Skorpion, Fiktion & die Macht der inneren Welten

Was haben Skorpion und Fiktion gemeinsam? Eine Frage, die nach der klassischen Antwort verlangt: „Das ist eine lange Geschichte.“

Du magst sie hören? Setzt dich hin. Ich erzähl sie dir gerne!

Zunächst mal: Ich bin ein bekennender Fiktion-Junkie, und du, geschätzte Besucherin, geschätzter Besucher dieses Blogs, auch. Nehmen wir den Thriller also ruhig als eine von vielen Drogen wahr. Allerdings als Droge mit Sonderstatus. Denn sämtlichen anderen Drogen fehlt etwas – ob Heroin, Crystal Meth, X-Box,  TV, Sex, Junk Food, Schokolade oder Zigaretten. Klar, sie alle bringen den momentanen Kick, das flüchtige gute Gefühl … und dann war’s das schon.

Fiktion jedoch, Mesdames et Messieurs, ist anders.

Alles ist Energie

Die moderne Quantenphysik belegt, dass alles Energie ist. Alles. Erde, Bäume, Häuser, unser Körper, unsere Gedanken. Bei der Fiktion – beim Kreieren wie beim Lesen – fokussieren wir Energie auf das Erschaffen von innerer Realität. Das Erschaffen von Welten. Wir richten Fokus, Achtsamkeit und somit Hirn-Energie auf unsichtbare parallele Dimensionen, schmücken und färben sie mit Liebe, Angst, Sehnsucht, Leidenschaft und Wut … und manchmal geschieht etwas. Manchmal erleben wir, wie nachhaltig jene Welten, die traditionell als „reine Fantasie“ abgetan werden, in uns weiterwirken. Uns verändern. Uns stärken, beschützen, beglücken, uns Sinn verleihen. Beim Lesen und beim Schreiben.

Als ich noch Skorpion war

Bis zu meinem 35. Altersjahr lebte ich in der Überzeugung, astrologisch ein Skorpion zu sein, wurde ich doch am 22. November geboren, und auf fast allen Zuckertütchen wird man bei diesem Datum den Skorpiongeborenen zugeteilt. Logo, dass ich mich als Teenager für Astrologie interessierte. Erst später, als meine bessere Hälfte, eine der coolsten Astrologinnen der Schweiz, mir mitteilte, dass ich in der ersten Minute des Schützen geboren wurde, änderte sich mein Weltbild. Wie man mitten im Leben sein Sternzeichen wechselt, ist wohl eine Story für sich, aber vorerst mal zurück zum Skorpion …

Verbrannte Erde

Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Skorpion Kraftbild Sternzeichen Fiktion Schöpfung

Im festen Glauben, ein plutonischer, stets stichbereiter Skorpion zu sein, las ich Bücher über Skorpiongeborene. In einem jener Bücher kam ein Abschnitt vor, der mein Leben verändern sollte:
„Der Skorpion ist ein Meister im Überleben auf verbrannter Erde; er ist zäh, beinahe unzerstörbar, er kämpft bis zum bitteren Ende, während andere schon längst aufgeben …“

 

Verbrannte Erde. Was für ein Bild! Obwohl ich von diesem militärischen Begriff nie gehört hatte, war die Vision glasklar. Ich sah mich als menschengrossen Skorpion auf dampfender, verkohlter Erde stehen, breitbeinig (als Skorpion besonders eindrucksvoll), Zangen und Stachel erhoben, die Miene entschlossen, selbstsicher, knallhart, der geborene Überlebenstyp.

Kraftbild

Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Lava Schöpfung Skorpion Verbrannte ErdeDas Bild setzte sich in mir fest, entwickelte eine Eigendynamik. In so vielen schwierigen Lebenssituationen half es mir, durchzubeißen, nicht aufzugeben, taff zu sein, nicht in die Opferrolle abzudriften. Ich war ein Skorpion, durch und durch.

Das Verrückte war aber der Moment, als ich erfuhr, dass ich Schütze bin. Obwohl ich mich schon bald innerlich neu ausrichtete, änderte das nichts an meinem Kraftbild. Nicht das Geringste. Der Skorpion in mir hatte über die Jahre so viel Energie, so viel Aufmerksamkeit erhalten, dass ich mich weiterhin als Rocky fühle, als ‚Die Hard‘ John McClane, als einer, der sich nicht unterkriegen lässt.  Im Arzt- und Selfpublisher-Business sehr hilfreich!

Schöpfung

Ob die Grenzen der Fiktion und damit der Kreation damit erreicht sind, steht in den Sternen. Es gibt genug Romane, bei denen es um das Thema der Kreation durch Fiktion geht. So wie Dr. Frankenstein seine Kreatur erschuf, so spielen etliche Schriftsteller mit dem Gedanken, dass ihre geistigen Kinder tatsächlich ‚geboren‘ werden und manchmal sogar eine Eigendynamik entwickeln – wie etwa in Stephen Kings Thriller Stark – The Dark Half.

Dabei geht es nicht um Größenwahn und Allmachtsgedanken, sondern um die instinktive Frage des Schriftstellers, ob seine Schöpfung tatsächlich nur in seinem Gehirn existiert – oder auch „irgendwo da draußen.“ In der realen Welt. Oder einer parallelen Dimension, die vielleicht erschreckend nahe an der unseren existiert, getrennt von filigranem Gedankenstoff. Es könnte sein, dass das Schöpfen von Figuren und Handlungen eine Tür zu etwas öffnet, das unser Leben verändert.Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Skorpion

Ob ich daran glaube?

Ich antworte mit einem entschiedenen Vielleicht!

Der lautlose Tod – Stoff für Thriller?

Manchmal begegnet uns der lautlose Tod. Manchmal lässt uns das Grauen verstummen. Wie die meisten Thrillerautoren halte ich überall Ausschau nach Elementen, die für eine Gänsehaut taugen (und wer steht schon nicht auf Gänsehaut …?) Da ich vorwiegend Mystery Thriller schreibe, kommen diese Elemente oft aus dem offiziellen Universum der Fantasie. Allerdings muss ich bei weitem nicht immer auf das Übernatürliche zurückgreifen, um die Zähne zum Klappern zu bringen. Das reale Leben, der Alltag, bietet ein eindrückliches Arsenal des Schreckens. Manchmal wird der Horror von einem Todesschrei begleitet. Manchmal lässt uns der lautlose Tod mit Grauen verstummen.

Für Hänsel und Gretel lauert die Gefahr im Wald. In „Der Herr der Ringe“ können Bäume sprechen und sich fortbewegen, sind durchaus kriegerisch; im „Talisman“sind die Bäume schlicht böse. Doch da gibt es auch einen echten Wald, einen Wald, der bei weitem gefährlicher ist als jeder andere auf dieser Welt.

Schon einmal vom Roten Wald gehört?

Der Rote Wald, gut zehn Quadratkilometer gross, gehört zur Sperrzone von Tschernobyl, dem verbotenen Gebiet mit der weltweit stärksten Strahlenverseuchung. Die Explosion in Tschernobyls Reaktor Nr. 4 im Jahre 1986 segnete die Region mit einer Strahlenbelastung, die dem zwanzigfachen der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki entsprechen. Moment mal … „Strahlenbelastung“, das klingt irgendwie so abstrakt, so klinisch. Wollen wir uns einmal anschauen, was das für einen verstrahlten Menschen bedeutet? Je nach Strahlenbelastung treten Symptome auf wie Kopfschmerzen, Übelkeit, unkontrollierte Blutungen in Mund, Darm, unter der Haut, Fieberdelirium, Koma – und schliesslich Tod. Bei schwersten Strahlenkatastrophen kommt es auch schon mal zur Walking Ghost Phase, einem Zeitraum von mehreren Tagen, an dem sich der Verstrahlte nach anfänglicher extremer schwäche anscheinend erholt. Doch dann folgt die Sterbephase mit raschem Zelltod. Und nein, es ist kein schönes Sterben.Yves Patak Schriftsteller Der lautlose Tod
Doch zurück nach Tschernobyl. Interessanterweise hat sich die Tierwelt in der Region seit der Atomkatastrophe nicht nur erholt, sondern vervielfacht. Schon in den ersten zwei Jahren nach der Explosion nahm der Bestand an Wildschweinen um das Achtfache zu. Allerdings finden sich auch Hinweise auf Mutanten, auf genetisch veränderte Vögel und andere Tiere.

Radioaktivität. Mutanten. Der lautlose Tod.

Der wahre Schrecken jedoch liegt in den Bäumen selbst. Nach der Reaktorexplosion starben tausende von Tannenbäumen, verfärbten sich durch die Strahlung rötlich (daher der Name Red Forest). Die meisten Bäume wurden im Rahmen der Aufräumarbeiten plattgewalzt und vergraben, weil sie die meiste Radioaktivität abbekommen haben. Gewisse Quellen (Quora.com) behaupten, dass die Strahlung auf den Bäumen auch Bakterien und Pilze abtöten, weshalb die Bäume nicht verrotten: es sind ewige Tote, radioaktive Mumien.
Falls es in jener Region also je zu einem Brand kommen sollte – z.B. durch Blitzschlag, was ja durchaus möglich ist – würde mit den Flammen eine gewaltige radioaktive Wolke in die Atmosphäre gelangen und über die ganze Erdkugel wandern.
Radioaktivität. Mutanten. Ewige Stille. Der lautlose Tod.
Durch die wogenden Nebel meiner Thriller bewegen sich zwei Gestalten, denen die Idee gefällt. Mehr als das. Das Konzept törnt sie förmlich an. Da wäre der Mafioso und Soziopath Michael „Die Flamme“ Coppola … und da wäre der dämonische Ûraton. Beide überlegen, wie sie eine solche globale Katastrophe zu ihrem eigenen Nutzen provozieren könnten.
Die einzige Frage ist, welcher der beiden Schurken der Schnellere sein wird …

Konfrontation mit der Angst

Die Konfrontation mit der Angst ist für mich als Arzt Alltag, ebenso wie die Frage gewisser Patienten: „Dr. Patak, wie können Sie als liebevoller und emphatischer Arzt Gruselstorys und Thriller schreiben?“

Offenbar leiden nur wenige Krimi-Schriftsteller unter zweier sehr gegensätzlichen Leben. Dabei liegt des Rätsels Lösung vielleicht näher, als man denken würde, und spiegelt sich möglicherweise in einem meiner liebsten Stephen King-Zitate:

From a very early age, I wanted 
to be scared. [I think that] I wanted an emotional engagement with something that was safe, 
something I could pull back from. (Stephen King)

Frei übersetzt: Bereits in sehr jungen Jahren wollte ich Angst erleben. Ich glaube, ich wollte einen emotionalen Bezug zu etwas aufbauen, das ungefährlich war, von dem mich mich (jederzeit) lösen konnte.

Für mich drückt dieses Zitat etwas aus, das die Brücke schlägt zwischen meinen Berufen als Psychotherapeut und Schriftsteller:

Es geht um Konfrontation.

Denn die Konfrontationstherapie wirkt als Brücke zur Entwicklung, zur Veränderung. Der Angst Freiwillige Konfrontation mit der Angst ist nicht pervers, sondern weise. Als Menschen fühlen wir uns oft verloren, hilflos, schutzlos, ausgeliefert. Da stehen wir auf einer kleinen blauen Kugel, die mit 100’000 kmh durchs Weltall rast, um uns herum unzählige potentielle Gefahren.

Um uns herum?

Pustekuchen! Es gibt nicht nur fanatische Muslime, psychotische Präsidenten, fiese Chefs, borstige Schwiegermütter, drohende Klimaerwärmung, Killer-Meteoriten, Ebola und Hungersnöte, sondern auch die tausend Gefahren in uns drin: Woher wissen wir, dass nicht gerade jetzt, in dieser Minute, ein Krebs in uns heranwächst? Unsere psychische Stabilität in Schräglage gerät? Unser Herz stehenbleibt?

Der Mensch kann mit Unsicherheit schlecht umgehen.

Aber er kann es lernen. In der Psychotherapie ist eine der wirksamsten Methoden die Konfrontationstherapie. Und hier, wie meist im Leben, macht Übung den Meister. Auch die moderne Psychotherapie arbeitet durchaus mit Gruselelementen: Psychotherapeuten begleiten ihre Klienten mit Virtual Reality  langsam zur vermeintlichen Gefahr, bis diese ihren Horror-Charakter verliert.Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Eye in Hand

Das Lesen von Spannungsliteratur und Krimis, die KOnfrontation mit gefährlichen, blutigen, verstörenden Geschichten, kann als Therapie angesehen werden.

Die Psyche unterscheidet nicht so sehr zwischen Realität und Phantasie, wie viele meinen, weshalb „bildhaft-imaginative Ansätze stärkere als gedachte Effekte haben dürften.“ Und jetzt wird’s spannend:

Sowohl die Hypnosetherapie wie auch der Thriller arbeiten sehr intensiv mit inneren Bildern und Emotionen!

Wie bereits in einer früheren Ausgabe von „Pataks Schatzkiste“ berichtet, reagieren selbst Depressive positiv auf das Lesen von Krimis – eine Tatsache, die auf den ersten Blick merkwürdig erscheint, doch im Licht der Konfrontationstherapie verständlich wird.

Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Konfrontation evil doll confront your fearsIch beginne also, meine Arbeit als Schriftsteller mit neuen Augen zu sehen. Unterhaltung mit Gruseleffekt zum einen … Psychotherapie zum anderen. Was kann ich sagen: I love it!

Hier geht’s zum Artikel: Virtual Reality in der Psychotherapie

 

Kreative Hypnose und der Kuss der Muse

Eine der häufigsten Fragen, die man als Schriftsteller hört: „Wo hast du bloss all deine Ideen her?“

Bei vielen Leuten steckt Neugier hinter der Frage, oder das Bedürfnis nach Small Talk. Da gibt es aber auch diejenigen, die gerne kreativ sein würden, die selbst ein Buch schreiben oder sonst etwas entwickeln wollen. Jene Menschen wissen, dass es manchmal gar nicht so leicht ist, ein kreatives Projekt vorwärts zu treiben, weil die zündende Idee fehlt. Ideen kommen, so scheint es, meist dann, wenn wir am wenigsten nach ihnen suchen. Was wiederum an das Faust-Zitat – „Es irrt der Mensch, solang er strebt“ – erinnert. Danke, Goethe, sehr hilfreich.

Wir können die Muse nicht zwingen, uns zu küssen. Aber wir können sie motivieren. Dazu verführen.

Da ich seit Kindheit dazu neige, dem Tagträumen zu verfallen, ist der Trance-Zustand meine zweite Natur. Dass ich Hypnosetherapeut wurde, war zwangsläufig. Das Wunderbare am hypnotischen Zustand ist aber nicht nur das therapeutische Potenzial, sondern auch die Möglichkeit, auf die Reise zu gehen – auf die Reise zur Muse, auf ins Abenteuer Inspiration. Bei mir beginnt die Reise oft mit einer magischen Formel:

„Man stelle sich vor …“

Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Hypnose Kuss der Muse Kreativität CreativityEs gibt tausend Wege, die Imagination und damit die Inspiration anzuregen. Ein Beispiel? Du brauchst einen Bösewicht, einen Schurken für deinen Thriller? Okay. Setze oder lege dich hin, schliess die Augen. Du sitzt in einer Bar, einer schummerigen Bar – sagen wir in Manhattan – wo sich allerlei Pack herumtreibt, zwielichtiges Volk, dem du im Alltag kaum je begegnest. Du sitzt an der Theke, vor dir einen Whiskey Sour, und beobachtest die Leute in der Bar, suchst nach dem einen, der das Zeug hat, der Schurke in deinem Roman zu werden. Er sollte alt sein, denkst du, denn viele Kanaillen sind jung, stark und gefährlich. Du aber möchtest einen alten Mann, weil man diesen unterschätzt, was ihn umso gefährlicher macht.

Du schaust dich also um und siehst einen alten Mann, nur drei Hocker von dir entfernt, ein schäumendes Bier in der Hand. Der Alte hat einen Rauschebart wie der Weihnachtsmann, aber die Augen – nein, das eine Auge, denn er trägt eine Augenklappe – hat nichts vom guten alten Santa Claus. Es glitzert honigfarben, und da ist eine Schlauheit, die an Hinterhältigkeit grenzt. Und obwohl der Mann wirklich alt ist, uralt sogar, strahlt er eine Lebendigkeit, eine Energie aus, die nicht zu seinen Jahren passen will.

Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Creativity kreative Hypnose Kuss der MuseDer Mann trinkt sein Bier aus, erhebt sich, und du folgst ihm durch die nächtlichen Strassen Manhattans. Du bleibst weit zurück, denn es wäre nicht gut, wenn der Alte deine Präsenz bemerken würde. Gar nicht gut.

Nach einem langen Fussmarsch – und hey, der Alte geht nicht, er läuft wie ein Wiesel! – gelangst du in den Meatpacking District, siehst, wie der bärtige Alte eine verlassene Fabrikhalle betritt. Kurz entschlossen (und, gib’s ruhig zu, ziemlich nervös) schleichst du um die Halle herum und findest ein Loch im Wellblech, ein Guckloch, durch das du hineinspähst.

Und jetzt wird es gruselig.

In der Mitte der Lagerhalle, über einem Metalltisch, hängt an einem langen Kabel eine einzelne, nackte Glühbirne und beleuchtet die aufgeschlagenen Seiten der White Pages, dem Telefonbuch Manhattans. Bewegungslos verharrt der Mann vor dem Tisch, hält die von Alterflecken übersäte Hand dicht über dem Telefonbuch, eine mächtige Hand mit langen, knotigen Fingern, die nach einer unsichtbaren Schwingung zu tasten scheinen. Dann, wie ein Falke im Sturzflug, sticht der harte Nagel des Zeigefingers nach unten, hackt sich in einen Namen im unteren Drittel der Seite.

Langsam, wie in einem eigenartigen Ritual, fährt der Fingernagel über die eine Zeile, hin und her, ritzt das Papier. Das schabende Geräusch, ein tonloses Fauchen, scheint die nackten Wellblechwände der Halle emporzukriechen, die Luft zum Knistern zu bringen. Unter dem Fingernagel kringelt sich gelblicher Rauch empor, und das Papier färbt sich bräunlich, dann schwarz …

So habe ich meinen Roman-Schurken Samael Janoda („Tödlicher Schatten„) getroffen. Bin ihm mit klopfendem Herzen zur Lagerhalle gefolgt, um ihn aus sicherer Distanz kennenzulernen.

Bei mir läuft dieser Prozess meistens von alleine. Allerdings gebe ich meinem Geist die Gelegenheit, auf die Reise zu gehen, biete ihm die ideale Startbahn, um abzuheben.

Ganz ohne LSD und Grüne Fee.

Der Schriftsteller, der an der gelegentlichen Schreibblockade leidet, kann durch Hypnose lernen, sich seine eigene, private Strasse zur Dimension der Kreativität zu etablieren, sich täglich zur flüchtigen Muse heranzuschleichen. Dabei gibt es unzählige Wege, sich inspirieren zu lassen. Vielleicht stehst du (mental) auf einer Lichtung im Wald und hörst ein seltsames, rhythmisches Geräusch, wie von einer Axt … aber irgendwie klingt es nicht wie eine Axt. Was könnte es sein? Oder du gehst durch einen Hotelflur, in einem abgelegenen Hospiz hoch oben in den Bergen, und du hörst hinter einer der Zimmertüren plötzlich ein Tuscheln, und du weisst, dass du gemeint bist, ahnst, wer oder was da hinter der Tür lauert …

Für diejenigen, die den Weg zur kreativen Trance kennenlernen möchten: Einfach melden auf ypatak@bluewin.ch!

 

Bibliotherapie: Die Macht der Worte

Bücher sind alles andere als reiner Zeitvertreib und Futter fürs Gehirn, denn Bücher stecken voller Worte, und Worte sind mächtig – mächtiger als den meisten bewusst ist. Bei Fachbüchern sind sich die Leser über die Macht der Worte einig, dass sie etwas in uns bewirken, uns weiterbringen, während sich bei Fiktion die Gemüter scheiden. Zu Unrecht. Denn die Sprache ist etwas vom Einflussreichsten, was unserer Evolutionsküche entsprungen ist, und sie bewirkt Unglaubliches, wenn man sie einzusetzen weiss – ganz egal, wo.

Im Anfang war das Wort

Nicht ganz zufällig gebührt dem Wort in der Bibel ein Ehrenplatz, heisst es doch im Johannesevangelium:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. (…) In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen.

„Das Licht scheint in der Finsternis.“ … Hmm!

Ich gebe zu, als eingefleischter Agnostiker habe ich mich noch nie so wirklich dem Bibelstudium hingegeben, aber dieser Satz lässt es in mir als Thrillerautor kribbeln.

„Das Licht scheint in der Finsternis.“

Wasser auf meine Mühlen, vertrete ich doch die Meinung, dass auch das Düstere, das Gruselige, uns irgendwie weiterbringen kann. Dass der Thriller, der Krimi, die Gothic Fiction, ein (einigermassen) sicherer Weg ist, unseren eigenen Ängsten zu begegnen – und sie durch Konfrontationstherapie aufzulösen.

Die Macht der Worte

Worte können magisch wirken – ob gesprochen oder gelesen. Sie können kreieren oder zerstören, können liebevoll gesprochen werden wie von einer Mutter, die ihrem Kind ein Märchen vorliest, oder mit der vernichtenden Gewalt eines Adolf Hitler. Worte sind unsere Begleiter und Führer, wenn wir uns auf die Reise nach innen begeben. Der Lichtkegel in der Dunkelheit.

Bücher als Heilmittel

Wussten Sie, dass es in der Psychotherapie den Begriff der Bibliotherapie gibt? Oh ja: Bücher werden gezielt als Heilmittel eingesetzt, als Katalysator, der beeindruckende Seelenprozesse in Gang setzen kann.
Doch es wird noch überraschender: Offenbar helfen düstere Geschichten – also Krimis, Thriller, Gruselgeschichten – sogar bei Depressionen, obwohl man ja eher das Gegenteil vermuten würde. Wie es dazu kommt, lesen Sie im folgenden Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen: Heilende Worte.

 

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Coppola: „Bevor mich die Lust überkommt, jemandem weh zu tun.«

»Lass sie los, du Schwein!« knurrt Hugh. Ungeachtet der auf ihn gerichteten Pistole steht er auf und macht einen raschen Schritt auf seine Tochter zu. Blitzschnell dreht sich Coppola um die eigene Achse und verpasst dem Arzt einen Tritt in den Magen. Mit einem erstickten Schnauben sackt Hugh zusammen. Gemütlich lehnt sich Coppola gegen die Wand und verschränkt die Arme, den Lauf der Pistole an seiner Schulter.

»Und nun, Dottore, erzählen Sie mir von Ihrem Freund Desmond Parker. Von seinem … Talent.«

Schwer atmend rappelt Hugh Flint sich auf. Sein Blick irrt zwischen seiner Frau und seiner Tochter hin und her.

»Sie Hundesohn …«

»Dottore, bitte. Erzählen Sie mir alles aus freien Stücken. Bevor mich die Lust überkommt, jemandem weh zu tun.«

Michael Coppola, Die Flamme, Mafioso. Soziopath, Der Screener

Und nie hört man ihn kommen …

Michael „Die Flamme“ Coppola, der Bösewicht aus meinem Thriller „Der Screener“, kommt immer dann, wen man ihn nicht erwartet. Und nie hört man ihn kommen. Er ist der Fremde, den man zu kennen glaubt, und der einen immer wieder überrascht.

In meinem Leben ist er zu einem meiner „Rumpelstilzchen“ geworden. In tiefster Nacht tanzt er um mich herum, provoziert mich, grinst mich an. Dabei frage ich mich, ob er tief in der Seele ein Mephisto ist, „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Nun ja, nicht, dass das Töten und Foltern unschuldiger Menschen auf den ersten Blick etwas Gutes ist. Aber im Roman katalysiert dies die Entwicklung der „Guten“, hilft ihnen, über sich selbst hinauszuwachsen.

Ich habe schon einmal versucht, Coppola sterben zu lassen. Der Anschlag missglückte. Der Mafioso aus der Upper West Side ist von den Toten zurückgekehrt. Und wie es aussieht, ist er mit mir noch lange nicht fertig.

Die Fiktion spiegelt die Realität wider

Gewisse Menschen aus der Gattung der Nicht-Leseratten (Rattus Non-Lectionis) sind der Meinung, dass Romane sinnlos sind. Fiktion, Phantasie und Luftschlösser hätten mit dem wahren Leben nichts zu tun. Ein Statement ohne viel Tiefgang, denn es gilt der Kernsatz:

Die Fiktion spiegelt die Realität wider – und umgekehrt.

Dichtung und Wirklichkeit sind unentwirrbar miteinander verwoben und beeinflussen sich gegenseitig. Für viele Menschen wirkt der Roman als Stimulus, als ein wunderbarer Seelenreiz, als Tor in phantastische Welten. In der Psychotherapie gibt es sogar den Begriff der „Bibliotherapie„, einer Therapieform, die sich auf das Lesen und die heilende Wirkung der Sprache stützt. Eine neuere Studie zeigt schließlich, dass düstere Romane Depressiven helfen können.

Relativitäts-Ohrfeige

Ich bin ein Hörbuch-Junkie. Wenn ich alleine fahre, bedeutet Autofahren für mich Hörbuch-Zeit. Meist ziehe ich mir spannende Thriller rein. Kürzlich war ich mit Jack Reacher unterwegs, dem coolen Einzelgänger-Helden und ehemaligen Militärpolizisten aus Lee Childs Feder. In einer Nebenszene begegnet Reacher einem früheren Marine, der hintergangen wurde und in afrikanische Kriegsgefangenschaft gelangte.Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Relativität Gefängnis

Die Nebenszene wird schonungslos und detailliert beschrieben. Beinahe wollte ich rechts ranfahren, um durchzuatmen. Der Marine musste monatelang in einer vollgestopften Zelle überleben – so vollgestopft, dass man sich nicht einmal hinlegen konnte. Geschlafen wurde stehend. Der Boden war eine Jauchegrube menschlicher Exkremente. Irgendwann wurde der Marine mit einer Gruppe von Mitgefangenen auf einen Hof geführt. Man erklärte ihm, dass er sich zu seinem Geburtstag wünschen dürfe, ob man ihm das Bein ober- oder unterhalb des Knies absäbelt. Die Machete flog und künftig wurde an jedem Geburtstag  ein Körperteil amputiert. Linker Fuss, rechter Fuss, linke Hand, rechte Hand …

Die Szene ist grauenhaft. Vor allem, weil solche Dinge wirklich geschehen. Ein Teil in mir rebellierte, wollte weghören und die inneren Bilder nicht zulassen. Ein anderer Teil steckte die Relativitäts-Ohrfeige tapfer ein. Die Ohrfeige, die mich daran erinnerte, wie verdammt gut es mir geht, wie verdammt gut es den meisten von uns geht im Vergleich zu dem unglücklichen Marine. Wir sprechen von Fiktion, die die Realität widerspiegelt und damit etwas  in uns bewegt. Fiktion, die eine Entwicklung, eine Erkenntnis fordert.

Die tägliche Erinnerung

Wenn mich alle paar Monate jemand daran erinnern würde, dankbar zu sein für all das Schöne, das ich habe und andere eben nicht, käme dies moralinsauer rüber und der Effekt wäre dürftig. Der Impuls käme viel zu selten, wäre „abstrakt“. Mein Wissen bliebe ohne innere Bilder, die mich bewegen. Romane hingegen evozieren täglich innere Bilder und zeigen mir, wie es „auch sein könnte“. Sie erinnern mich an das Relativitätsgebot des menschlichen Lebens.

Mein Plädoyer endet somit am Anfang: Bei meiner Überzeugung, dass Fiktion – ob Liebesromane, historische Romane oder Thriller – weit mehr ist als Unterhaltung. Sie gehört zu unseren Lehrern in der großen Lebensschule.

 

Ein Dämonenjäger wird geboren

Vielleicht bin ich besessen, ein Dämonenjäger. Wahrscheinlich sogar. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, denn bisher ging’s mir ganz gut dabei. Allerdings ist es auffällig, dass ich seit frühester Kindheit eine Faszination für das Gruselige an den Tag legte, in einem Alter, in dem ich noch nicht von Büchern oder Filmen beeinflusst war. Das kam später.
Mit acht Jahren zeichnete ich bereits Vampire, Skelette, Monster und komplexe Selbstmordmaschinerien. Wahrscheinlich hätte ein Psychiater meine frühen Kunstversuche im Keim erstickt, zum Glück kam keiner daher.

Bald wechselte ich vom Zeichnen zum Schreiben, das Interesse blieb morbid. Und obwohl ich irgendwann zwischendurch Medizin studierte, blieb ich dem Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Phantasie, Sichtbarem und Möglichkeiten treu. Was gibt’s Göttlicheres, als sich aus allen Honigtöpfen bedienen zu dürfen?

Einen besonderen Stellenwert hatten in meinem Leben stets Dämonen, jene Finsterlinge, die über die Jahrtausende als Sündenböcke für alle menschlichen Dramen herhalten mussten, wenn es keine anderen Schuldigen gab. Und wenn es Dämonen gibt, gibt’s auch Dämonenjäger – ein kosmisches Gesetz.

Dämonenjäger. Hmm!

Yves Patak Schriftsteller Dämonenjäger Kindermär, Aberglaube — oder die Wurzel allen Übels?
Interessant, dass jeder halbwegs gebildete Mensch über die Möglichkeit, dass Dämonen existieren könnten, bloss die Nase rümpft und, verlegen oder irritiert, das Thema wechselt. Habe ich denn verpasst, dass man die Nicht-Existenz von Dämonen wissenschaftlich bewiesen hat? Und falls ja, wie viel Wert gäbe ich auf solche Beweise, nachdem die gleiche Wissenschaft einst nachwies, dass die Erde eine flache Scheibe ist? Nachdem die gebildeten Menschen der Antike davon ausgingen, dass Krankheiten von Myasmen, von üblen Dünsten, stammen — nur, weil man die damals noch unsichtbaren Viren und Bakterien nicht kannte?

Spricht man an Dämonen, spricht man von Besessenheit. Besessenheit weist Symptome auf wie jede herkömmliche Krankheit auch, nur eben andere Symptome. So mögen Besessene irre grinsen, grimassieren oder schreien, in fremden Sprachen reden (was aus schulmedizinischer Sicht recht exotisch ist), übermenschliche Kräfte entwickeln oder einfach katatonisch daliegen. Besessene werden tendenziell eher böse als liebevoll sein, eher destruktiv als konstruktiv, eher zu Mord und Totschlag neigen als zu Streicheleinheiten und guten Worten.
So weit so gut.
Aber wer entscheidet denn nun, ob diese Symptome von Viren, Bakterien, Prionen oder anderen Mikrowesen stammen, oder von gestörten Neurotransmittoren, oder eben doch— Trommelwirbel, unheimliche Musik — von Dämonen?

Ein Gedankenexperiment:

Radioaktive Strahlung ist für uns völlig unsichtbar, auch unter dem Mikroskop. Nur mit bestimmten Apparaturen kann man sie messen. Und dennoch ist sie für uns Menschen hochgefährlich, dosisabhängig auch tödlich.
Könnte es nicht sein, dass wir bestimmte unsichtbare Krankmacher — nennen wir sie doch mal Dämonen — schlicht noch nicht erfassen können? Könnte es gar sein, dass zum Beispiel das menschliche Ego — Ursymbol für unsere Hab- und Machtgier, Aggressionen, Selbstbezogenheit, Ängste, Skrupellosigkeit, Minderwertigkeitsgefühle etc. — eine Form von Besessenheit ist? Eine Infektion, die gut 99 Prozent der Menschheit befällt, nur in verschiedener Ausprägung?

Gehen wir eine Zwiebelschale tiefer: Könnte es sein, dass ein Mensch, der heute behauptet, es gäbe Dämonen, aufgrund des aktuellen „wissenschaftlichen Zeitgeistes“ genau so rasch und willkürlich verurteilt wird wie damals die Hexen im Mittelalter? Ohne dass es wahre Beweise in die eine oder andere Richtung gibt?

Nur zur Klarstellung: dieses Thema hat nicht nur philosophische Bedeutung. Fände man heraus, dass Dämonen verantwortlich sind für unser oft unerfreuliches Wesen, für Depressionen, Erschöpfung, Mordlust, Schizophrenie, gespaltene Persönlichkeit (sehr selten!), Melancholie etc., dann müsste man zwangsläufig die medikamentöse Schiene verlassen und nach anderen Methoden suchen (was gewissen Unternehmen nicht gefallen würde). Ob der Exorzismus dabei die beste Option wäre, sei dahingestellt.

Das Thema Dämonen liess mich nie so richtig los. Denn wenn es einen Satz gibt, der meine Phantasie aufrüttelt, dann dieser:

„Was wäre wenn …“

Und so ging ich mit der Idee schwanger, etwas über Dämonen zu schreiben. Über einen Dämonenjäger, der selbst nicht einmal an diese Schurken glaubt — und eines Besseren belehrt wird. Er heisst Ace, weil er ein Ass ist, ohne es zu wissen. Ein Rohdiamant, der bald schon von der rauen Realität und von ungeheuerlichen Wesenheiten geschliffen werden soll.www.PatakBooks.com Yves Patak Schriftsteller Dämonenjäger
Natürlich ist Ace eines meiner Seelenkinder, das an meiner Stelle die düsteren Welten der Dämonologie ergründen soll. Ein argloser Unbeteiligter, der in etwas hineingezogen wird, dass eigentlich viel zu gross für ihn ist. Aber als Romanheld hat er keine Wahl: er muss über sich selbst hinauswachsen, die Welt vor dem Untergang retten — oder bei dem Versuch sterben. Denn Dämonen existieren, und seine Mission ist es, sie zu bekämpfen, sie auszulöschen. Basta.

Ich bin stolz auf Ace Driller. Stolz darauf, dass er nach einigem Hadern seine Bestimmung annimmt und in einer selbstmörderischen Mission das tut, wozu er geboren wurde. Und ein wenig beneide ich ihn, den er erlebt all das Unglaubliche, während ich bloss als unsichtbarer Begleiter dabei bin. Andererseits kommen einige Szenen vor, bei denen ich ihm entschuldigend zulächle und sage: „Sorry, Alter — lieber du als ich!“

Dämonen existieren. Basta.
Ich warte auf Gegenbeweise.

Nervenkitzel braucht der Mensch

Nervenkitzel! In der Verkaufsstatistik von Büchern liegt der Thriller meist weit vorne an der Spitze. Ein Genre, bei dem es in der Regel um schreckliche Dinge geht. Um gefährliche Dinge. Mord, Totschlag, Betrug, Intrigen, Verschwörungen. Alles, was unseren Puls und Blutdruck in die Höhe treibt,  Adrenalin in unsere Gefäße jagt und uns dazu bringt, abends nochmals zu prüfen, ob das Türschloss verriegelt ist, niemand unter unserem Bett liegt und keine seltsamen Geräusche aus dem Keller kommen. So wie man dem Vampir die Tür öffnen muss, laden wir den Nervenkitzel in unser Leben ein.

Nervenkitzel: warum zum Teufel suchen wir das Grauen?

Mit Sicherheit wissen können wir es nicht. Meine persönliche Theorie führt uns in die Vergangenheit: in unsere Entwicklungsgeschichte, zur Evolution des Menschen.

Bis vor Kurzem – also bis vor etwa 500.000 Jahren – gab es für uns Menschen nur einen Job: Überleben. (Wusstest du übrigens, dass wir Menschen zur Untergattung der Trockennasenprimaten und zur Familie der Menschaffen gehören?). Um zu überleben, mussten wir lernen, Gefahren zu erkennen, und zwar schnell. Dinge wie Liebe, romantische Sonnenuntergänge und hübsche Blumen waren fürs Überleben nicht wichtig, weshalb sich unser Gehirn unermüdlich auf potentielle Gefahren konzentrierte.

Säbelzahntiger versus Sonnenuntergang

Szenenwechsel: Eine Gruppe von Höhlenmenschen sitzt ums Lagerfeuer, kaut an Mammutknochen herum oder glotzt stumpf vor sich hin. Plötzlich rennt Ntuc herbei und ruft „Hey, wunderschöner Sonnenuntergang, alle mal raus!“ Die Höhlenbewohner gaffen ihn verständnislos an. Was zum Geier sollte an einem Sonnenuntergang so prickelnd sein, dass man dafür die warme Höhle verlässt?

Doch ein paar Tage später stolpert Ntuc nochmals in die Höhe und brüllt: „Säbelzahntiger!“ Zehn Sekunden später sind alle Höhlenmenschen auf den Bäumen.

Gefahr: Die Mutter aller Reize

Es ist offensichtlich: Das Gefährliche weckt unsere Aufmerksamkeit. Denn während der Sonnenuntergang oder eine hübsche Alpenrose kaum je über Leben und Tod entscheidet, geht uns der Säbelzahntiger an die Eingeweide. Unser Hirn lernte über die Jahrtausende, die Gefahr – neben der Fortpflanzung – als wichtigsten Stimulus einzustufen.Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Smoke Demon Nervenkitzel

Nun hat sich der Mensch und sein Umfeld seit der Höhle dramatisch verändert. Die meisten der früheren Gefahren gibt’s fast gar nicht mehr oder nur in stark verdünnter Version. Säbelzahntiger und Höhlenbären sind ausgestorben, gegen Bakterien gibt’s Antibiotika, gegen Frostbeulen Minergie-Häuser mit Bodenheizung.  Doch nun geschieht das Paradoxe: statt unsere neu gefundene Sicherheit so richtig zu genießen, suchen wir die Gefahr – oder mit dem Nervenkitzel eine Prise davon. Wir lesen Krimis. Ziehen uns Action-Flicks und Horrorfilme rein. Machen Bungee-Jumping, gehen Segelfliegen, frönen dem ungeschützten One-Night-Stand oder fahren Motorrad, möglichst ohne Helm.

Fast scheint es, als hätte sich unser Gehirn als Gefahrendetektor so weit spezialisiert, dass es ohne den Thrill der Gefahr nicht mehr auskommt, förmlich danach lechzt. Ich jedenfalls bekomme einen mächtigen Kick von der fiktiven Gefahr – als Schreibender, als Leser wie auch als Film-Konsument. Und ja, ich glaube immer noch daran, dass neben der etwas perversen Suche (oder Sucht?) nach der Gefahr auch ein therapeutischer Teil dahintersteckt: Wer den Nervenkitzel sucht, konfrontiert seine Ängste. Ob er sie dabei nur anfeuert oder wirklich verdaut, darüber streiten sich die Gemüter.

Lasst uns also abstimmen: Wer glaubt, dass der Thrill das Salz in der Suppe des Lebens ist, der poste einen Kommentar. Und jeder, der anders denkt, natürlich auch … auf eigene Gefahr!

 

Die 30 Gebote der guten Schreibe

Kürzlich schrieb mir mein Automechaniker, ein Süditaliener, dass mein Auto repariert und zum Abholen bereit sei. Die dreizeilige Email belegte, dass er sich mit dem Schreiben etwa so vertraut fühlte wie ich mit Automechanik. Jedem das Seine. Nur, dass er häufiger mit dem Schreiben konfrontiert sein wird als ich mit kaputten Zündkerzen oder einem Kolbenklemmer. Und hier liegt sein Problem. Denn obwohl er als Süditaliener ein guter Katholik ist, kennt er die 30 Gebote der guten Schreibe nicht. Eine Sünde, die er in der Kirche der Aufstrebenden Schreibbegeisterten beichten müsste.

Fast jeder schreibt.

Die einen selten, die anderen pausenlos. Seit der Social Media-Welle schreiben sogar die Jungen vermehrt, wenn auch in zunehmend kryptischer Emoji-und-Bildersprache. Selfies und Duck-Faces sagen eben mehr als Worte, glauben sie. Doch für jeden, der sich ein klein wenig vom Neandertaler-Wandmalerei-Niveau abheben will, ist das folgende ABC des Schreibens ein Eldorado an genialen Tipps. Die Basics, wie man das geschriebene Wort zu etwas ebenso Nützlichem wie Starkem macht, zu etwas ebenso Erfrischendem wie Genüsslichen. Egal, ob du nun einen Roman schreiben willst, eine Email, eine Postkarte, ein Kondolenzschreiben oder eine Lösegeldforderung.Yves Patak Schriftsteller www.patakbooks.com 30 Gebote

Die 30 Gebote

Die Bibel hat zehn Gebote. Die Schriftstellerei 30. Anbei eine Zusammenstellung von „Schreibsuchti„, die 30 Gebote der guten Schreibe, aus der Feder des Grossmeisters Stephen King:

 

 

 

Perfekter Anfang – perfektes Ende

Ein Roman hat hohe Erwartungen zu erfüllen. Zwei der wichtigsten: Einen perfekten Anfang. Ein perfektes Ende.

Hast du schon einmal die ersten und letzten Sätze deiner Lieblingsbücher genau studiert? Wahrscheinlich nicht. Würde dir auffallen, dass der erste und letzte Satz wahrscheinlich eine Granate ist? Wahrscheinlich schon.

Der erste und der letzte Satz müssen eine Granate sein.

Ausnahmen ausgenommen können die meisten Bestseller mit einem zündenden Alpha und Omega auftrumpfen. Beispiel gefällig? Nun, ein brillanter Auftakt zu einer ultraspannenden Fantasy-Saga ist dem Grossmeister Stephen King in ‚Der Dunkle Turm‘ gelungen:

„The man in black fled across the desert and the gunslinger followed.“

Wham-bam!
Game, Satz und Match King. Auf Deutsch leider etwas lahmer („Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.“ Doch egal, in welcher Sprache – man sieht ein Bild. Man fühlt eine Stimmung. Man will mehr wissen.
www.PatakBooks.com Yves Patak Schriftsteller Initialfunke Perfekter AnfangEinem solchen Initialfunken kann man nichts beifügen. Und den Funken braucht es. Die Aufmerksamkeitsspanne unseres Gegenübers ist kurz. Sehr, sehr kurz. Ein Buch-Cover hat genau drei Sekunden Zeit, einen potentiellen Leser dazu zu verleiten, das Buch überhaupt in die Hand zu nehmen (oder anzuklicken). Ein erster Satz muss ins Schwarze treffen, sonst ist die Leserin weg. Sogar bei ersten Blind Date entscheidet der erste Moment, der erste Eindruck über unser Schicksal. (Beunruhigend, nicht wahr? Von wegen Druck und Erwartungshaltung … don’t we love it).
Übrigens würde ich die ‚Dark Tower‘-Serie jederzeit auch ein drittes Mal mit Wonne und Gänsehaut lesen oder als Hörbuch hören … worauf wartest du noch?

Self-Publishing-Day 2017

Der Self-Publishing-Day 2017 in ein paar Worten? Geht nicht, zu viele Eindrücke, zu viele Möglichkeiten. Fazit des Tages: äusserst stimulierend! Herzlichen Dank meinem Coach & Lektor Thomas Hoffmann für den heissen Tipp.

Self-Publishing: Community rules!

Ein paar Quintessenzen:

Sympathisch: Community rules! Schriftsteller und LeserInnen kommen sich näher, wollen sich gegenseitig kennen, ein Hauptmerkmal der SP-Welt.

Erschreckend: in Deutschland können trotz Self-Publishing-Boom momentan nur 250 (!) Autoren vom selbstverlegten Schreiben leben. Jesum peace maan, wie die Jamaikaner sagen würden … doch es gilt der Kernsatz: Never give up!

Nützlich: Selfpublisher können sich den teuren Schriftsetzer eventuell dank der Vellum-Software ersparen. Mit Vellum könne man im Nullkommanix wunderbar professionelle eBooks erstellen.

Der Newsletter bleibt ein Grundpfeiler des Self-Publishings

Wichtig: der Newsletter (der natürlich keinesfalls so heissen darf) ist weiterhin einer der robustesten Grundpfeiler des SP-Marketings. Also bitte unbedingt dort genug Zeit und Kreativität einsetzen, um die LeserInnen in den eigenen Verteiler zu motivieren. In den NL gehört übrigens möglichst keine Eigenwerbung, viel mehr sollte er den LeserInnen ein Mehrwert sein. What else.

Erfreulich: Autoren arbeiten immer mehr und erfolgreicher zusammen statt gegeneinander. Neid ist out, Kooperation ist in. Bravo, Männer und Frauen der glühenden Feder!

Knifflig: Gratis eBook-Aktionen können nützlich sein, sollten aber gemäss einem cleveren Algorithmus ermessen werden, sonst kann der Schuss nach hinten losgehen. Falls man solche Gratisaktionen durchführt, sollten diese genau so ernst genommen werden wie eine Buchveröffentlichung, samt Ankündigung, Werbung etc. Richtig angewendet kann ein solcher Anreiz auch die NL-Liste massgeblich wachsen lassen.

Modern: Gewisse Plattformen gehören ganz der jungen (und junggebliebenen) Schreibergilde, die immer häufiger ihre Romane gleich auf dem Handy schreibt. Echt! Da kann ich Fossil samt meiner Alterssichtigkeit gleich einpacken, o tempora o mores … Beispiel: StoryWunder.com (noch in der Beta-Phase, aber man kann sich schon eintragen), oder Wattpad.

Lesungen: Für die meisten Musensöhne und -töchter ist es ganz schön schwierig, Lesungen zu organisieren, denn die Organisatoren möchten natürlich möglichst nur Promis ans Mikrophon lassen. Der Geheimtipp, der immer vom Radar fällt: Büchereien und Bibliotheken sind zunehmend im Trend, wenn es um Lesungen geht. Einfach mal anfragen!

Gedruckte Bücher als Geschenk beliebter als eBooks

Share: das Ausleihen von eBooks ist ein wichtiges Marketing-Tool, z.B. via Onleihe.
Community: die grösste deutschsprachige Plattform, auf der sich Leser, Autoren und Verlage begegnen, ist Lovelybooks. Sympathisch, thematisch stimmig und empfehlenswert. Leserunden und Bücherverlosungen sind immer populär, Printbücher als Preis deutlich beliebter als eBooks. Das haptische Element lebt fort!

Etikette: Buchblogger sind weiterhin unverzichtbare Multiplikatoren, wollen aber mit Respekt behandelt werden. Also bitte mit dem korrekten Namen ansprechen, nur mit dem passenden Genre, und auch bei Absagen höflich bleiben!

Stimme: Der Workshop bei Radio-Dame Brigitte Mayer war toll, denn auch Selbstvertontes kann ein klasse Marketing-Tool sein. Man übe die eigene Stimme und vertone damit eigene Podcasts, Lesungen, Bücher. Und professionelles Sprechen ist ein absolutes Muss, wenn man einen Job wählt, der mit Publikum zu tun hat. Ich jedenfalls bin am 9.9. 2017 bei Brigitte am Tagesworkshop in München dabei. Übrigens, wenn man „in die Füsse spricht“ ist man ganz bei sich! 🙂

Essentielle Hingucker: Cover und KurztextYves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Bücherei Bibliothek Lesung Self-Publisher-Day 2017

In der Kürze liegt die Würze: Kurztexte, z.B. für den Buchklappentext (U4-Text, Blurb) wollen gelernt sein. Lieber einfach als kompliziert, Adjektive und Adverbien sind selten deine Freunde, bremsende Wörter eliminieren, ein Cliffhanger-Ende zeigt Souveränität. Die Zielgruppe sollte man nicht nur beim Romanschreiben, sondern auch beim Kurztext glasklar vor Augen behalten.

Design: das Cover sollte man in der Regel den Profis überlassen. Selbstgebasteltes kann ein gutes Buch auf den Komposthaufen katapultieren. Farbenlehre ist spannend, ebenso das Wissen rund um Schriftwahl, Typographie und andere Details. Eine gute und günstige Anlaufstelle ist 99designs.com, wo ich mit der Designerin Meella ausgezeichnete Erfahrungen machte: inzwischen hat sie alle meine Covers neu gestaltet (zu sehen auf www.PatakBooks.com)

Last not least: der nächste Selfpublisher Day findet am 26. Mai in 2018 in Düsseldorf statt: See you there! 🙂

PS: Schon gewusst, dass es bereits Witze über Self-Publishing-Autoren gibt?

Kommt eine Indieautorin zum Arzt, und der sagt zu ihr: „Sie haben nur noch 4 Monate zu leben !“

Die SP-Autorin: „Von was …? „

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Kairos – der Gott des günstigen Zeitpunkts

Hola! Was tust du gerade? Klar doch: Du verbringst Zeit damit, diese Zeilen zu lesen (was du nicht bereuen wirst). Über die Zeit gibt es unzählige Meinungen und philosophische Ergüsse. Sollten wir uns überhaupt mit der Zeit befassen? Denn egal, ob wir es tun oder nicht, sie zerrinnt, Sand zwischen unseren Fingern.

Oder etwa doch nicht?

Im Gefängnis steht die Zeit still. Bei einem Rendezvous mit dem liebsten Menschen vergeht sie im Fluge. Zeit ist also relativ. Und launisch. Der griechische Gott der Zeit heisst Chronos (daher das Chronometer). Klar. Doch wer weiss schon, dass Chronos einen Vetter hat? Dieser weitgehend unbekannte Kerl namens Kairos ist der Gott des günstigen Zeitpunkts für eine Entscheidung. Trifft man diese nicht, kann dies böse Folgen haben.

Kairos sagt: „Entscheide dich … jetzt!“

Als ich während meiner Recherchen über diesen Gott stolperte, musste ich ihn unbedingt in meinen Thriller „Tödlicher Schatten“ einbauen, inklusive einen Teil des Gedichts von Poseidippos von Pella, ein Dialog, bei dem Kairos sich selbst erklärt (gekürzte Fassung):
Wer bist du?
Ich bin Kairos, der alles bezwingt!
Warum fällt dir eine Haarlocke in die Stirn?
Damit mich ergreifen kann, wer mir begegnet.
Warum bist du am Hinterkopf kahl?
Wenn ich mit fliegendem Fuß erst einmal vorbeigeglitten bin,
wird mich auch keiner von hinten erwischen
so sehr er sich auch bemüht.“

Nur nichts Falsches tun …

Die Botschaft: „Nur nichts Falsches tun“ ist schön und recht, aber Nicht-Handeln kann auch fatal sein. Manchmal geht es im Leben darum, den Moment einfach zu packen, egal, wie unsicher wir sind
– denn er kommt nie wieder. Passivität ist also keine Pauschallösung. Kairos wird uns ein Leben lang begleiten, an uns vorbeiflitzen und uns nur ganz, ganz wenig Zeit geben um zu entscheiden, ob es darum geht, abzuwarten – oder den Moment beim Schopf zu ergreifen.www.PatakBooks.com Yves Patak Schriftsteller Kairos der Gott des günstigen Augenblicks

In meinem Praxisalltag erkenne ich täglich, wie Menschen unter der Bürde der nicht-getroffenen Entscheidung leiden. Im angelsächsischen Raum nennt man dieses oft tiefsitzende psychologische Problem Procrastination, zu Deutsch: Verschleppungstaktik oder Aufschieberitis.

Entscheidungen treffen ist nicht leicht – aber es befreit, macht den Kopf frei für anderes. Somit gilt: wer sich nicht entscheiden kann, werfe eine Münze. Langes Grübeln hat noch kaum je eine bessere Entscheidung gebracht. Und ich entscheide mich dafür, diesen Artikel an dieser Stelle zu beenden und an meinem nächsten Thriller weiterzuschreiten …

Commitment

Bestimmung und Liebe haben einiges gemeinsam. Zuerst verliebt man sich, der Enthusiasmus überbordet, alles läuft von selbst. Aus der Verliebtheit wird Liebe, man beginnt, sich in die Sache zu vertiefen, sie ernster zu nehmen – und erste Probleme zu erkennen.

Die dritte Phase heisst auf Neudeutsch Commitment. Hingabe. Selbstverpflichtung. Erst jetzt folgt das wahrhaft strenge, dafür nachhaltige Kapitel. Es ist die Phase, in der viele Paare sich scheiden lassen, weil es zu anstrengend wird, zu frustrierend. Es ist die Phase, wo der Mensch, der seine Bestimmung gefunden hat, diese vielleicht fallen lässt und aufgibt.

Ich kenne das Gefühl. Wer schon nicht? Patricia Kaas bringt es in ihrem Lied „Mademoiselle Chante le Blues“ auf den Punkt: „(Y’en a) Qui veulent se faire du bien sans jamais s´faire du mal.“ Frei zu Deutsch: es gibt Menschen, die sich ständig Gutes tun möchten, ohne je das Mühselige zu erleben. Ein Teil in mir, mein innerer Schweinehund-Dämon, flüstert mir den Text oft durch grinsende Schweinelippen zu.

Da ist aber auch der andere Teil. Der Teil, der sich daran erinnert, wie das mit der Verliebtheit (in die Schriftstellerei) war. Der Teil, der sich an der eigenen Lernkurve erfreut, der Stolz ist auf den Sieg über den Schweinehund. Muss man dafür etwas opfern? Klar. Tut das Opfer immer weh? Wahrscheinlich. Vielleicht heisst wahres Commitment, sich mit einer gewissen Portion Masochismus anzufreunden. Wenn man das Wort ‚Opfer‘ durch ‚Entscheidung‘ oder Priorität‘ ersetzt, entstehen schon ganz andere Gefühle.

Commitment – eine Zusage fürs Leben

In der Kirche heisst es bei der Vermählung ‚Bis dass der Tod euch scheidet.‘ In meinem Leben gilt dies viel eher für die Ehe mit der Berufung. Menschen ändern sich. Eine Berufung kaum. Vor Jahren kam somit die Entscheidung auf mich zu, ob ich vor dem heiligen Altar der Berufung „Ja!“ sagen möchte. Ob ich mich traue. Die Angst war gross, die Liebe grösser. Ich sagte ja, gab meine alte Arztpraxis auf und sattelte um auf ein ausgewogenes Leben zwischen (psychologischer) Praxis und Schriftstellerei. So sind inzwischen sechs Bücher entstanden, vom augenzwinkernden Lebensberater bis zum düsteren Thriller. Und falls ich am Ball bleibe – was ich 100% vorhabe – werden noch viele Werke das Licht der Welt erblicken.

… or die trying.

In den USA hört man oft den geflügelten Satz, dass man etwas auf Biegen und Brechen durchziehen soll – „or die trying“ (oder dabei untergehen). Hart, aber wahr. Eine Berufung verlangt Biss, einen knochenharten, nie-mehr-loslassenden Rottweiler-Biss. Die Schriftstellerei ist keine Ausnahme. Egal, wie begabt man ist oder zu sein glaubt, neunzig Prozent der Prozedur sind harte Arbeit. Und man weiss nie, ob der erhoffte Durchbruch jemals kommt. Wer behauptet, er schreibe nur für sich selbst, belügt sich wahrscheinlich. Der kreative Prozess des Schreibens in sich ist ein Genuss, die Perfektionierung eine harte, langwierige Arbeit, eine treue Leserschaft das Tüpfelchen auf dem i, das Sahnehäubchen auf der Torte.

Berufungen haben oft mit Kunst zu tun. Mit Kunst zu überleben ist statistisch gesehen schwieriger, als im Lotto zu gewinnen. Sollte uns das kümmern? „Niemals, Shadowmaster!“

Werden wir es jemals schaffen, mit unserer Berufung zu wachsen, uns zu entwickeln, mit und von ihr zu leben, in ihr aufzugehen? Was dies betrifft, schalte ich auf Ford-Modus: „Ob du denkst, du schaffst es, oder du schaffst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten.“

Genug der Worte: Die Schreibmaschine ruft!

Kreative Trance und Totem

Kreative Trance ist magisch, und erstaunlich einfach. Die inneren Welten sind so spannend wie die äußeren: unendlich, unglaublich, unmöglich – und vor allem unwiderstehlich.

Trance – das Tor zu anderen Welten

Um Welten zu bereisen, braucht es einen Zugang. Ein Tor. Ich persönlich nenne dieses Tor ‚Trance‘, oder kreative Trance. Es ist eine launische Pforte, denn sie lässt sich nicht immer finden, und selbst wenn man sie findet nicht immer öffnen. Wie beim ‚Magic Eye‘ finden die einen unter uns das Tor dorthin mit Leichtigkeit, andere gar nicht. Wie es scheint, suchen die meisten unserer Mitmenschen das Tor zu anderen Welten inzwischen im Handy. Nun, jedem Tierchen sein Pläsierchen.
Doch kommen wir zu unserem magischen Tor zurück.
Die amerikanischen Indianer kannten einen eindrücklichen Weg, es zu finden. Der junge Indianer, der das Mannesalter erreicht hatte, zog sich auf den Berg oder in die Wüste zurück, um sein Totem – sein Krafttier – zu finden. Wie machte er das? Indem er die Umgebung absuchte? Nein, er stand in die glühenden Sonne, hungerte und durstete so lange, bis sein Geist in einen Trancezustand glitt, bis sich das Tor zu den inneren Welten öffnete. Und dort, in den inneren Jagdgründen, sah er den Adler, den Kojoten, den Büffel, jenes Tier, das perfekt zu ihm passte, ihn widerspiegelte und fortan begleiten sollte – weil es aus seiner eigenen Tiefe zu ihm kam. Erst danach suchte er in der Aussenwelt nach jenem Tier, um es dann als mächtiges Symbol bei sich zu tragen.
Jedes Mal, wenn wir durch jenes Tor in uns selbst hineinblicken, entdecken wir unbekannte Welten – und Teile unserer selbst. Egal, ob es darum geht, ein Buch zu schreiben, die eigenen Dämonen zu bekämpfen oder der Erleuchtung ein Stück näher zu kommen … der Ruf der Wildnis kommt primär von innen!

Im Rausch der Möglichkeiten

Wenn ich mein Leben betrachte, so sind es eigentlich drei. Jedes hat seine Reize und seine Herausforderungen. Seine Möglichkeiten. Sowas nennt man wohl angewandte Schizophrenie mit Wohlfühl-Faktor.

Angewandte Schizophrenie

Da gibt es das Leben mit der Familie und den Freunden — ein Leben voller schöner Momente, voller Routine und Anforderungen. Der herrlich genussvoll-turbulente Alltag. Dann das Leben als Arzt und Lebensberater: auch nach zwanzig Jahren bin ich mit Herz und Seele dabei, wenn ein Mensch samt einem Sack voller Probleme zu mir findet. Die Prämisse bleibt stets die gleiche: Präsent sein und achtsam zuhören; Perspektiven anpassen, gemeinsam kreative Lösungen suchen – die es interessanterweise meistens gibt.

Im Rausch der Möglichkeiten

Und da gibt es noch das Leben des Schriftstellers. Das Leben, in dem alles möglich ist. Kann es etwas Wunderbareres geben? Auf das Risiko hin, asozial zu klingen: es ist wahrscheinlich das faszinierendste dieser drei Leben. Und je länger ich mich mit ihm beschäftige, desto weiter öffnet sich der Türspalt, desto tiefer wird der Einblick in … in was? In parallele Universen? In das Leben anderer Menschen, die ich eigentlich nicht kenne? Ist es wirklich „nur“ Phantasie – und spielt es überhaupt eine Rolle?

Echt oder fiktiv … wen juckt’s?

Die eigentlichen Fragen lauten:
Spielt es eine Rolle, ob echt oder fiktiv? – Nein.
Macht es mir Spass? – Mit Sicherheit.
Ist es gefährlich? – Vielleicht.
Lohnt es sich, die Gefahr auf mich zu nehmen? – Hunderprozentig.

Möglichkeiten sind tückisch. Manche Psychologen meinen, dass der Mensch der Moderne an den tausend Möglichkeiten des „realen“ Lebens allein zerbricht. Wende ich mich also zusätzlich den unbegrenzten Möglichkeiten der Phantasie und Fiktion zu, besteht die reelle Gefahr, mich in dieser Unendlichkeit zu verlieren. Doch wer sagt, dass ich das nicht sollte?

Alles ist Maya

In der indischen Philosophie gilt der Leitspruch „Alles ist Maya“ – was bedeutet, dass die ganze Welt, wie wir sie erleben, eine Illusion, eine Täuschung ist. Diese Maya ist das grösste Hindernis auf dem spirituellen Weg, solange wir sie nicht als Irrbild enttarnen. Die moderne Quantenphysik stösst zum Teil in eine ähnliche Richtung vor und vermutet, dass nur das existiert, was in unserer Wahrnehmung ist. Was wiederum in Frage stellt, ob es überhaupt eine reelle Welt und eine Welt der Phantasie gibt.

Neugier als Triebfeder

Wer sucht überhaupt Gründe, um etwas zu rechtfertigen? Meine geistigen Odysseen entstammen einer tief verwurzelten Neugier. Dabei ist in meinem Erleben die verschlossene Kellertüre oft spannender als die sonnige Wiese, der dunkle Wald faszinierender als der breite Wanderweg.  Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Im Rausch der Möglichkeiten

Man sagt, die Fähigkeit, „andere Welten“ zu bereisen, könne man erlernen. Ich weiß nicht, wie weit ich kommen werde, aber ich will die Möglichkeit nutzen, mein Leben, meine Welt, unendlich viel grösser und spannender zu machen, indem ich mich auf die Reise ins Unbekannte einlasse. Was ich als Kind aus dem Effeff konnte: Der natürliche Keim der Phantasie und die „Verbundenheit mit allem“ ist heute viel schwieriger. Wir wurden zu abgekapselten Individuen sozialisiert, auf Leistung getrimmt, auf Nullachtfuffzehn dressiert.

Aber das Tor zu den anderen Welten geht niemals ganz zu. Ich glaube oft, den Schlüssel zu haben, und ich will mit ihm die Tür öffnen. Denn irgendetwas dort drüben flüstert meinen Namen.

Der Schrecken des Schöpfers

Ist der Schriftsteller Schöpfer oder nur ein Sprachrohr seiner Muse? Darüber scheiden sich die Geister. Die Wahrheit liegt wohl wie so oft in der Mitte. Doch ohne Zweifel ist es eine erschütternde Erfahrung, etwas zu kreieren – und plötzlich vor einer Kreatur zu stehen, die einem eine Gänsehaut über den Rücken jagt.

Da sitzt man am Laptop, versinkt in fremde Dimension, in jene Welten, die man sich gerade ausdenkt, die man zu bewusst zu kreieren glaubt  – und dann geschieht es.

Etwas gerät ausser Kontrolle.

Plötzlich stehen wir mit weit aufgerissenen Augen da, als hätten wir soeben einen Autounfall miterlebt. Genau so fühlte ich mich, als ich eine Szene in meinem ersten Thriller ‚The Healer‘ (zur Zeit in Revision) schrieb. In Al Qatrun, einem Kaff mitten in der libyschen Wüste, wird Sharan, ein Mädchen mit einem übernatürlichen Talent, Opfer einer Hexenjagd. Das Drama spitzt sic zu, und die (nicht besonders liebevolle) Mutter der Heldin raunt dem Vater zu, dass es besser wäre, die kleine Sharan zu töten, bevor die abergläubische Meute der Dorfbewohner die ganze Familie lyncht.

„Töte unsere Tochter!“

Man halte kurz inne. Versetze sich in die Haut Vaters. Seine Ehefrau – kann man es fassen? – fordert ihn auf, die eigene Tochter vorsorglich zu ermorden! Wut erfasst ihn. Das Blut kocht ihm in den Adern. Er hebt die Hand, verpasst der feigen, herzlosen Ehefrau eine vernichtende Ohrfeige. Sie stürzt, spuckt zwei Zähne aus, wischt sich das Blut vom Gesicht, starrt schockiert zu ihrem Ehemann empor …

Ich schrecke aus meiner Schreib-Trance hoch. Sehe die Frau mit dem blutigen Gesicht auf dem harten Boden liegen. Habe ich das geschrieben? Habe ich ihr das angetan? Natürlich. Natürlich nicht. Es … es floss einfach durch mich hindurch. Ich fühlte die hilflose Wut des Vaters. Fühlte meine eigene Überforderung, mit einer Situation umgehen zu müssen, die es nie hätte geben dürfen. Fühlte den unerwarteten Hass auf eine Ehefrau, die sich schon seit Jahren von mir entfremdet hat.

Doch jetzt, wo sie so jämmerlich und fassungslos auf dem Boden liegt, fühle ich … was? Mitleid? Ein schlechtes Gewissen?

Ich fühle mich beobachtet. Fühle die verurteilenden Blicke meiner Leser, die ich eben noch gar nicht wahrgenommen hatte. Doch jetzt sind sie da, stehen um die Frau herum, murmelnd, tuschelnd. Vorwurfsvolle Blicke streifen mich.

Weg, hinweg mit euch! Ich setze mich an den Laptop und lösche die ganze Szene. Schreibe sie neu. Der Inhalt ist ähnlich. Die Ohrfeige verdient. Aber sie ist etwas schwächer. Etwas … stimmiger. Es gibt kein Blut. (Nicht hier, nicht jetzt – davon gibt’s im Rest des Romans noch genug). Der Vater hat wortlos erklärt, was er von der heimtückischen Viper, die er Ehefrau nennt, hält. Er dreht ihr den Rücken zu und geht. Er hat einen Plan. Heute Nacht noch wird er mit Sharan durch die Wüste fliehen.

Immer noch sitzt mir  der Schreck in den Knochen, meine Wangen sind warm von der Scham. Wie konnte ich so brutal sein? War das überhaupt ich?

Es ist einer jener M0mente, in dem man versteht, wie falsch die LeserInnen oft liegen, wenn sie denken, dass der Schriftsteller seine Worte genau plant. Dass alles einer Absicht entspricht. So ist es nicht, nicht immer zumindest. Etwas geschieht. Etwas gerät ausser Kontrolle.

ACE DRILLER – ein dämonischer Mystery Thriller

„Dämonen existieren. Basta.“

Es grenzt an Besessenheit, aber dieser Mystery Thriller verlangte einfach danach, geschrieben zu werden. Schrägerweise liegt der Ursprung nicht zuletzt in meiner Tätigkeit als Arzt und psychologischer Berater. Gewisse psychische Störungen, die ich in der Praxis sehe, zeigen Aspekte dessen, was man im Mittelalter Besessenheit genannt hätte. Die moderne Medizin und der Zeitgeist lehren uns natürlich, dass Dämonen und Besessenheit Mumpitz und Aberglaube sind, Gott sei Dank …

Doch wissen wir das wirklich? Es gibt keine Beweise, dass es Dämonen gibt. Ebensowenig, dass es sie nicht gibt. „Absence of evidence is no evidence of absence“, wie man wissenschaftlich-trocken bemerken darf.

Also … was wäre, wenn es diese fiesen, meist unsichtbaren Monster tatsächlich gäbe? Wenn wir bloss verlernt hätten, sie zu erkennen, weil wir lieber an fehlgeleitete Neurotransmitter und Ähnliches glauben? Wer von uns hat sich denn noch nie geirrt? Und gibt es nicht gar Menschen, die ihren Irrtümern zum Opfer fallen …?

Damit war der Pakt besiegelt. Der Roman Ace Driller musste geschrieben werden, drängte mich dazu, Türen zu öffnen, hinter denen Dinge lauern, denen wir nicht begegnen möchten. Der Roman ist vollendet, soll nun in die Welt hinaus – aber in kleinen Portionen. Um meine geschätzten LeserInnen langsam auf das Unsagbare vorzubereiten. Denn zu viel auf einmal kann traumatisch sein. Verstörend. Deshalb erscheint ACE DRILLER vorerst exklusiv als Kindle-Serial in sechs Bänden.

Weltbild … was für ein Weltbild?

Mein Tipp: Genieße dein bisheriges Weltbild. Nur noch ein paar Tage. Glaube fest daran, dass die Erde im Wesentlichen ein guter Ort ist. Halte an deinen Illusionen fest. Denn schon sehr bald werden diese in ihren Grundfesten erschüttert.

Ace Driller Prometheus-Gen Dämonen MAD-Liga Yves Patak Mystery Thriller

Keine Sorge, du bist nicht allein. Auch Ace Driller, die Hauptfigur des Romans, muss erstmal tief durchatmen. Dem taffen Ex-Cop aus Brooklyn vergehen nämlich Sehen und Hören, als er hinter die Kulisse der vermeintlich normalen Welt sieht. Als er erkennen muss, dass nichts ist, wie es scheint – und dass hinter dem dünnen Schleier der sogenannten Realität Monster lauern.

„Dämonen … seriously?!“

Lass dich ein auf eine Reise nach New York City, nach Rom, in das Schweizer Gebirge und in die Schattenwelten dahinter. Vergiss alles, was du zu wissen glaubtest. Denn du liegst falsch.

Die Zeit der heilen Welt ist vorbei.

Willkommen auf der anderen Seite …

ACE DRILLER

 

Narrenfreiheit

„Möge jeder, der es verdient, in Frieden ruhen.“

Ein Satz, der mir spontan durch den Sinn kam. Vielleicht hatte ich dabei ein bestimmtes Bild im Kopf? Ja … die Grabsteine vor dem Geisterhaus im Disneyland, der Haunted Mansion. Dort liegt ein Friedhof mit windschiefen Grabsteinen, auf jedem Stein ein flotter Spruch. Fiese, lustige, sarkastische Sprüche. Und zwischen den Zeilen etwas Wunderbares, etwas Magisches:

Die Freikarte der Narrenfreiheit.

Flotte Sprüche, unzensierte Worte, schonungslose Zitate sind die Gewürze der Lebensküche. Doch in manch einer Küche herrscht statt kreativer Freiheit ein striktes Verbot für gewisse Ingredienzen. So wie der Veganer, Lactoseintolerante und Zöliakie-Betroffene gewisse Dinge schlicht nicht verträgt, so verbannen viele Menschen Elemente wie Sarkasmus, Ironie, Ehrlichkeit (!) und schwarzen Humor konsequent aus ihrem Leben. (Die Hoffnung, dass sowas klappen könnte, stirbt zuletzt).

Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.comAls Arzt und Coach gehe ich gesellschaftliche Kompromisse ein, akzeptiere die meisten Spielregeln, die sich im therapeutischen Setting eingebürgert haben. Als Schriftsteller jedoch möchte ich meine inneren ‚Personae‘ leben, möchte meinem Panoptikum meiner inneren Charaktere die Erlaubnis geben, sich auszutoben. Alles andere wäre ein Freipass in die Langeweile, in das Antonym eines kreativen Lebens.

„Er hat das gesagt, nicht ich!“

Yves Patak www.PatakBooks.com SchriftstellerWas im Alltag (- das Ego lässt grüssen -) unerwünscht und problematisch scheint, ist der Stoff, der Bücher und Blogs aufpeppt. Mal ehrlich? Ich finde es herrlich, wie man sich als Schriftsteller hinter den eigenen Figuren verstecken  und sagen kann: „Er hat das gesagt, nicht ich!“

Der Schriftsteller als Puppenspieler

Vielleicht ist das feige. Man könnte auch sagen, dass der Schriftsteller der Puppenspieler ist, der seinen Figuren Worte in den Mund legen darf und soll. Oder, biblisch interpretiert, ist er der Schöpfer, der seinen Kreaturen den freien Willen mit auf den Weg gegeben hat – was ihn von jeder Verantwortung gegenüber seinen Geschöpfen und deren Aussagen entbindet.  Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com

Wie auch immer: Hoch fliege die Fahne der dichterischen Freiheit. Die Narrenfreiheit des Schreiberlings, der hinter seiner Schreibmaschine hervorgrinst und der Welt den Eulenspiegel vorhält.

Und wenn ihr was dagegen habt … fangt mich doch!

Das Schlüsselloch – denn weniger ist mehr …

I am the Doorway. So heißt eine Kurzgeschichte von Stephen King, die ein Symbol auf den Punkt, das jeden kreativen Prozess mitdefiniert. Das Tor zu anderen Welten.

Okay, ich gebe es zu: Ich habe eine gewisse Besessenheit, was Tore anbelangt. Einen Spleen, was Türen betrifft. Vor allem geschlossene. Denn hinter jeder Tür wartet etwas. Etwas, das mir zuflüstert, die Tür zu öffnen.

Fast noch unwiderstehlicher sind Schlüssellöcher. Echte und virtuelle. Weil weniger oft mehr ist. Das Rundherum, das Abschliessende, bringt das Ziel erst richtig in den Fokus, verleiht ihm Schärfe. Wer will im Theater denn wirklich hinter die Kulisse sehen? Schliesslich soll die Magie unser Blickpunkt bleiben, nicht das seelenlose Räderwerk rundherum.

Weniger ist mehr.

Eine geschlossene Tür kann die Phantasie weit mehr anregen als eine offene, ein Schlüsselloch geheimnisvoller sein als ein Kuriositätenkabinett. Genau wie eine Frau, die wenig Haut zeigt, oft reizvoller ist als jene verzweifelten Kreaturen, die gleich alle nackten Fakten auf den Tisch legen müssen. So, wie sich die Erotik der Fünfzigerjahre (Marylin Monroe) vom nüchternem Marketing-Sex (Miley Cirus, Paris Hilton) der Neuzeit unterscheidet, so deutlich ist der Unterschied zwischen dem magischen, vieles verbergenden Schlüsselloch und dem kühlen Rampenlicht des Ego-Zeitalters.

Seit eh und je sind wir vom Unbekannten fasziniert. Obwohl wir Angst haben, treibt uns eine perverse Neugier vorwärts. Und da wir hier sind, das Unbekannte aber dort, brauchen wir ein Tor, das uns dorthin führt – oder zumindest ein Schlüsselloch, um vorerst gefahrlos und heimlich hinüberzuspähen.

Von keiner Reise kommen wir als Dieselben zurück, die wir waren.

Eines meiner liebsten Schlüssellöcher ist und bleibt das Buch. Es schenkt uns Einblicke in die Seelen und Welten unserer (schreibenden) Mitmenschen. Solche Einblicke sind keine reine Unterhaltung. Sie berühren uns. Verändern uns. Denn von keiner Reise kommen wir als Dieselben zurück, die wir waren.

Fragt man mich nach dem Sinn des Lebens, so habe ich keine Antwort (vielleicht bis auf „42„). Wenn ich aber eine Vermutung äussern dürfte, wäre es, dass es in unserem Leben um Entwicklung geht. Entwicklung entsteht durch innere oder äussere Reize. Womit wir die äussere, angeblich „reale“ Welt genau so brauchen wie die virtuellen Welten in unserem Inneren – oder in den parallelen Welten des Multiversums.

Komm mit. Dort drüben im Dunkeln leuchtet etwas. Ich glaube, es ist ein Schlüsselloch …