gedrückt. Bis vor kurzem.

Das Internet und unzählige Fachleute – alles Spezialisten der Buchvermarktung – sind ein Ozean von Meinungen, welchen Kanal man nun strapazieren sollte, um als Schreiberling seine Community zu finden. Facebook, Twitter, Instagram, Blog, Newsletter und vieles mehr … doch welches ist meine Schiene?

Vom Wort zur Stimme

Ein Dreh- und Angelpunkt des Marketings ist es, zu erkennen, was am besten passt. Zu einem selbst und zum Produkt, das man vermarkten will. Was für eine Marketing-Strategie passt denn zu einem Buch? Würde ein perfekt verfilmter Trailer mich dazu motivieren, das Buch zum Trailer zu kaufen, es zu lesen? Ich bezweifle es. Lesen und Filme-Gucken sind verschiedene Planeten mit ganz verschiedenen Bewohnern. Was hingegen zum Buch passen kann, ist die Stimme. (Ich verweise auf meinen Blog Post „Vom Wort zur Stimme.„)

Marketing und Stimme wiederum führen auf direktem Weg zum Radio – einem der coolsten und effektivsten Kanäle für die Präsentation seines Werks. Ich habe die Ehre, dass Radio Rock Antenne meinen Thriller Tödlicher Schatten (gelesen von Bodo Primus) im letzten Quartal 2017 ausstrahlt, weitere Radiostationen haben bereits Interesse bekundet.

Als bekennender Hörbuch-Junkie habe ich solche Freude am Medium Hörbuch, dass ich bereits plane, auch meinen Thriller Ace Driller als Hörbuch vertonen zu lassen. Wenn alles klappt, bereits im Januar 2018.

Medien und Kanäle gibt es also viele – aber jeder Künstler bedenke und analysiere, welches Medium zu seiner Kunst passt!

Fiktive Familie

Es wird wohl wenige SchriftstellerInnen geben, die das Marketing genauso anregend finden wie das eigentliche Schreiben des Romans. Aber der wachsende Kontakt zu einer begeisterten und treuen Leserschaft kann durchaus eine Belohnung in sich sein. Wenn ich mir vorstelle, mit einer Gruppe von verschworenen, mutigen und fantasiebegabten LeserInnen über viele Jahre die geheimen Dimensionen meiner eigenen Fiktion zu ergründen, fühle ich eine wohlige Gänsehaut. Somit danke ich euch allen, die ihr zu mir respektive meinen Büchern gefunden habt. Auf das Risiko hin, schwülstig zu klingen: Ihr seid mehr als eine Marketing-Zielgruppe. Ihr seid meine Mystery-Familie!

Bild: Unsplash

Vom Wort zur Stimme

Kürzlich reiste ich zum Seminar „Sprechtraining für Autoren“ nach München, um bei der Radiomoderatorin und Sprech-Coachin Brigitte Mayer mehr über Stimme und Stimmbildung zu erfahren. Das Seminar war erste Sahne, ebenso (inter-)aktiv wie lehrreich, eine Türe zu einer Welt, der wir im Alltag viel zu wenig Beachtung schenken. Denn die Stimme ist etwas Magisches. (Siehe auch meinen Blog Post „Goethe für Legastheniker„)

Stimmen sind hörbare Stimmungen (Andreas Tenzer)

Warum sollte sich ein Autor, ein „Homo Scribens“, ein Mann / eine Frau des Schreibens, mit der Stimme befassen? Für unsereins gibt’s doch das geschriebene Wort, Feder und Tinte, Tasten und Bildschirm.

Könnte man meinen.

Aber Worte wirken gedruckt oder auf dem e-Reader anders als in der Welt des Schalles.

Die menschliche Stimme ist ein Wunder der Natur. Sie prägt das Bild unserer Persönlichkeit wie ein akustischer Fingerabdruck. Viele berühmte Menschen – egal, ob gut oder böse, ob Jesus, Gandhi oder Hitler – benutzten sie als ihr Hauptinstrument. Die Stimme kommuniziert weit mehr, als der Wortinhalt alleine es tut. In Sekundenbruchteilen gibt sie uns Informationen zu Geschlecht, Alter, gesellschaftlichem und kulturellem Hintergrund eines Menschen, zu seiner Stimmung, seinen Absichten, seinem Charakter. Wörter, die den Begriff „Stimme“ beinhalten, sind oft essentiell: Stimmig. Abstimmen. Übereinstimmen. Bestimmen. Umstimmen. Dito für Redewendungen: Der eigenen Stimme folgen. Die Stimme des Blutes. Die Stimme des Volks. Der Stimme des Herzens / des Gewissens folgen. Eine Stimme wie ein Reibeisen. Gold in der Kehle haben.

Zudem ist die Stimme eine sinnliche Erfahrung. Beim Reden und Singen verwenden wir den eigenen Körper als Resonanzkasten, fühlen also (bewusst oder unbewusst) die Vibrationen, die wir bei bestimmten seelischen Stimmungen selbst verursachen. Faszinierend, wie Spock sagen würde.Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Spock Faszinierend

Einstimmig für die Stimme

Was liegt also näher, als einem Buch (s)eine Stimme zu verleihen? Ist doch ein Kinderspiel, schliesslich sprechen wir Erwachsene schon seit vielen Jahren, täglich, sind routiniert …

Pustekuchen!

Das Problem fängt schon beim Lesen an. Ist euch schon mal aufgefallen, dass wir beim Lesen „innerlich mitlesen?“ Meistens tun wir dies stumm, aber das Hirn imitiert den Vorlese-Prozess dennoch, was unter anderem dazu führt, dass die meisten von uns ziemlich langsam lesen; das Hirn könnte es nämlich viel, viel schneller, siehe Speed-Reading.

Die nächste Herausforderung ist es nun, die „automatische innere Stimme“ akustisch so hinüberzubringen, dass sie das volle Potenzial des gesprochenen Wortes vermittelt. Jeder Hörbuch-Junkie (wie ich selbst) weiss, was für eine magnetische, hypnotische Wirkung die Erzählung eines begabten, dazu trainierten Sprechers hat, was für Dimensionen sie eröffnet. Der Haken an der Sache ist, dass die Stimme und ihr Gebrauch etwas so Hochkomplexes ist, dass das Sprechen von Hörbüchern (zu Recht) zu einer eigenen Berufsgattung geworden ist. Was nicht bedeutet, dass wir Schreiberlinge die Hände (resp. die Stimmbänder) davon lassen sollen.

Tatsache ist: nur wenigen Schriftstellern ist es möglich, den eigenen Zeilen die „perfekte“ Stimme zu verleihen. Niemand verlangt absolute Perfektion, aber gewisse Eckpfeiler tragen beim Hörer deutlich dazu bei, ob das Gehörte ein Genuss oder eine Zumutung wird. Die Stimme sagt so viel über den Sprecher, die Sprecherin aus, dass es fast unheimlich ist. Und tatsächlich kommen unheimlich viele Faktoren zusammen, die über Wonne oder Flucht des Hörers entscheiden: Stimmlage, Timbre, Betonung, Tempo, Achtsamkeit, Atem, Lautstärke, Pausen … das Sprechen eines Textes entspricht einer Reise ins Kulinarische. Es gibt alles, von McDonald’s bis zur Haute Cuisine. Und Spitzenköche, so weiss man, müssen lange trainieren, bis sie sich ihre Toques verdient haben.

Diesen Gedanken folgend begann ich vor einem Jahr mit Gesangsunterricht; einerseits, damit meine Gitarre nicht ständig solo unterwegs ist, andererseits mit der Absicht, meine Stimme auch für Lesungen und vielleicht gar für das Vertonen meiner Bücher (oder mindestens meiner Short Storys) fit zu machen. Dabei fand ich neben den technischen Herausforderungen etwas ganz Verblüffendes: Die Stimme ist unerbittlich, eine Richterin, die das eine Ding verlangt, von dem man Schweissausbrüche kriegt: Ehrlichkeit.

Die Geissel Ehrlichkeit

In der Stimme wohnt unsere Seele. Jeder Gesprächspartner oder Zuhörer kann aus ihr heraushören, wie wir drauf sind. Ausgeglichen oder muffig, innerlich bebend oder ein Fels in der Brandung … ja, man kann bei vielen Menschen einen grossen Teil des Charakters aus der Stimme lesen. Wie Georg Christoph Lichtenberg es ausdrückte: „Eine Angenehme Stimme ist sehr oft mit sonst übrigens guten Eigenschaften des Leibes und der Seele verbunden.“ Wenn wir AutorInnen also bei einer Lesung vor einem Publikum stehen, ist es, als wären wir mit einem Hightech-Lügendetektor verkabelt. Ein Bild des Schreckens.

Doch die Stimme kann vom fiesen Enthüller zum Lehrer werden. Wenn man sich um sie kümmert, sich mit ihr befasst. Unzählige Bücher und Coaches erzählen uns vom „Entfesseln des eigenen Potentials“, und sie alle haben Recht. Als Erwachsene glauben wir, dass wir richtig gehen, stehen, atmen, reden. Dabei kann uns jeder Profi in jenen Bereichen in kürzester Zeit aufzeigen, dass es massive Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Schade nur, dass wir keine Zeit haben. Schliesslich gibt es Wichtigeres, wie TV, Nachrichten, mit den Kumpels ausgehen, Shopping, Kino und dergleichen.

Alles kann man besser machen

Doch zurück zur Stimme. Natürlich ist auch die Stimme ein Bereich, wo gewisse natürlich Grundpfeiler stehen, wo Genetik, Persönlichkeit und andere, wenig veränderbare Faktoren eine Rolle spielen. Doch wie man so schön sagt: Alles kann man besser machen, und von nichts komm nichts. Für mich gibt es nichts Naheliegenderes, als mich künftig intensiver um die Stimme zu kümmern – die meine und die der anderen. Als psychologischer Berater, Hypnosetherapeut und Schriftsteller bin ich auf allen Ebenen ein Mann des Wortes. Und dem Wort wird nicht Red Bull Flügel verleihen, sondern Übung. Denn Stimmbildung ist intensives Training, egal, ob es um Gesang oder ums (öffentliche) Reden geht. Wenn man mich heute fragen würde, in was zu investieren sich lohnt, käme die Stimme lange vor Gold oder Novartis-Aktien. Denn die Stimme widerspiegelt unser Ich und unsere Entwicklung.

Der Profi

Ein sehr „stimmiger“ Höhepunkt meiner Schriftstellerkarriere ist deshalb die Tatsache, dass ich für die Vertonung meines Thrillers „Tödlicher Schatten“ den renommierten Sprecher Bodo Primus gewinnen konnte, einen Mann, der mit seiner markanten Stimme ein Millionenpublikum von Hörbuch-Liebhabern begeistert hat. Eine Hörprobe dazu gibts bei Audible: Tödlicher Schatten.

Das „Abenteuer Stimme“ hat für mich jedenfalls eben erst begonnen!

Gorilla und Thriller

Gewisse Themen muss man einfach strapazieren. Weil sie wichtig sind. Noch Fragen? Ähm – sorry: Vielleicht sollte ich mit dem eigentlichen Thema beginnen. Mit Gorillas. Natürlich könnten es auch Elefanten, Wölfe, Säbelzahntiger oder Teufelsnachtschwalben sein, aber heute sind die Gorillas dran – stellvertretend für den Menschen vor dem Schritt in die Zivilisation. Was das Ganze mit dem Thriller zu tun hat? Kommt gleich!

Konventionen und die Unterdrückung unserer Natur

Der Mensch – witzigerweise Homo Sapiens genannt, also der weise/kluge/gescheite/vernünftige Mensch – hat etwas erschaffen, was wir Zivilisation nennen. Kernpunkte dieser Zivilisation sind zum Beispiel, dass wir uns selbst Regeln auferlegt haben, die unserer Natur voll gegen den Strich gehen. Ob Bibel oder Gesetzestext: wir sollen nicht töten, sollen nicht unseres Nächsten Weib begehren (selbst wenn sie uns zum Pokerabend einlädt), und wir sollen nicht das Gesetz in die eigene Hand nehmen. Wenn uns also einer blöd kommt, uns verbal angreift oder bedroht, muss jeder aggressive Instinkt einem zivilisierten Gespräch weichen, und wenn’s dann nicht anders geht, gehen wir ebenso artig zur Polizei, damit diese sich um den Konflikt kümmert.

Das verbindende Element: wir sollen unsere tierische Natur schlicht unterdrücken und verleugnen. Denn wir sind der Homo Sapiens und haben mit dem niederen Tier, das wir einst wahren, nichts gemeinsam – gar nichts. Vielleicht hat die Bibel ja sogar recht, und wir alle stammen aus der göttlich-inzestuösen Sippe von Adam, Eva, Kain, Abel und Set. Oh Kopfkino, lass ab!

Darwin vs. biblischer Inzest

Betrachtet man jedoch die Evidenz, so kommt zumindest mir die Evolutionstheorie um Welten plausibler vor. Denn rein genetisch sind wir Affen, unterscheiden wir uns doch um weniger als zwei DNA-Prozent von Bonobos und Gorillas . Womit wir wieder beim Thema wären: Was zum Geier haben Gorillas mit Thriller zu tun?

Ganz einfach. Gorillas leben ihre Natur aus. Es geht ihnen, wie uns, ums Überleben, um die Sicherung der Nahrung, um die Fortpflanzung. Nur, dass die Gorillas das Handwerk dazu nicht an Justiz, Polizei, Wirtschaft und Versicherungen delegieren. Das Alpha-Männchen, ein stattlicher Silberrücken, erkämpft sich seine Position, wieder und wieder – bis ein Stärkerer ihn vom Thron schubst. Das einfache Gorillamännchen holt sich sein Weibchen, durch Verführung oder Gewalt sei dahingestellt, und kümmert sich nicht darum, ob jenes Weibchen schon einem anderen gehört. Und auch bei der Nahrungsbeschaffung gilt: der Schnellere ist der Geschwindere.

Darwin vs. biblischem Inzest

Photo by Vincent van Zalinge on Unsplash

In diesem Gorilla-Leben sind Konflikte an der Tagesordnung, Kampf und Gefahr – der Thrill – gehören zum Alltag. Und vielleicht liegt hier der Hund begraben: Wir Menschen – und ich spreche in erster Linie von den Stadtmenschen sozial privilegierter Länder –  haben den Lebenskampf wegrationalisiert, respektive in den virtuellen Raum verschoben. Statt sich die Alpha-Position mit nackten Fäusten zu erkämpfen, verbringen wir zwölf Stunden täglich in einem Grossraumbüro vor einem Flachbildschirm, in Anzug und Krawatte (wobei letztere zwei Attribute auf Rang, Lohn und Penislänge hinweisen). Und selbst wenn unser narzisstischer, schikanierender Boss ein dicklicher Brillenträger mit Asthma ist, dürfen wir ihn nicht aus dem Weg prügeln oder zum Duell herausfordern. Nein, wir unterdrücken jeden Anflug von Frust und Aggression und spielen weiter, gemäss jenen Homo Sapiens-Spielregeln, die uns Magengeschwüre, Migräne und den Herzinfarkt bescheren.

Globale Heuchelei

Auch ausserhalb des Geschäfts strampeln wir im Spinnennetz jener Gesetze, die wir uns selbst eingebrockt haben – Gesetze, die direkt mit unserer tierischen Natur kollidieren. Wir haben von den Eltern und der Gesellschaft gelernt, dass es gut ist, gut zu sein; dass es richtig ist, keine Gewalt anzuwenden und auch die andere Wange hinzuhalten. Wenn uns bei einer Kampfscheidung die Mordlust überkommt, legt uns der Anwalt kopfschüttelnd die Hand auf die Schulter und erinnert uns daran, dass es zwanzig Jahre Knast dafür gibt, dem Impuls – dem im Tierreich völlig natürlichen, überlebensnotwendigen Impuls – des Tötens nachzugeben.

Doch nun folgt das Paradoxe: Obwohl ein Teil unserer Selbst sich so gerne als liebevollen Gutmenschen sieht, glaubt ein anderer, atavistischer Teil diesen Blödsinn nicht einmal im Ansatz. Und vielleicht ist es genau jener wilde Teil, der sich unaufhaltsam durch die Maschen unseres „Wir sind doch keine Tiere!“-Mantras beisst. Jener Teil, der uns dazu bringt, uns täglich die Tagesschau mit ihren tausend Schrecken reinzuziehen. Thriller zu lesen, bei denen es einem kalt über das Rückgrat läuft. Videospiele zu spielen, bei denen Blut und Hirnmasse durch die Gegend spritzt. Interessanterweise sind die wahren Renner unter den Video-Games stets Gewaltspiele, gut 70% aller Spiele gehören zu dieser Kategorie.

All dies weist darauf hin, dass wir uns in eine globale Heuchelei manövriert haben. Einerseits haben die meisten von uns die Fähigkeit zu Liebe und Empathie (wie Gorillas und andere Säugetiere übrigens auch). Gleichzeitig ist da auch die andere Seite. Die unerbittliche „Kampf-oder-Flucht“-Seite, die wir mit solcher Inbrunst verdrängen – schliesslich wollen wir nicht wie die Tiere sein, um Gottes Willen!

Feigheit und Projektion

Wir sind zu „gut“ und gleichzeitig zu feige geworden, Abenteuer zu erleben. Wir delegieren und projizieren diese auf die fiktiven Welten eines James Bond, Harry Potter oder Jack Sparrow, auf Computerspiele und Virtual Reality. Wir unterdrücken unsere tierischen Instinkte mit solcher Vehemenz, dass das Bedürfnis nach seelischen Druckventilen enorm geworden ist. Womit wir wieder beim Thriller im weitesten Sinn wären.

Virtuelle Welt

Photo: Glenn Carsten Peters – Unsplash

Der Mensch sucht den Thrill. Braucht den Nervenkitzel. Vielleicht, weil wir eben doch Tiere sind und den wahren Lebenskampf vermissen. Vielleicht, weil wir das Fight-of-Flight-Leben während Jahrtausenden eingeübt haben und es uns nun tief in den Genen steckt. Wenn also wieder einmal ein netter Zeitgenosse, ein christlicher Weltverbesserer mit hoher Moral und Ethik, das „Böse“ und die Gewalt in Buch und Film kritisiert, mag er darüber nachdenken, ob ohne jene Ventile vielleicht bald wieder tierische Verhältnisse auf der Welt herrschen würden.

Was vielleicht nicht das Schlechteste wäre …

Skorpion, Fiktion & die Macht der inneren Welten

Was haben Skorpion und Fiktion gemeinsam? Eine Frage, die nach der klassischen Antwort verlangt: „Das ist eine lange Geschichte.“

Du magst sie hören? Setzt dich hin. Ich erzähl sie dir gerne!

Zunächst mal: Ich bin ein bekennender Fiktion-Junkie, und du, geschätzte Besucherin, geschätzter Besucher dieses Blogs, auch. Nehmen wir den Thriller also ruhig als eine von vielen Drogen wahr. Allerdings als Droge mit Sonderstatus. Denn sämtlichen anderen Drogen fehlt etwas – ob Heroin, Crystal Meth, X-Box,  TV, Sex, Junk Food, Schokolade oder Zigaretten. Klar, sie alle bringen den momentanen Kick, das flüchtige gute Gefühl … und dann war’s das schon.

Fiktion jedoch, Mesdames et Messieurs, ist anders.

Alles ist Energie

Die moderne Quantenphysik belegt, dass alles Energie ist. Alles. Erde, Bäume, Häuser, unser Körper, unsere Gedanken. Bei der Fiktion – beim Kreieren wie beim Lesen – fokussieren wir Energie auf das Erschaffen von innerer Realität. Das Erschaffen von Welten. Wir richten Fokus, Achtsamkeit und somit Hirn-Energie auf unsichtbare parallele Dimensionen, schmücken und färben sie mit Liebe, Angst, Sehnsucht, Leidenschaft und Wut … und manchmal geschieht etwas. Manchmal erleben wir, wie nachhaltig jene Welten, die traditionell als „reine Fantasie“ abgetan werden, in uns weiterwirken. Uns verändern. Uns stärken, beschützen, beglücken, uns Sinn verleihen. Beim Lesen und beim Schreiben.

Als ich noch Skorpion war

Bis zu meinem 35. Altersjahr lebte ich in der Überzeugung, astrologisch ein Skorpion zu sein, wurde ich doch am 22. November geboren, und auf fast allen Zuckertütchen wird man bei diesem Datum den Skorpiongeborenen zugeteilt. Logo, dass ich mich als Teenager für Astrologie interessierte. Erst später, als meine bessere Hälfte, eine der coolsten Astrologinnen der Schweiz, mir mitteilte, dass ich in der ersten Minute des Schützen geboren wurde, änderte sich mein Weltbild. Wie man mitten im Leben sein Sternzeichen wechselt, ist wohl eine Story für sich, aber vorerst mal zurück zum Skorpion …

Verbrannte Erde

Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Skorpion Kraftbild Sternzeichen Fiktion Schöpfung

Im festen Glauben, ein plutonischer, stets stichbereiter Skorpion zu sein, las ich Bücher über Skorpiongeborene. In einem jener Bücher kam ein Abschnitt vor, der mein Leben verändern sollte:
„Der Skorpion ist ein Meister im Überleben auf verbrannter Erde; er ist zäh, beinahe unzerstörbar, er kämpft bis zum bitteren Ende, während andere schon längst aufgeben …“

 

Verbrannte Erde. Was für ein Bild! Obwohl ich von diesem militärischen Begriff nie gehört hatte, war die Vision glasklar. Ich sah mich als menschengrossen Skorpion auf dampfender, verkohlter Erde stehen, breitbeinig (als Skorpion besonders eindrucksvoll), Zangen und Stachel erhoben, die Miene entschlossen, selbstsicher, knallhart, der geborene Überlebenstyp.

Kraftbild

Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Lava Schöpfung Skorpion Verbrannte ErdeDas Bild setzte sich in mir fest, entwickelte eine Eigendynamik. In so vielen schwierigen Lebenssituationen half es mir, durchzubeißen, nicht aufzugeben, taff zu sein, nicht in die Opferrolle abzudriften. Ich war ein Skorpion, durch und durch.

Das Verrückte war aber der Moment, als ich erfuhr, dass ich Schütze bin. Obwohl ich mich schon bald innerlich neu ausrichtete, änderte das nichts an meinem Kraftbild. Nicht das Geringste. Der Skorpion in mir hatte über die Jahre so viel Energie, so viel Aufmerksamkeit erhalten, dass ich mich weiterhin als Rocky fühle, als ‚Die Hard‘ John McClane, als einer, der sich nicht unterkriegen lässt.  Im Arzt- und Selfpublisher-Business sehr hilfreich!

Schöpfung

Ob die Grenzen der Fiktion und damit der Kreation damit erreicht sind, steht in den Sternen. Es gibt genug Romane, bei denen es um das Thema der Kreation durch Fiktion geht. So wie Dr. Frankenstein seine Kreatur erschuf, so spielen etliche Schriftsteller mit dem Gedanken, dass ihre geistigen Kinder tatsächlich ‚geboren‘ werden und manchmal sogar eine Eigendynamik entwickeln – wie etwa in Stephen Kings Thriller Stark – The Dark Half.

Dabei geht es nicht um Größenwahn und Allmachtsgedanken, sondern um die instinktive Frage des Schriftstellers, ob seine Schöpfung tatsächlich nur in seinem Gehirn existiert – oder auch „irgendwo da draußen.“ In der realen Welt. Oder einer parallelen Dimension, die vielleicht erschreckend nahe an der unseren existiert, getrennt von filigranem Gedankenstoff. Es könnte sein, dass das Schöpfen von Figuren und Handlungen eine Tür zu etwas öffnet, das unser Leben verändert.Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Skorpion

Ob ich daran glaube?

Ich antworte mit einem entschiedenen Vielleicht!

Der lautlose Tod – Stoff für Thriller?

Manchmal begegnet uns der lautlose Tod. Manchmal lässt uns das Grauen verstummen. Wie die meisten Thrillerautoren halte ich überall Ausschau nach Elementen, die für eine Gänsehaut taugen (und wer steht schon nicht auf Gänsehaut …?) Da ich vorwiegend Mystery Thriller schreibe, kommen diese Elemente oft aus dem offiziellen Universum der Fantasie. Allerdings muss ich bei weitem nicht immer auf das Übernatürliche zurückgreifen, um die Zähne zum Klappern zu bringen. Das reale Leben, der Alltag, bietet ein eindrückliches Arsenal des Schreckens. Manchmal wird der Horror von einem Todesschrei begleitet. Manchmal lässt uns der lautlose Tod mit Grauen verstummen.

Für Hänsel und Gretel lauert die Gefahr im Wald. In „Der Herr der Ringe“ können Bäume sprechen und sich fortbewegen, sind durchaus kriegerisch; im „Talisman“sind die Bäume schlicht böse. Doch da gibt es auch einen echten Wald, einen Wald, der bei weitem gefährlicher ist als jeder andere auf dieser Welt.

Schon einmal vom Roten Wald gehört?

Der Rote Wald, gut zehn Quadratkilometer gross, gehört zur Sperrzone von Tschernobyl, dem verbotenen Gebiet mit der weltweit stärksten Strahlenverseuchung. Die Explosion in Tschernobyls Reaktor Nr. 4 im Jahre 1986 segnete die Region mit einer Strahlenbelastung, die dem zwanzigfachen der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki entsprechen. Moment mal … „Strahlenbelastung“, das klingt irgendwie so abstrakt, so klinisch. Wollen wir uns einmal anschauen, was das für einen verstrahlten Menschen bedeutet? Je nach Strahlenbelastung treten Symptome auf wie Kopfschmerzen, Übelkeit, unkontrollierte Blutungen in Mund, Darm, unter der Haut, Fieberdelirium, Koma – und schliesslich Tod. Bei schwersten Strahlenkatastrophen kommt es auch schon mal zur Walking Ghost Phase, einem Zeitraum von mehreren Tagen, an dem sich der Verstrahlte nach anfänglicher extremer schwäche anscheinend erholt. Doch dann folgt die Sterbephase mit raschem Zelltod. Und nein, es ist kein schönes Sterben.Yves Patak Schriftsteller Der lautlose Tod
Doch zurück nach Tschernobyl. Interessanterweise hat sich die Tierwelt in der Region seit der Atomkatastrophe nicht nur erholt, sondern vervielfacht. Schon in den ersten zwei Jahren nach der Explosion nahm der Bestand an Wildschweinen um das Achtfache zu. Allerdings finden sich auch Hinweise auf Mutanten, auf genetisch veränderte Vögel und andere Tiere.

Radioaktivität. Mutanten. Der lautlose Tod.

Der wahre Schrecken jedoch liegt in den Bäumen selbst. Nach der Reaktorexplosion starben tausende von Tannenbäumen, verfärbten sich durch die Strahlung rötlich (daher der Name Red Forest). Die meisten Bäume wurden im Rahmen der Aufräumarbeiten plattgewalzt und vergraben, weil sie die meiste Radioaktivität abbekommen haben. Gewisse Quellen (Quora.com) behaupten, dass die Strahlung auf den Bäumen auch Bakterien und Pilze abtöten, weshalb die Bäume nicht verrotten: es sind ewige Tote, radioaktive Mumien.
Falls es in jener Region also je zu einem Brand kommen sollte – z.B. durch Blitzschlag, was ja durchaus möglich ist – würde mit den Flammen eine gewaltige radioaktive Wolke in die Atmosphäre gelangen und über die ganze Erdkugel wandern.
Radioaktivität. Mutanten. Ewige Stille. Der lautlose Tod.
Durch die wogenden Nebel meiner Thriller bewegen sich zwei Gestalten, denen die Idee gefällt. Mehr als das. Das Konzept törnt sie förmlich an. Da wäre der Mafioso und Soziopath Michael „Die Flamme“ Coppola … und da wäre der dämonische Ûraton. Beide überlegen, wie sie eine solche globale Katastrophe zu ihrem eigenen Nutzen provozieren könnten.
Die einzige Frage ist, welcher der beiden Schurken der Schnellere sein wird …

Konfrontation mit der Angst

Die Konfrontation mit der Angst ist für mich als Arzt Alltag, ebenso wie die Frage gewisser Patienten: „Dr. Patak, wie können Sie als liebevoller und emphatischer Arzt Gruselstorys und Thriller schreiben?“

Offenbar leiden nur wenige Krimi-Schriftsteller unter zweier sehr gegensätzlichen Leben. Dabei liegt des Rätsels Lösung vielleicht näher, als man denken würde, und spiegelt sich möglicherweise in einem meiner liebsten Stephen King-Zitate:

From a very early age, I wanted 
to be scared. [I think that] I wanted an emotional engagement with something that was safe, 
something I could pull back from. (Stephen King)

Frei übersetzt: Bereits in sehr jungen Jahren wollte ich Angst erleben. Ich glaube, ich wollte einen emotionalen Bezug zu etwas aufbauen, das ungefährlich war, von dem mich mich (jederzeit) lösen konnte.

Für mich drückt dieses Zitat etwas aus, das die Brücke schlägt zwischen meinen Berufen als Psychotherapeut und Schriftsteller:

Es geht um Konfrontation.

Denn die Konfrontationstherapie wirkt als Brücke zur Entwicklung, zur Veränderung. Der Angst Freiwillige Konfrontation mit der Angst ist nicht pervers, sondern weise. Als Menschen fühlen wir uns oft verloren, hilflos, schutzlos, ausgeliefert. Da stehen wir auf einer kleinen blauen Kugel, die mit 100’000 kmh durchs Weltall rast, um uns herum unzählige potentielle Gefahren.

Um uns herum?

Pustekuchen! Es gibt nicht nur fanatische Muslime, psychotische Präsidenten, fiese Chefs, borstige Schwiegermütter, drohende Klimaerwärmung, Killer-Meteoriten, Ebola und Hungersnöte, sondern auch die tausend Gefahren in uns drin: Woher wissen wir, dass nicht gerade jetzt, in dieser Minute, ein Krebs in uns heranwächst? Unsere psychische Stabilität in Schräglage gerät? Unser Herz stehenbleibt?

Der Mensch kann mit Unsicherheit schlecht umgehen.

Aber er kann es lernen. In der Psychotherapie ist eine der wirksamsten Methoden die Konfrontationstherapie. Und hier, wie meist im Leben, macht Übung den Meister. Auch die moderne Psychotherapie arbeitet durchaus mit Gruselelementen: Psychotherapeuten begleiten ihre Klienten mit Virtual Reality  langsam zur vermeintlichen Gefahr, bis diese ihren Horror-Charakter verliert.Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Eye in Hand

Das Lesen von Spannungsliteratur und Krimis, die KOnfrontation mit gefährlichen, blutigen, verstörenden Geschichten, kann als Therapie angesehen werden.

Die Psyche unterscheidet nicht so sehr zwischen Realität und Phantasie, wie viele meinen, weshalb „bildhaft-imaginative Ansätze stärkere als gedachte Effekte haben dürften.“ Und jetzt wird’s spannend:

Sowohl die Hypnosetherapie wie auch der Thriller arbeiten sehr intensiv mit inneren Bildern und Emotionen!

Wie bereits in einer früheren Ausgabe von „Pataks Schatzkiste“ berichtet, reagieren selbst Depressive positiv auf das Lesen von Krimis – eine Tatsache, die auf den ersten Blick merkwürdig erscheint, doch im Licht der Konfrontationstherapie verständlich wird.

Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Konfrontation evil doll confront your fearsIch beginne also, meine Arbeit als Schriftsteller mit neuen Augen zu sehen. Unterhaltung mit Gruseleffekt zum einen … Psychotherapie zum anderen. Was kann ich sagen: I love it!

Hier geht’s zum Artikel: Virtual Reality in der Psychotherapie

 

Kreative Hypnose und der Kuss der Muse

Eine der häufigsten Fragen, die man als Schriftsteller hört: „Wo hast du bloss all deine Ideen her?“

Bei vielen Leuten steckt Neugier hinter der Frage, oder das Bedürfnis nach Small Talk. Da gibt es aber auch diejenigen, die gerne kreativ sein würden, die selbst ein Buch schreiben oder sonst etwas entwickeln wollen. Jene Menschen wissen, dass es manchmal gar nicht so leicht ist, ein kreatives Projekt vorwärts zu treiben, weil die zündende Idee fehlt. Ideen kommen, so scheint es, meist dann, wenn wir am wenigsten nach ihnen suchen. Was wiederum an das Faust-Zitat – „Es irrt der Mensch, solang er strebt“ – erinnert. Danke, Goethe, sehr hilfreich.

Wir können die Muse nicht zwingen, uns zu küssen. Aber wir können sie motivieren. Dazu verführen.

Da ich seit Kindheit dazu neige, dem Tagträumen zu verfallen, ist der Trance-Zustand meine zweite Natur. Dass ich Hypnosetherapeut wurde, war zwangsläufig. Das Wunderbare am hypnotischen Zustand ist aber nicht nur das therapeutische Potenzial, sondern auch die Möglichkeit, auf die Reise zu gehen – auf die Reise zur Muse, auf ins Abenteuer Inspiration. Bei mir beginnt die Reise oft mit einer magischen Formel:

„Man stelle sich vor …“

Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Hypnose Kuss der Muse Kreativität CreativityEs gibt tausend Wege, die Imagination und damit die Inspiration anzuregen. Ein Beispiel? Du brauchst einen Bösewicht, einen Schurken für deinen Thriller? Okay. Setze oder lege dich hin, schliess die Augen. Du sitzt in einer Bar, einer schummerigen Bar – sagen wir in Manhattan – wo sich allerlei Pack herumtreibt, zwielichtiges Volk, dem du im Alltag kaum je begegnest. Du sitzt an der Theke, vor dir einen Whiskey Sour, und beobachtest die Leute in der Bar, suchst nach dem einen, der das Zeug hat, der Schurke in deinem Roman zu werden. Er sollte alt sein, denkst du, denn viele Kanaillen sind jung, stark und gefährlich. Du aber möchtest einen alten Mann, weil man diesen unterschätzt, was ihn umso gefährlicher macht.

Du schaust dich also um und siehst einen alten Mann, nur drei Hocker von dir entfernt, ein schäumendes Bier in der Hand. Der Alte hat einen Rauschebart wie der Weihnachtsmann, aber die Augen – nein, das eine Auge, denn er trägt eine Augenklappe – hat nichts vom guten alten Santa Claus. Es glitzert honigfarben, und da ist eine Schlauheit, die an Hinterhältigkeit grenzt. Und obwohl der Mann wirklich alt ist, uralt sogar, strahlt er eine Lebendigkeit, eine Energie aus, die nicht zu seinen Jahren passen will.

Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Creativity kreative Hypnose Kuss der MuseDer Mann trinkt sein Bier aus, erhebt sich, und du folgst ihm durch die nächtlichen Strassen Manhattans. Du bleibst weit zurück, denn es wäre nicht gut, wenn der Alte deine Präsenz bemerken würde. Gar nicht gut.

Nach einem langen Fussmarsch – und hey, der Alte geht nicht, er läuft wie ein Wiesel! – gelangst du in den Meatpacking District, siehst, wie der bärtige Alte eine verlassene Fabrikhalle betritt. Kurz entschlossen (und, gib’s ruhig zu, ziemlich nervös) schleichst du um die Halle herum und findest ein Loch im Wellblech, ein Guckloch, durch das du hineinspähst.

Und jetzt wird es gruselig.

In der Mitte der Lagerhalle, über einem Metalltisch, hängt an einem langen Kabel eine einzelne, nackte Glühbirne und beleuchtet die aufgeschlagenen Seiten der White Pages, dem Telefonbuch Manhattans. Bewegungslos verharrt der Mann vor dem Tisch, hält die von Alterflecken übersäte Hand dicht über dem Telefonbuch, eine mächtige Hand mit langen, knotigen Fingern, die nach einer unsichtbaren Schwingung zu tasten scheinen. Dann, wie ein Falke im Sturzflug, sticht der harte Nagel des Zeigefingers nach unten, hackt sich in einen Namen im unteren Drittel der Seite.

Langsam, wie in einem eigenartigen Ritual, fährt der Fingernagel über die eine Zeile, hin und her, ritzt das Papier. Das schabende Geräusch, ein tonloses Fauchen, scheint die nackten Wellblechwände der Halle emporzukriechen, die Luft zum Knistern zu bringen. Unter dem Fingernagel kringelt sich gelblicher Rauch empor, und das Papier färbt sich bräunlich, dann schwarz …

So habe ich meinen Roman-Schurken Samael Janoda („Tödlicher Schatten„) getroffen. Bin ihm mit klopfendem Herzen zur Lagerhalle gefolgt, um ihn aus sicherer Distanz kennenzulernen.

Bei mir läuft dieser Prozess meistens von alleine. Allerdings gebe ich meinem Geist die Gelegenheit, auf die Reise zu gehen, biete ihm die ideale Startbahn, um abzuheben.

Ganz ohne LSD und Grüne Fee.

Der Schriftsteller, der an der gelegentlichen Schreibblockade leidet, kann durch Hypnose lernen, sich seine eigene, private Strasse zur Dimension der Kreativität zu etablieren, sich täglich zur flüchtigen Muse heranzuschleichen. Dabei gibt es unzählige Wege, sich inspirieren zu lassen. Vielleicht stehst du (mental) auf einer Lichtung im Wald und hörst ein seltsames, rhythmisches Geräusch, wie von einer Axt … aber irgendwie klingt es nicht wie eine Axt. Was könnte es sein? Oder du gehst durch einen Hotelflur, in einem abgelegenen Hospiz hoch oben in den Bergen, und du hörst hinter einer der Zimmertüren plötzlich ein Tuscheln, und du weisst, dass du gemeint bist, ahnst, wer oder was da hinter der Tür lauert …

Für diejenigen, die den Weg zur kreativen Trance kennenlernen möchten: Einfach melden auf ypatak@bluewin.ch!

 

Bibliotherapie: Die Macht der Worte

Bücher sind alles andere als reiner Zeitvertreib und Futter fürs Gehirn, denn Bücher stecken voller Worte, und Worte sind mächtig – mächtiger als den meisten bewusst ist. Bei Fachbüchern sind sich die Leser über die Macht der Worte einig, dass sie etwas in uns bewirken, uns weiterbringen, während sich bei Fiktion die Gemüter scheiden. Zu Unrecht. Denn die Sprache ist etwas vom Einflussreichsten, was unserer Evolutionsküche entsprungen ist, und sie bewirkt Unglaubliches, wenn man sie einzusetzen weiss – ganz egal, wo.

Im Anfang war das Wort

Nicht ganz zufällig gebührt dem Wort in der Bibel ein Ehrenplatz, heisst es doch im Johannesevangelium:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. (…) In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen.

„Das Licht scheint in der Finsternis.“ … Hmm!

Ich gebe zu, als eingefleischter Agnostiker habe ich mich noch nie so wirklich dem Bibelstudium hingegeben, aber dieser Satz lässt es in mir als Thrillerautor kribbeln.

„Das Licht scheint in der Finsternis.“

Wasser auf meine Mühlen, vertrete ich doch die Meinung, dass auch das Düstere, das Gruselige, uns irgendwie weiterbringen kann. Dass der Thriller, der Krimi, die Gothic Fiction, ein (einigermassen) sicherer Weg ist, unseren eigenen Ängsten zu begegnen – und sie durch Konfrontationstherapie aufzulösen.

Die Macht der Worte

Worte können magisch wirken – ob gesprochen oder gelesen. Sie können kreieren oder zerstören, können liebevoll gesprochen werden wie von einer Mutter, die ihrem Kind ein Märchen vorliest, oder mit der vernichtenden Gewalt eines Adolf Hitler. Worte sind unsere Begleiter und Führer, wenn wir uns auf die Reise nach innen begeben. Der Lichtkegel in der Dunkelheit.

Bücher als Heilmittel

Wussten Sie, dass es in der Psychotherapie den Begriff der Bibliotherapie gibt? Oh ja: Bücher werden gezielt als Heilmittel eingesetzt, als Katalysator, der beeindruckende Seelenprozesse in Gang setzen kann.
Doch es wird noch überraschender: Offenbar helfen düstere Geschichten – also Krimis, Thriller, Gruselgeschichten – sogar bei Depressionen, obwohl man ja eher das Gegenteil vermuten würde. Wie es dazu kommt, lesen Sie im folgenden Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen: Heilende Worte.

 

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Coppola: „Bevor mich die Lust überkommt, jemandem weh zu tun.«

»Lass sie los, du Schwein!« knurrt Hugh. Ungeachtet der auf ihn gerichteten Pistole steht er auf und macht einen raschen Schritt auf seine Tochter zu. Blitzschnell dreht sich Coppola um die eigene Achse und verpasst dem Arzt einen Tritt in den Magen. Mit einem erstickten Schnauben sackt Hugh zusammen. Gemütlich lehnt sich Coppola gegen die Wand und verschränkt die Arme, den Lauf der Pistole an seiner Schulter.

»Und nun, Dottore, erzählen Sie mir von Ihrem Freund Desmond Parker. Von seinem … Talent.«

Schwer atmend rappelt Hugh Flint sich auf. Sein Blick irrt zwischen seiner Frau und seiner Tochter hin und her.

»Sie Hundesohn …«

»Dottore, bitte. Erzählen Sie mir alles aus freien Stücken. Bevor mich die Lust überkommt, jemandem weh zu tun.«

Michael Coppola, Die Flamme, Mafioso. Soziopath, Der Screener

Und nie hört man ihn kommen …

Michael „Die Flamme“ Coppola, der Bösewicht aus meinem Thriller „Der Screener“, kommt immer dann, wen man ihn nicht erwartet. Und nie hört man ihn kommen. Er ist der Fremde, den man zu kennen glaubt, und der einen immer wieder überrascht.

In meinem Leben ist er zu einem meiner „Rumpelstilzchen“ geworden. In tiefster Nacht tanzt er um mich herum, provoziert mich, grinst mich an. Dabei frage ich mich, ob er tief in der Seele ein Mephisto ist, „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Nun ja, nicht, dass das Töten und Foltern unschuldiger Menschen auf den ersten Blick etwas Gutes ist. Aber im Roman katalysiert dies die Entwicklung der „Guten“, hilft ihnen, über sich selbst hinauszuwachsen.

Ich habe schon einmal versucht, Coppola sterben zu lassen. Der Anschlag missglückte. Der Mafioso aus der Upper West Side ist von den Toten zurückgekehrt. Und wie es aussieht, ist er mit mir noch lange nicht fertig.

Die Fiktion spiegelt die Realität wider

Gewisse Menschen aus der Gattung der Nicht-Leseratten (Rattus Non-Lectionis) sind der Meinung, dass Romane sinnlos sind. Fiktion, Phantasie und Luftschlösser hätten mit dem wahren Leben nichts zu tun. Ein Statement ohne viel Tiefgang, denn es gilt der Kernsatz:

Die Fiktion spiegelt die Realität wider – und umgekehrt.

Dichtung und Wirklichkeit sind unentwirrbar miteinander verwoben und beeinflussen sich gegenseitig. Für viele Menschen wirkt der Roman als Stimulus, als ein wunderbarer Seelenreiz, als Tor in phantastische Welten. In der Psychotherapie gibt es sogar den Begriff der „Bibliotherapie„, einer Therapieform, die sich auf das Lesen und die heilende Wirkung der Sprache stützt. Eine neuere Studie zeigt schließlich, dass düstere Romane Depressiven helfen können.

Relativitäts-Ohrfeige

Ich bin ein Hörbuch-Junkie. Wenn ich alleine fahre, bedeutet Autofahren für mich Hörbuch-Zeit. Meist ziehe ich mir spannende Thriller rein. Kürzlich war ich mit Jack Reacher unterwegs, dem coolen Einzelgänger-Helden und ehemaligen Militärpolizisten aus Lee Childs Feder. In einer Nebenszene begegnet Reacher einem früheren Marine, der hintergangen wurde und in afrikanische Kriegsgefangenschaft gelangte.Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Relativität Gefängnis

Die Nebenszene wird schonungslos und detailliert beschrieben. Beinahe wollte ich rechts ranfahren, um durchzuatmen. Der Marine musste monatelang in einer vollgestopften Zelle überleben – so vollgestopft, dass man sich nicht einmal hinlegen konnte. Geschlafen wurde stehend. Der Boden war eine Jauchegrube menschlicher Exkremente. Irgendwann wurde der Marine mit einer Gruppe von Mitgefangenen auf einen Hof geführt. Man erklärte ihm, dass er sich zu seinem Geburtstag wünschen dürfe, ob man ihm das Bein ober- oder unterhalb des Knies absäbelt. Die Machete flog und künftig wurde an jedem Geburtstag  ein Körperteil amputiert. Linker Fuss, rechter Fuss, linke Hand, rechte Hand …

Die Szene ist grauenhaft. Vor allem, weil solche Dinge wirklich geschehen. Ein Teil in mir rebellierte, wollte weghören und die inneren Bilder nicht zulassen. Ein anderer Teil steckte die Relativitäts-Ohrfeige tapfer ein. Die Ohrfeige, die mich daran erinnerte, wie verdammt gut es mir geht, wie verdammt gut es den meisten von uns geht im Vergleich zu dem unglücklichen Marine. Wir sprechen von Fiktion, die die Realität widerspiegelt und damit etwas  in uns bewegt. Fiktion, die eine Entwicklung, eine Erkenntnis fordert.

Die tägliche Erinnerung

Wenn mich alle paar Monate jemand daran erinnern würde, dankbar zu sein für all das Schöne, das ich habe und andere eben nicht, käme dies moralinsauer rüber und der Effekt wäre dürftig. Der Impuls käme viel zu selten, wäre „abstrakt“. Mein Wissen bliebe ohne innere Bilder, die mich bewegen. Romane hingegen evozieren täglich innere Bilder und zeigen mir, wie es „auch sein könnte“. Sie erinnern mich an das Relativitätsgebot des menschlichen Lebens.

Mein Plädoyer endet somit am Anfang: Bei meiner Überzeugung, dass Fiktion – ob Liebesromane, historische Romane oder Thriller – weit mehr ist als Unterhaltung. Sie gehört zu unseren Lehrern in der großen Lebensschule.

 

Ein Dämonenjäger wird geboren

Vielleicht bin ich besessen, ein Dämonenjäger. Wahrscheinlich sogar. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, denn bisher ging’s mir ganz gut dabei. Allerdings ist es auffällig, dass ich seit frühester Kindheit eine Faszination für das Gruselige an den Tag legte, in einem Alter, in dem ich noch nicht von Büchern oder Filmen beeinflusst war. Das kam später.
Mit acht Jahren zeichnete ich bereits Vampire, Skelette, Monster und komplexe Selbstmordmaschinerien. Wahrscheinlich hätte ein Psychiater meine frühen Kunstversuche im Keim erstickt, zum Glück kam keiner daher.

Bald wechselte ich vom Zeichnen zum Schreiben, das Interesse blieb morbid. Und obwohl ich irgendwann zwischendurch Medizin studierte, blieb ich dem Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Phantasie, Sichtbarem und Möglichkeiten treu. Was gibt’s Göttlicheres, als sich aus allen Honigtöpfen bedienen zu dürfen?

Einen besonderen Stellenwert hatten in meinem Leben stets Dämonen, jene Finsterlinge, die über die Jahrtausende als Sündenböcke für alle menschlichen Dramen herhalten mussten, wenn es keine anderen Schuldigen gab. Und wenn es Dämonen gibt, gibt’s auch Dämonenjäger – ein kosmisches Gesetz.

Dämonenjäger. Hmm!

Yves Patak Schriftsteller Dämonenjäger Kindermär, Aberglaube — oder die Wurzel allen Übels?
Interessant, dass jeder halbwegs gebildete Mensch über die Möglichkeit, dass Dämonen existieren könnten, bloss die Nase rümpft und, verlegen oder irritiert, das Thema wechselt. Habe ich denn verpasst, dass man die Nicht-Existenz von Dämonen wissenschaftlich bewiesen hat? Und falls ja, wie viel Wert gäbe ich auf solche Beweise, nachdem die gleiche Wissenschaft einst nachwies, dass die Erde eine flache Scheibe ist? Nachdem die gebildeten Menschen der Antike davon ausgingen, dass Krankheiten von Myasmen, von üblen Dünsten, stammen — nur, weil man die damals noch unsichtbaren Viren und Bakterien nicht kannte?

Spricht man an Dämonen, spricht man von Besessenheit. Besessenheit weist Symptome auf wie jede herkömmliche Krankheit auch, nur eben andere Symptome. So mögen Besessene irre grinsen, grimassieren oder schreien, in fremden Sprachen reden (was aus schulmedizinischer Sicht recht exotisch ist), übermenschliche Kräfte entwickeln oder einfach katatonisch daliegen. Besessene werden tendenziell eher böse als liebevoll sein, eher destruktiv als konstruktiv, eher zu Mord und Totschlag neigen als zu Streicheleinheiten und guten Worten.
So weit so gut.
Aber wer entscheidet denn nun, ob diese Symptome von Viren, Bakterien, Prionen oder anderen Mikrowesen stammen, oder von gestörten Neurotransmittoren, oder eben doch— Trommelwirbel, unheimliche Musik — von Dämonen?

Ein Gedankenexperiment:

Radioaktive Strahlung ist für uns völlig unsichtbar, auch unter dem Mikroskop. Nur mit bestimmten Apparaturen kann man sie messen. Und dennoch ist sie für uns Menschen hochgefährlich, dosisabhängig auch tödlich.
Könnte es nicht sein, dass wir bestimmte unsichtbare Krankmacher — nennen wir sie doch mal Dämonen — schlicht noch nicht erfassen können? Könnte es gar sein, dass zum Beispiel das menschliche Ego — Ursymbol für unsere Hab- und Machtgier, Aggressionen, Selbstbezogenheit, Ängste, Skrupellosigkeit, Minderwertigkeitsgefühle etc. — eine Form von Besessenheit ist? Eine Infektion, die gut 99 Prozent der Menschheit befällt, nur in verschiedener Ausprägung?

Gehen wir eine Zwiebelschale tiefer: Könnte es sein, dass ein Mensch, der heute behauptet, es gäbe Dämonen, aufgrund des aktuellen „wissenschaftlichen Zeitgeistes“ genau so rasch und willkürlich verurteilt wird wie damals die Hexen im Mittelalter? Ohne dass es wahre Beweise in die eine oder andere Richtung gibt?

Nur zur Klarstellung: dieses Thema hat nicht nur philosophische Bedeutung. Fände man heraus, dass Dämonen verantwortlich sind für unser oft unerfreuliches Wesen, für Depressionen, Erschöpfung, Mordlust, Schizophrenie, gespaltene Persönlichkeit (sehr selten!), Melancholie etc., dann müsste man zwangsläufig die medikamentöse Schiene verlassen und nach anderen Methoden suchen (was gewissen Unternehmen nicht gefallen würde). Ob der Exorzismus dabei die beste Option wäre, sei dahingestellt.

Das Thema Dämonen liess mich nie so richtig los. Denn wenn es einen Satz gibt, der meine Phantasie aufrüttelt, dann dieser:

„Was wäre wenn …“

Und so ging ich mit der Idee schwanger, etwas über Dämonen zu schreiben. Über einen Dämonenjäger, der selbst nicht einmal an diese Schurken glaubt — und eines Besseren belehrt wird. Er heisst Ace, weil er ein Ass ist, ohne es zu wissen. Ein Rohdiamant, der bald schon von der rauen Realität und von ungeheuerlichen Wesenheiten geschliffen werden soll.www.PatakBooks.com Yves Patak Schriftsteller Dämonenjäger
Natürlich ist Ace eines meiner Seelenkinder, das an meiner Stelle die düsteren Welten der Dämonologie ergründen soll. Ein argloser Unbeteiligter, der in etwas hineingezogen wird, dass eigentlich viel zu gross für ihn ist. Aber als Romanheld hat er keine Wahl: er muss über sich selbst hinauswachsen, die Welt vor dem Untergang retten — oder bei dem Versuch sterben. Denn Dämonen existieren, und seine Mission ist es, sie zu bekämpfen, sie auszulöschen. Basta.

Ich bin stolz auf Ace Driller. Stolz darauf, dass er nach einigem Hadern seine Bestimmung annimmt und in einer selbstmörderischen Mission das tut, wozu er geboren wurde. Und ein wenig beneide ich ihn, den er erlebt all das Unglaubliche, während ich bloss als unsichtbarer Begleiter dabei bin. Andererseits kommen einige Szenen vor, bei denen ich ihm entschuldigend zulächle und sage: „Sorry, Alter — lieber du als ich!“

Dämonen existieren. Basta.
Ich warte auf Gegenbeweise.

Nervenkitzel braucht der Mensch

Nervenkitzel! In der Verkaufsstatistik von Büchern liegt der Thriller meist weit vorne an der Spitze. Ein Genre, bei dem es in der Regel um schreckliche Dinge geht. Um gefährliche Dinge. Mord, Totschlag, Betrug, Intrigen, Verschwörungen. Alles, was unseren Puls und Blutdruck in die Höhe treibt,  Adrenalin in unsere Gefäße jagt und uns dazu bringt, abends nochmals zu prüfen, ob das Türschloss verriegelt ist, niemand unter unserem Bett liegt und keine seltsamen Geräusche aus dem Keller kommen. So wie man dem Vampir die Tür öffnen muss, laden wir den Nervenkitzel in unser Leben ein.

Nervenkitzel: warum zum Teufel suchen wir das Grauen?

Mit Sicherheit wissen können wir es nicht. Meine persönliche Theorie führt uns in die Vergangenheit: in unsere Entwicklungsgeschichte, zur Evolution des Menschen.

Bis vor Kurzem – also bis vor etwa 500.000 Jahren – gab es für uns Menschen nur einen Job: Überleben. (Wusstest du übrigens, dass wir Menschen zur Untergattung der Trockennasenprimaten und zur Familie der Menschaffen gehören?). Um zu überleben, mussten wir lernen, Gefahren zu erkennen, und zwar schnell. Dinge wie Liebe, romantische Sonnenuntergänge und hübsche Blumen waren fürs Überleben nicht wichtig, weshalb sich unser Gehirn unermüdlich auf potentielle Gefahren konzentrierte.

Säbelzahntiger versus Sonnenuntergang

Szenenwechsel: Eine Gruppe von Höhlenmenschen sitzt ums Lagerfeuer, kaut an Mammutknochen herum oder glotzt stumpf vor sich hin. Plötzlich rennt Ntuc herbei und ruft „Hey, wunderschöner Sonnenuntergang, alle mal raus!“ Die Höhlenbewohner gaffen ihn verständnislos an. Was zum Geier sollte an einem Sonnenuntergang so prickelnd sein, dass man dafür die warme Höhle verlässt?

Doch ein paar Tage später stolpert Ntuc nochmals in die Höhe und brüllt: „Säbelzahntiger!“ Zehn Sekunden später sind alle Höhlenmenschen auf den Bäumen.

Gefahr: Die Mutter aller Reize

Es ist offensichtlich: Das Gefährliche weckt unsere Aufmerksamkeit. Denn während der Sonnenuntergang oder eine hübsche Alpenrose kaum je über Leben und Tod entscheidet, geht uns der Säbelzahntiger an die Eingeweide. Unser Hirn lernte über die Jahrtausende, die Gefahr – neben der Fortpflanzung – als wichtigsten Stimulus einzustufen.Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Smoke Demon Nervenkitzel

Nun hat sich der Mensch und sein Umfeld seit der Höhle dramatisch verändert. Die meisten der früheren Gefahren gibt’s fast gar nicht mehr oder nur in stark verdünnter Version. Säbelzahntiger und Höhlenbären sind ausgestorben, gegen Bakterien gibt’s Antibiotika, gegen Frostbeulen Minergie-Häuser mit Bodenheizung.  Doch nun geschieht das Paradoxe: statt unsere neu gefundene Sicherheit so richtig zu genießen, suchen wir die Gefahr – oder mit dem Nervenkitzel eine Prise davon. Wir lesen Krimis. Ziehen uns Action-Flicks und Horrorfilme rein. Machen Bungee-Jumping, gehen Segelfliegen, frönen dem ungeschützten One-Night-Stand oder fahren Motorrad, möglichst ohne Helm.

Fast scheint es, als hätte sich unser Gehirn als Gefahrendetektor so weit spezialisiert, dass es ohne den Thrill der Gefahr nicht mehr auskommt, förmlich danach lechzt. Ich jedenfalls bekomme einen mächtigen Kick von der fiktiven Gefahr – als Schreibender, als Leser wie auch als Film-Konsument. Und ja, ich glaube immer noch daran, dass neben der etwas perversen Suche (oder Sucht?) nach der Gefahr auch ein therapeutischer Teil dahintersteckt: Wer den Nervenkitzel sucht, konfrontiert seine Ängste. Ob er sie dabei nur anfeuert oder wirklich verdaut, darüber streiten sich die Gemüter.

Lasst uns also abstimmen: Wer glaubt, dass der Thrill das Salz in der Suppe des Lebens ist, der poste einen Kommentar. Und jeder, der anders denkt, natürlich auch … auf eigene Gefahr!

 

Die 30 Gebote der guten Schreibe

Kürzlich schrieb mir mein Automechaniker, ein Süditaliener, dass mein Auto repariert und zum Abholen bereit sei. Die dreizeilige Email belegte, dass er sich mit dem Schreiben etwa so vertraut fühlte wie ich mit Automechanik. Jedem das Seine. Nur, dass er häufiger mit dem Schreiben konfrontiert sein wird als ich mit kaputten Zündkerzen oder einem Kolbenklemmer. Und hier liegt sein Problem. Denn obwohl er als Süditaliener ein guter Katholik ist, kennt er die 30 Gebote der guten Schreibe nicht. Eine Sünde, die er in der Kirche der Aufstrebenden Schreibbegeisterten beichten müsste.

Fast jeder schreibt.

Die einen selten, die anderen pausenlos. Seit der Social Media-Welle schreiben sogar die Jungen vermehrt, wenn auch in zunehmend kryptischer Emoji-und-Bildersprache. Selfies und Duck-Faces sagen eben mehr als Worte, glauben sie. Doch für jeden, der sich ein klein wenig vom Neandertaler-Wandmalerei-Niveau abheben will, ist das folgende ABC des Schreibens ein Eldorado an genialen Tipps. Die Basics, wie man das geschriebene Wort zu etwas ebenso Nützlichem wie Starkem macht, zu etwas ebenso Erfrischendem wie Genüsslichen. Egal, ob du nun einen Roman schreiben willst, eine Email, eine Postkarte, ein Kondolenzschreiben oder eine Lösegeldforderung.Yves Patak Schriftsteller www.patakbooks.com 30 Gebote

Die 30 Gebote

Die Bibel hat zehn Gebote. Die Schriftstellerei 30. Anbei eine Zusammenstellung von „Schreibsuchti„, die 30 Gebote der guten Schreibe, aus der Feder des Grossmeisters Stephen King:

 

 

 

Perfekter Anfang – perfektes Ende

Ein Roman hat hohe Erwartungen zu erfüllen. Zwei der wichtigsten: Einen perfekten Anfang. Ein perfektes Ende.

Hast du schon einmal die ersten und letzten Sätze deiner Lieblingsbücher genau studiert? Wahrscheinlich nicht. Würde dir auffallen, dass der erste und letzte Satz wahrscheinlich eine Granate ist? Wahrscheinlich schon.

Der erste und der letzte Satz müssen eine Granate sein.

Ausnahmen ausgenommen können die meisten Bestseller mit einem zündenden Alpha und Omega auftrumpfen. Beispiel gefällig? Nun, ein brillanter Auftakt zu einer ultraspannenden Fantasy-Saga ist dem Grossmeister Stephen King in ‚Der Dunkle Turm‘ gelungen:

„The man in black fled across the desert and the gunslinger followed.“

Wham-bam!
Game, Satz und Match King. Auf Deutsch leider etwas lahmer („Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.“ Doch egal, in welcher Sprache – man sieht ein Bild. Man fühlt eine Stimmung. Man will mehr wissen.
www.PatakBooks.com Yves Patak Schriftsteller Initialfunke Perfekter AnfangEinem solchen Initialfunken kann man nichts beifügen. Und den Funken braucht es. Die Aufmerksamkeitsspanne unseres Gegenübers ist kurz. Sehr, sehr kurz. Ein Buch-Cover hat genau drei Sekunden Zeit, einen potentiellen Leser dazu zu verleiten, das Buch überhaupt in die Hand zu nehmen (oder anzuklicken). Ein erster Satz muss ins Schwarze treffen, sonst ist die Leserin weg. Sogar bei ersten Blind Date entscheidet der erste Moment, der erste Eindruck über unser Schicksal. (Beunruhigend, nicht wahr? Von wegen Druck und Erwartungshaltung … don’t we love it).
Übrigens würde ich die ‚Dark Tower‘-Serie jederzeit auch ein drittes Mal mit Wonne und Gänsehaut lesen oder als Hörbuch hören … worauf wartest du noch?

Self-Publishing-Day 2017

Der Self-Publishing-Day 2017 in ein paar Worten? Geht nicht, zu viele Eindrücke, zu viele Möglichkeiten. Fazit des Tages: äusserst stimulierend! Herzlichen Dank meinem Coach & Lektor Thomas Hoffmann für den heissen Tipp.

Self-Publishing: Community rules!

Ein paar Quintessenzen:

Sympathisch: Community rules! Schriftsteller und LeserInnen kommen sich näher, wollen sich gegenseitig kennen, ein Hauptmerkmal der SP-Welt.

Erschreckend: in Deutschland können trotz Self-Publishing-Boom momentan nur 250 (!) Autoren vom selbstverlegten Schreiben leben. Jesum peace maan, wie die Jamaikaner sagen würden … doch es gilt der Kernsatz: Never give up!

Nützlich: Selfpublisher können sich den teuren Schriftsetzer eventuell dank der Vellum-Software ersparen. Mit Vellum könne man im Nullkommanix wunderbar professionelle eBooks erstellen.

Der Newsletter bleibt ein Grundpfeiler des Self-Publishings

Wichtig: der Newsletter (der natürlich keinesfalls so heissen darf) ist weiterhin einer der robustesten Grundpfeiler des SP-Marketings. Also bitte unbedingt dort genug Zeit und Kreativität einsetzen, um die LeserInnen in den eigenen Verteiler zu motivieren. In den NL gehört übrigens möglichst keine Eigenwerbung, viel mehr sollte er den LeserInnen ein Mehrwert sein. What else.

Erfreulich: Autoren arbeiten immer mehr und erfolgreicher zusammen statt gegeneinander. Neid ist out, Kooperation ist in. Bravo, Männer und Frauen der glühenden Feder!

Knifflig: Gratis eBook-Aktionen können nützlich sein, sollten aber gemäss einem cleveren Algorithmus ermessen werden, sonst kann der Schuss nach hinten losgehen. Falls man solche Gratisaktionen durchführt, sollten diese genau so ernst genommen werden wie eine Buchveröffentlichung, samt Ankündigung, Werbung etc. Richtig angewendet kann ein solcher Anreiz auch die NL-Liste massgeblich wachsen lassen.

Modern: Gewisse Plattformen gehören ganz der jungen (und junggebliebenen) Schreibergilde, die immer häufiger ihre Romane gleich auf dem Handy schreibt. Echt! Da kann ich Fossil samt meiner Alterssichtigkeit gleich einpacken, o tempora o mores … Beispiel: StoryWunder.com (noch in der Beta-Phase, aber man kann sich schon eintragen), oder Wattpad.

Lesungen: Für die meisten Musensöhne und -töchter ist es ganz schön schwierig, Lesungen zu organisieren, denn die Organisatoren möchten natürlich möglichst nur Promis ans Mikrophon lassen. Der Geheimtipp, der immer vom Radar fällt: Büchereien und Bibliotheken sind zunehmend im Trend, wenn es um Lesungen geht. Einfach mal anfragen!

Gedruckte Bücher als Geschenk beliebter als eBooks

Share: das Ausleihen von eBooks ist ein wichtiges Marketing-Tool, z.B. via Onleihe.
Community: die grösste deutschsprachige Plattform, auf der sich Leser, Autoren und Verlage begegnen, ist Lovelybooks. Sympathisch, thematisch stimmig und empfehlenswert. Leserunden und Bücherverlosungen sind immer populär, Printbücher als Preis deutlich beliebter als eBooks. Das haptische Element lebt fort!

Etikette: Buchblogger sind weiterhin unverzichtbare Multiplikatoren, wollen aber mit Respekt behandelt werden. Also bitte mit dem korrekten Namen ansprechen, nur mit dem passenden Genre, und auch bei Absagen höflich bleiben!

Stimme: Der Workshop bei Radio-Dame Brigitte Mayer war toll, denn auch Selbstvertontes kann ein klasse Marketing-Tool sein. Man übe die eigene Stimme und vertone damit eigene Podcasts, Lesungen, Bücher. Und professionelles Sprechen ist ein absolutes Muss, wenn man einen Job wählt, der mit Publikum zu tun hat. Ich jedenfalls bin am 9.9. 2017 bei Brigitte am Tagesworkshop in München dabei. Übrigens, wenn man „in die Füsse spricht“ ist man ganz bei sich! 🙂

Essentielle Hingucker: Cover und KurztextYves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Bücherei Bibliothek Lesung Self-Publisher-Day 2017

In der Kürze liegt die Würze: Kurztexte, z.B. für den Buchklappentext (U4-Text, Blurb) wollen gelernt sein. Lieber einfach als kompliziert, Adjektive und Adverbien sind selten deine Freunde, bremsende Wörter eliminieren, ein Cliffhanger-Ende zeigt Souveränität. Die Zielgruppe sollte man nicht nur beim Romanschreiben, sondern auch beim Kurztext glasklar vor Augen behalten.

Design: das Cover sollte man in der Regel den Profis überlassen. Selbstgebasteltes kann ein gutes Buch auf den Komposthaufen katapultieren. Farbenlehre ist spannend, ebenso das Wissen rund um Schriftwahl, Typographie und andere Details. Eine gute und günstige Anlaufstelle ist 99designs.com, wo ich mit der Designerin Meella ausgezeichnete Erfahrungen machte: inzwischen hat sie alle meine Covers neu gestaltet (zu sehen auf www.PatakBooks.com)

Last not least: der nächste Selfpublisher Day findet am 26. Mai in 2018 in Düsseldorf statt: See you there! 🙂

PS: Schon gewusst, dass es bereits Witze über Self-Publishing-Autoren gibt?

Kommt eine Indieautorin zum Arzt, und der sagt zu ihr: „Sie haben nur noch 4 Monate zu leben !“

Die SP-Autorin: „Von was …? „

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Kairos – der Gott des günstigen Zeitpunkts

Hola! Was tust du gerade? Klar doch: Du verbringst Zeit damit, diese Zeilen zu lesen (was du nicht bereuen wirst). Über die Zeit gibt es unzählige Meinungen und philosophische Ergüsse. Sollten wir uns überhaupt mit der Zeit befassen? Denn egal, ob wir es tun oder nicht, sie zerrinnt, Sand zwischen unseren Fingern.

Oder etwa doch nicht?

Im Gefängnis steht die Zeit still. Bei einem Rendezvous mit dem liebsten Menschen vergeht sie im Fluge. Zeit ist also relativ. Und launisch. Der griechische Gott der Zeit heisst Chronos (daher das Chronometer). Klar. Doch wer weiss schon, dass Chronos einen Vetter hat? Dieser weitgehend unbekannte Kerl namens Kairos ist der Gott des günstigen Zeitpunkts für eine Entscheidung. Trifft man diese nicht, kann dies böse Folgen haben.

Kairos sagt: „Entscheide dich … jetzt!“

Als ich während meiner Recherchen über diesen Gott stolperte, musste ich ihn unbedingt in meinen Thriller „Tödlicher Schatten“ einbauen, inklusive einen Teil des Gedichts von Poseidippos von Pella, ein Dialog, bei dem Kairos sich selbst erklärt (gekürzte Fassung):
Wer bist du?
Ich bin Kairos, der alles bezwingt!
Warum fällt dir eine Haarlocke in die Stirn?
Damit mich ergreifen kann, wer mir begegnet.
Warum bist du am Hinterkopf kahl?
Wenn ich mit fliegendem Fuß erst einmal vorbeigeglitten bin,
wird mich auch keiner von hinten erwischen
so sehr er sich auch bemüht.“

Nur nichts Falsches tun …

Die Botschaft: „Nur nichts Falsches tun“ ist schön und recht, aber Nicht-Handeln kann auch fatal sein. Manchmal geht es im Leben darum, den Moment einfach zu packen, egal, wie unsicher wir sind
– denn er kommt nie wieder. Passivität ist also keine Pauschallösung. Kairos wird uns ein Leben lang begleiten, an uns vorbeiflitzen und uns nur ganz, ganz wenig Zeit geben um zu entscheiden, ob es darum geht, abzuwarten – oder den Moment beim Schopf zu ergreifen.www.PatakBooks.com Yves Patak Schriftsteller Kairos der Gott des günstigen Augenblicks

In meinem Praxisalltag erkenne ich täglich, wie Menschen unter der Bürde der nicht-getroffenen Entscheidung leiden. Im angelsächsischen Raum nennt man dieses oft tiefsitzende psychologische Problem Procrastination, zu Deutsch: Verschleppungstaktik oder Aufschieberitis.

Entscheidungen treffen ist nicht leicht – aber es befreit, macht den Kopf frei für anderes. Somit gilt: wer sich nicht entscheiden kann, werfe eine Münze. Langes Grübeln hat noch kaum je eine bessere Entscheidung gebracht. Und ich entscheide mich dafür, diesen Artikel an dieser Stelle zu beenden und an meinem nächsten Thriller weiterzuschreiten …

Commitment

Bestimmung und Liebe haben einiges gemeinsam. Zuerst verliebt man sich, der Enthusiasmus überbordet, alles läuft von selbst. Aus der Verliebtheit wird Liebe, man beginnt, sich in die Sache zu vertiefen, sie ernster zu nehmen – und erste Probleme zu erkennen.

Die dritte Phase heisst auf Neudeutsch Commitment. Hingabe. Selbstverpflichtung. Erst jetzt folgt das wahrhaft strenge, dafür nachhaltige Kapitel. Es ist die Phase, in der viele Paare sich scheiden lassen, weil es zu anstrengend wird, zu frustrierend. Es ist die Phase, wo der Mensch, der seine Bestimmung gefunden hat, diese vielleicht fallen lässt und aufgibt.

Ich kenne das Gefühl. Wer schon nicht? Patricia Kaas bringt es in ihrem Lied „Mademoiselle Chante le Blues“ auf den Punkt: „(Y’en a) Qui veulent se faire du bien sans jamais s´faire du mal.“ Frei zu Deutsch: es gibt Menschen, die sich ständig Gutes tun möchten, ohne je das Mühselige zu erleben. Ein Teil in mir, mein innerer Schweinehund-Dämon, flüstert mir den Text oft durch grinsende Schweinelippen zu.

Da ist aber auch der andere Teil. Der Teil, der sich daran erinnert, wie das mit der Verliebtheit (in die Schriftstellerei) war. Der Teil, der sich an der eigenen Lernkurve erfreut, der Stolz ist auf den Sieg über den Schweinehund. Muss man dafür etwas opfern? Klar. Tut das Opfer immer weh? Wahrscheinlich. Vielleicht heisst wahres Commitment, sich mit einer gewissen Portion Masochismus anzufreunden. Wenn man das Wort ‚Opfer‘ durch ‚Entscheidung‘ oder Priorität‘ ersetzt, entstehen schon ganz andere Gefühle.

Commitment – eine Zusage fürs Leben

In der Kirche heisst es bei der Vermählung ‚Bis dass der Tod euch scheidet.‘ In meinem Leben gilt dies viel eher für die Ehe mit der Berufung. Menschen ändern sich. Eine Berufung kaum. Vor Jahren kam somit die Entscheidung auf mich zu, ob ich vor dem heiligen Altar der Berufung „Ja!“ sagen möchte. Ob ich mich traue. Die Angst war gross, die Liebe grösser. Ich sagte ja, gab meine alte Arztpraxis auf und sattelte um auf ein ausgewogenes Leben zwischen (psychologischer) Praxis und Schriftstellerei. So sind inzwischen sechs Bücher entstanden, vom augenzwinkernden Lebensberater bis zum düsteren Thriller. Und falls ich am Ball bleibe – was ich 100% vorhabe – werden noch viele Werke das Licht der Welt erblicken.

… or die trying.

In den USA hört man oft den geflügelten Satz, dass man etwas auf Biegen und Brechen durchziehen soll – „or die trying“ (oder dabei untergehen). Hart, aber wahr. Eine Berufung verlangt Biss, einen knochenharten, nie-mehr-loslassenden Rottweiler-Biss. Die Schriftstellerei ist keine Ausnahme. Egal, wie begabt man ist oder zu sein glaubt, neunzig Prozent der Prozedur sind harte Arbeit. Und man weiss nie, ob der erhoffte Durchbruch jemals kommt. Wer behauptet, er schreibe nur für sich selbst, belügt sich wahrscheinlich. Der kreative Prozess des Schreibens in sich ist ein Genuss, die Perfektionierung eine harte, langwierige Arbeit, eine treue Leserschaft das Tüpfelchen auf dem i, das Sahnehäubchen auf der Torte.

Berufungen haben oft mit Kunst zu tun. Mit Kunst zu überleben ist statistisch gesehen schwieriger, als im Lotto zu gewinnen. Sollte uns das kümmern? „Niemals, Shadowmaster!“

Werden wir es jemals schaffen, mit unserer Berufung zu wachsen, uns zu entwickeln, mit und von ihr zu leben, in ihr aufzugehen? Was dies betrifft, schalte ich auf Ford-Modus: „Ob du denkst, du schaffst es, oder du schaffst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten.“

Genug der Worte: Die Schreibmaschine ruft!