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„Was wir auch sehen oder scheinen, ist bloß ein Traum in einem Traum.“

Ein Zitat des ebenso düsteren wie tiefgründigen Edgar Allan Poe. Sind unsere Phantasien und Träume möglicherweise die ultimative Wahrheit? Eine seltsame Frage, natürlich — aber schließlich bin ich (unter anderem) Schriftsteller, und für unsereins gehören seltsame Fragen zum täglich Brot.

Also mal andersrum: hast du schon einmal einen Liebesroman gelesen oder dir einen TV-Thriller reingezogen? In beiden Kategorien gibt es reichlich von dem würzigen Element namens Drama. Im Thriller sowieso, aber auch der Liebesroman/-film muss gespickt sein mit Szenen, in denen die Heldin oder der Held leidet, an seine Grenzen kommt und sein Leben alles andere als cool findet, bis er/sie über sich selbst hinauswächst. Das muss so sein und nicht anders, weil die Story sonst stinklangweilig wäre und wir uns die Abend-Nachrichten angucken müssten, um bezüglich Drama auf unsere Rechnung zu kommen.

Drama. Unheil. Desaster.

Konflikte. Aufregung. Probleme. Offenbar suchen wir alle nach dem brenzligen Stoff, der das Leben ankurbelt, ihm Pfeffer gibt. Es scheint pervers, paradox, und doch liegt der Trieb in der menschlichen Natur. Vielleicht, weil wir aus dem Ganzen etwas lernen, dabei reifen? Geht es nur darum?

Oder sind es doch unsere Neandertaler-Gene, die in uns aufmucken? Hand aufs Herz, als wir noch Jäger und Sammler waren, da konnten wir die Wildsau rauslassen, konnten mit Speeren und Steinen bewaffnet auf die Jagd, ohne zu wissen, ob diesmal das Mammut gewinnt oder wir. Tagtäglich gab’s den Adrenalin-Kick gratis, und es steht ausser Frage, dass wir uns dann am lebendigsten fühlten, wenn wir der Todesgefahr ins gelbe Säbelzahntiger-Auge starrten.

Die Moderen Rundum-Zufrieden-Gesellschaft mit ihrem überversicherten Sorglos-Kuschelpaket hat uns diesen Kick genommen. Gefahren gibt’s praktisch nur noch in unserem Kopf, zum Beispiel dann, wenn wir im Wartezimmer des Arztes auf unsere Diagnose warten. Könnte es also sein, dass sich unsere Jäger-Gene nach der guten alten Zeit des wahren Lebenskampfes zurücksehnen, und die ausgemerzte Gefahr nun im Kopfkino ausleben muss, als auf- und erregende Fiktion?

Nun stell dir vor…

… du kommst an dein Lebensende. Egal, ob es ein Herzinfarkt ist, Krebs, ein Überfall, das abstürzende Flugzeug – der Countdown läuft. Du schreist, weinst, trauerst, haderst, es nützt alles nix: Du stirbst … und erwachst aus einem traumähnlichen Zustand den du Leben nanntest, bis auf einmal ‚wieder da‘, erwachst zu einem völlig neuen (alten? vertrauten?) Bewusstsein und erinnerst dich, dass du dich ganz bewusst auf ein menschliches Leben — dein Leben! — eingelassen hattest wie auf einen spannenden Roman, einen packenden Film, mit allem Drama, was dazugehört!

Es ist nur eine Idee, eine esoterisch-philosophische Spielerei … aber hast du den Gegenbeweis, dass es anders ist?Wahrscheinlich nicht. Und somit bleibt die Frage, ob wir uns das ganze Drama, das wir zuweilen erleben, vielleicht selbst aussuchen.

Irgendwie hätte der Gedanke doch etwas Tröstliches …

 

 

 

Gewisse Dinge verfolgen einen über Jahre. Bei mir sind es meine alten Geschichten. Denn während die einen ratzfatz aus der Feder fliessen und von A bis Z stimmig sind, gären andere vor sich hin, warten auf Veränderung, auf Evolution, auf ein alternatives Ende – oder auf eine Fortsetzung.
So geschehen bei meinem Thriller „Der Screener“. Viele Jahre nach den ersten Zeilen erscheint nun eine komplett überarbeitete Fassung, die als „Teil 1“ die Basis für eine Fortsetzung bildet.

Photo by Tina Rataj-Berard on Unsplash

Nachwort und Neubeginn

Was zum Geier führt dazu, dass ein fertiger Roman sich quasi selbst neu erfinden musste? In meinem Nachwort zu „Der Screener Teil 1“ habe ich zusammengefasst, wo des Pudels Kern lag:

Als ich im Jahr 2010 die ersten Zeilen zu meinem Thriller ‚Der Screener‘ schrieb, war das Ziel der Reise – wie bei Heldenreisen üblich – unklar. Im Verlauf meldeten sich die Protagonisten zu Wort, flüsterten mir zu, wie die Geschichte sich zu entwickeln habe – so, wie ich es von früher her kenne.

Als Geschichtenerzähler glaubt man oft, etwas zu erfinden, und plötzlich ist sie da, die Eigendynamik: Der Schriftsteller wird zum Sekretär seiner Kreaturen, die ihm diktieren, wie es weitergehen soll. Und da jede dieser Figuren ihre eigene Meinung hat, geht es dabei oft alles andere als friedlich zu.

Dann, kurz vor Vollendung des Romans, geschah das Schreckliche: Meine Romanfiguren ließen mich im Stich. Da saß ich nun mit gut fünfhundert Thriller-Seiten und redete mir ein, dass die Geschichte zu einem Ende kommen muss. Da dieses aber so unklar war, so nebulös, musste das Showdown umso dramatischer werden, um von meiner Planlosigkeit abzulenken. Ein fataler Fehler, wie ich feststellen musste. Bei einem Roman muss der Anfang und das Ende perfekt sein. Alpha und Omega. Punkt.

Der Muse kalte Schulter

Photo by Elijah Hail on Unsplash

Doch mein Omega hinkte. Entsprechend waren die Kritiken zum Gesamtwerk fast durchwegs positiv, während die Meinungen zur Endszene verdientermaßen kritisch waren.

Dann, vor einem Jahr, kam die Erleuchtung. Spät, aber immerhin. Die Erkenntnis war einfach, eigentlich banal: Es konnte keinen passenden Schluss geben, weil der Roman noch gar nicht zu Ende gehen sollte!

Die Einsicht war der Funke, der die kreative Zündschnur wieder zum Brennen brachte. Meine Romanfiguren schlichen sich auf Zehenspitzen in mein Zimmer, flüsterten mir ihre Ideen zu, wie es weitergehen sollte. Eine jener Figuren war besonders überzeugend. Michael ‚Die Flamme‘ Coppola, Kredithai und Drogenbaron der Upper West Side, verlangte von mir, ihn von den Toten auferstehen zu lassen. In der Stille der Nacht raunte er mir zu: „Wir sind noch nicht fertig miteinander.“

Es ist unklug, einem psychopathischen Mafioso mit Flammenwerfer-Fetisch zu widersprechen. Und so sitze ich wieder an meinem Laptop und schreibe. Denn die Reise ist nicht zu Ende.

Sie hat eben erst begonnen …

Gewinne das eBook zu „Der Screener Teil 1„!

Wer aktiv beim letzten Schliff mithelfen will, ist herzlich willkommen. Demnächst findet eine Leserunde zum Roman bei LovelyBooks statt, einem der grössten sozialen Büchernetzwerke Deutschlands. Mitmachen ist ganz einfach: schreibt mir auf ypatak@bluewin.ch, und ich lade euch zur Leserunde ein. Ihr bewertet den Thriller (und sucht dabei als Detektive nach Denk- und Schreibfehlern), schreibt eine Rezension, und dafür gibt’s ein Gratis-Buch (eBook oder Taschenbuch, dies entscheidet das Los). 

 

Was genau, Bitteschön, ist ein Künstler? Onkel Google sagt: Ein Künstler ist ein „Mensch, der beruflich im Bereich der Kunst tätig ist, Kunstwerke schafft oder darstellend interpretiert.“ Zu dieser Gilde gehören also zum Beispiel Kunstmaler, Musiker und Schriftsteller.
Aha.
Künstler sind aber auch Menschen, die von ihrer Kunst leben wollen. Oder müssen. Einige sind Ausnahmetalente oder haben Glück oder beides: sie werden entdeckt, haben Erfolg, jede Mange Fans, machen einen Haufen Kohle, und das Leben ist ein Ponyhof.
Die anderen brauchen Marketing.

Wie der Fisch das Fahrrad

Fragt man den typischen Künstler, so braucht er das Marketing wie der Fisch das Fahrrad. Marketing ist für Künstler etwa so genussvoll wie Goethe für Legastheniker, wie Tango für Einbeinige, wie Hängebrücken für Menschen mit Höhenkoller. Denn die meisten Künstler verbringen ihre Zeit am liebsten mit ihrer Kunst, und nicht mit der krampfhaften Suche nach einem Publikum. Aber ohne Publikum wird’s schwierig. Nicht nur, weil die Freude und Anerkennung der Fans und Community das Salz in der Suppe sind, sondern weil man ja von was leben muss. Kein Wunder, dass man unter Taxifahrern und Serviceangestellten eine beeindruckende Schar von brotlosen Künstlern findet.
Doch warum fällt es dem Künstler so schwer, für sich selbst die Werbetrommel zu rühren? Ganz einfach: Künstler sind, pauschal gesagt, selten die geborenen Selbstvermarker.

Marketing – das notwendige Übel?

Nachdem ich mir über die Jahre bewiesen habe, dass ich es mit der Schriftstellerei ernst meine, folgt die Konsequenz auf dem Fuß. Während ich in meine Schreibe bezüglich Stil, Form, Aufbau und anderen Facetten viel Fleiss und Schweiss investiert habe, erkenne ich, dass ich das Marketing sträflich vernachlässigt habe. Okay, das war eine dreiste Untertreibung, euer Ehren: ich habe mich davor versteckt. Mich gedrückt. Bis vor kurzem.

Das Internet und unzählige Fachleute – alles Spezialisten der Buchvermarktung – sind ein Ozean von Meinungen, welchen Kanal man nun strapazieren sollte, um als Schreiberling seine Community zu finden. Facebook, Twitter, Instagram, Blog, Newsletter und vieles mehr … doch welches ist meine Schiene?

Vom Wort zur Stimme

Ein Dreh- und Angelpunkt des Marketings ist es, zu erkennen, was am besten passt. Zu einem selbst und zum Produkt, das man vermarkten will. Was für eine Marketing-Strategie passt denn zu einem Buch? Würde ein perfekt verfilmter Trailer mich dazu motivieren, das Buch zum Trailer zu kaufen, es zu lesen? Ich bezweifle es. Lesen und Filme-Gucken sind verschiedene Planeten mit ganz verschiedenen Bewohnern. Was hingegen zum Buch passen kann, ist die Stimme. (Ich verweise auf meinen Blog Post „Vom Wort zur Stimme.„)

Marketing und Stimme wiederum führen auf direktem Weg zum Radio – einem der coolsten und effektivsten Kanäle für die Präsentation seines Werks. Ich habe die Ehre, dass Radio Rock Antenne meinen Thriller Tödlicher Schatten (gelesen von Bodo Primus) im letzten Quartal 2017 ausstrahlt, weitere Radiostationen haben bereits Interesse bekundet.

Als bekennender Hörbuch-Junkie habe ich solche Freude am Medium Hörbuch, dass ich bereits plane, auch meinen Thriller Ace Driller als Hörbuch vertonen zu lassen. Wenn alles klappt, bereits im Januar 2018.

Medien und Kanäle gibt es also viele – aber jeder Künstler bedenke und analysiere, welches Medium zu seiner Kunst passt!

Fiktive Familie

Es wird wohl wenige SchriftstellerInnen geben, die das Marketing genauso anregend finden wie das eigentliche Schreiben des Romans. Aber der wachsende Kontakt zu einer begeisterten und treuen Leserschaft kann durchaus eine Belohnung in sich sein. Wenn ich mir vorstelle, mit einer Gruppe von verschworenen, mutigen und fantasiebegabten LeserInnen über viele Jahre die geheimen Dimensionen meiner eigenen Fiktion zu ergründen, fühle ich eine wohlige Gänsehaut. Somit danke ich euch allen, die ihr zu mir respektive meinen Büchern gefunden habt. Auf das Risiko hin, schwülstig zu klingen: Ihr seid mehr als eine Marketing-Zielgruppe. Ihr seid meine Mystery-Familie!

Bild: Unsplash

Gewisse Themen muss man einfach strapazieren. Weil sie wichtig sind. Noch Fragen? Ähm – sorry: Vielleicht sollte ich mit dem eigentlichen Thema beginnen. Mit Gorillas. Natürlich könnten es auch Elefanten, Wölfe, Säbelzahntiger oder Teufelsnachtschwalben sein, aber heute sind die Gorillas dran – stellvertretend für den Menschen vor dem Schritt in die Zivilisation. Was das Ganze mit dem Thriller zu tun hat? Kommt gleich!

Konventionen und die Unterdrückung unserer Natur

Der Mensch – witzigerweise Homo Sapiens genannt, also der weise/kluge/gescheite/vernünftige Mensch – hat etwas erschaffen, was wir Zivilisation nennen. Kernpunkte dieser Zivilisation sind zum Beispiel, dass wir uns selbst Regeln auferlegt haben, die unserer Natur voll gegen den Strich gehen. Ob Bibel oder Gesetzestext: wir sollen nicht töten, sollen nicht unseres Nächsten Weib begehren (selbst wenn sie uns zum Pokerabend einlädt), und wir sollen nicht das Gesetz in die eigene Hand nehmen. Wenn uns also einer blöd kommt, uns verbal angreift oder bedroht, muss jeder aggressive Instinkt einem zivilisierten Gespräch weichen, und wenn’s dann nicht anders geht, gehen wir ebenso artig zur Polizei, damit diese sich um den Konflikt kümmert.

Das verbindende Element: wir sollen unsere tierische Natur schlicht unterdrücken und verleugnen. Denn wir sind der Homo Sapiens und haben mit dem niederen Tier, das wir einst wahren, nichts gemeinsam – gar nichts. Vielleicht hat die Bibel ja sogar recht, und wir alle stammen aus der göttlich-inzestuösen Sippe von Adam, Eva, Kain, Abel und Set. Oh Kopfkino, lass ab!

Darwin vs. biblischer Inzest

Betrachtet man jedoch die Evidenz, so kommt zumindest mir die Evolutionstheorie um Welten plausibler vor. Denn rein genetisch sind wir Affen, unterscheiden wir uns doch um weniger als zwei DNA-Prozent von Bonobos und Gorillas . Womit wir wieder beim Thema wären: Was zum Geier haben Gorillas mit Thriller zu tun?

Ganz einfach. Gorillas leben ihre Natur aus. Es geht ihnen, wie uns, ums Überleben, um die Sicherung der Nahrung, um die Fortpflanzung. Nur, dass die Gorillas das Handwerk dazu nicht an Justiz, Polizei, Wirtschaft und Versicherungen delegieren. Das Alpha-Männchen, ein stattlicher Silberrücken, erkämpft sich seine Position, wieder und wieder – bis ein Stärkerer ihn vom Thron schubst. Das einfache Gorillamännchen holt sich sein Weibchen, durch Verführung oder Gewalt sei dahingestellt, und kümmert sich nicht darum, ob jenes Weibchen schon einem anderen gehört. Und auch bei der Nahrungsbeschaffung gilt: der Schnellere ist der Geschwindere.

Darwin vs. biblischem Inzest

Photo by Vincent van Zalinge on Unsplash

In diesem Gorilla-Leben sind Konflikte an der Tagesordnung, Kampf und Gefahr – der Thrill – gehören zum Alltag. Und vielleicht liegt hier der Hund begraben: Wir Menschen – und ich spreche in erster Linie von den Stadtmenschen sozial privilegierter Länder –  haben den Lebenskampf wegrationalisiert, respektive in den virtuellen Raum verschoben. Statt sich die Alpha-Position mit nackten Fäusten zu erkämpfen, verbringen wir zwölf Stunden täglich in einem Grossraumbüro vor einem Flachbildschirm, in Anzug und Krawatte (wobei letztere zwei Attribute auf Rang, Lohn und Penislänge hinweisen). Und selbst wenn unser narzisstischer, schikanierender Boss ein dicklicher Brillenträger mit Asthma ist, dürfen wir ihn nicht aus dem Weg prügeln oder zum Duell herausfordern. Nein, wir unterdrücken jeden Anflug von Frust und Aggression und spielen weiter, gemäss jenen Homo Sapiens-Spielregeln, die uns Magengeschwüre, Migräne und den Herzinfarkt bescheren.

Globale Heuchelei

Auch ausserhalb des Geschäfts strampeln wir im Spinnennetz jener Gesetze, die wir uns selbst eingebrockt haben – Gesetze, die direkt mit unserer tierischen Natur kollidieren. Wir haben von den Eltern und der Gesellschaft gelernt, dass es gut ist, gut zu sein; dass es richtig ist, keine Gewalt anzuwenden und auch die andere Wange hinzuhalten. Wenn uns bei einer Kampfscheidung die Mordlust überkommt, legt uns der Anwalt kopfschüttelnd die Hand auf die Schulter und erinnert uns daran, dass es zwanzig Jahre Knast dafür gibt, dem Impuls – dem im Tierreich völlig natürlichen, überlebensnotwendigen Impuls – des Tötens nachzugeben.

Doch nun folgt das Paradoxe: Obwohl ein Teil unserer Selbst sich so gerne als liebevollen Gutmenschen sieht, glaubt ein anderer, atavistischer Teil diesen Blödsinn nicht einmal im Ansatz. Und vielleicht ist es genau jener wilde Teil, der sich unaufhaltsam durch die Maschen unseres „Wir sind doch keine Tiere!“-Mantras beisst. Jener Teil, der uns dazu bringt, uns täglich die Tagesschau mit ihren tausend Schrecken reinzuziehen. Thriller zu lesen, bei denen es einem kalt über das Rückgrat läuft. Videospiele zu spielen, bei denen Blut und Hirnmasse durch die Gegend spritzt. Interessanterweise sind die wahren Renner unter den Video-Games stets Gewaltspiele, gut 70% aller Spiele gehören zu dieser Kategorie.

All dies weist darauf hin, dass wir uns in eine globale Heuchelei manövriert haben. Einerseits haben die meisten von uns die Fähigkeit zu Liebe und Empathie (wie Gorillas und andere Säugetiere übrigens auch). Gleichzeitig ist da auch die andere Seite. Die unerbittliche „Kampf-oder-Flucht“-Seite, die wir mit solcher Inbrunst verdrängen – schliesslich wollen wir nicht wie die Tiere sein, um Gottes Willen!

Feigheit und Projektion

Wir sind zu „gut“ und gleichzeitig zu feige geworden, Abenteuer zu erleben. Wir delegieren und projizieren diese auf die fiktiven Welten eines James Bond, Harry Potter oder Jack Sparrow, auf Computerspiele und Virtual Reality. Wir unterdrücken unsere tierischen Instinkte mit solcher Vehemenz, dass das Bedürfnis nach seelischen Druckventilen enorm geworden ist. Womit wir wieder beim Thriller im weitesten Sinn wären.

Virtuelle Welt

Photo: Glenn Carsten Peters – Unsplash

Der Mensch sucht den Thrill. Braucht den Nervenkitzel. Vielleicht, weil wir eben doch Tiere sind und den wahren Lebenskampf vermissen. Vielleicht, weil wir das Fight-of-Flight-Leben während Jahrtausenden eingeübt haben und es uns nun tief in den Genen steckt. Wenn also wieder einmal ein netter Zeitgenosse, ein christlicher Weltverbesserer mit hoher Moral und Ethik, das „Böse“ und die Gewalt in Buch und Film kritisiert, mag er darüber nachdenken, ob ohne jene Ventile vielleicht bald wieder tierische Verhältnisse auf der Welt herrschen würden.

Was vielleicht nicht das Schlechteste wäre …

Bücher sind alles andere als reiner Zeitvertreib und Futter fürs Gehirn, denn Bücher stecken voller Worte, und Worte sind mächtig – mächtiger als den meisten bewusst ist. Bei Fachbüchern sind sich die Leser über die Macht der Worte einig, dass sie etwas in uns bewirken, uns weiterbringen, während sich bei Fiktion die Gemüter scheiden. Zu Unrecht. Denn die Sprache ist etwas vom Einflussreichsten, was unserer Evolutionsküche entsprungen ist, und sie bewirkt Unglaubliches, wenn man sie einzusetzen weiss – ganz egal, wo.

Im Anfang war das Wort

Nicht ganz zufällig gebührt dem Wort in der Bibel ein Ehrenplatz, heisst es doch im Johannesevangelium:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. (…) In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen.

„Das Licht scheint in der Finsternis.“ … Hmm!

Ich gebe zu, als eingefleischter Agnostiker habe ich mich noch nie so wirklich dem Bibelstudium hingegeben, aber dieser Satz lässt es in mir als Thrillerautor kribbeln.

„Das Licht scheint in der Finsternis.“

Wasser auf meine Mühlen, vertrete ich doch die Meinung, dass auch das Düstere, das Gruselige, uns irgendwie weiterbringen kann. Dass der Thriller, der Krimi, die Gothic Fiction, ein (einigermassen) sicherer Weg ist, unseren eigenen Ängsten zu begegnen – und sie durch Konfrontationstherapie aufzulösen.

Die Macht der Worte

Worte können magisch wirken – ob gesprochen oder gelesen. Sie können kreieren oder zerstören, können liebevoll gesprochen werden wie von einer Mutter, die ihrem Kind ein Märchen vorliest, oder mit der vernichtenden Gewalt eines Adolf Hitler. Worte sind unsere Begleiter und Führer, wenn wir uns auf die Reise nach innen begeben. Der Lichtkegel in der Dunkelheit.

Bücher als Heilmittel

Wussten Sie, dass es in der Psychotherapie den Begriff der Bibliotherapie gibt? Oh ja: Bücher werden gezielt als Heilmittel eingesetzt, als Katalysator, der beeindruckende Seelenprozesse in Gang setzen kann.
Doch es wird noch überraschender: Offenbar helfen düstere Geschichten – also Krimis, Thriller, Gruselgeschichten – sogar bei Depressionen, obwohl man ja eher das Gegenteil vermuten würde. Wie es dazu kommt, lesen Sie im folgenden Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen: Heilende Worte.

 

»Lass sie los, du Schwein!« knurrt Hugh. Ungeachtet der auf ihn gerichteten Pistole steht er auf und macht einen raschen Schritt auf seine Tochter zu. Blitzschnell dreht sich Coppola um die eigene Achse und verpasst dem Arzt einen Tritt in den Magen. Mit einem erstickten Schnauben sackt Hugh zusammen. Gemütlich lehnt sich Coppola gegen die Wand und verschränkt die Arme, den Lauf der Pistole an seiner Schulter.

»Und nun, Dottore, erzählen Sie mir von Ihrem Freund Desmond Parker. Von seinem … Talent.«

Schwer atmend rappelt Hugh Flint sich auf. Sein Blick irrt zwischen seiner Frau und seiner Tochter hin und her.

»Sie Hundesohn …«

»Dottore, bitte. Erzählen Sie mir alles aus freien Stücken. Bevor mich die Lust überkommt, jemandem weh zu tun.«

Michael Coppola, Die Flamme, Mafioso. Soziopath, Der Screener

Und nie hört man ihn kommen …

Michael „Die Flamme“ Coppola, der Bösewicht aus meinem Thriller „Der Screener“, kommt immer dann, wen man ihn nicht erwartet. Und nie hört man ihn kommen. Er ist der Fremde, den man zu kennen glaubt, und der einen immer wieder überrascht.

In meinem Leben ist er zu einem meiner „Rumpelstilzchen“ geworden. In tiefster Nacht tanzt er um mich herum, provoziert mich, grinst mich an. Dabei frage ich mich, ob er tief in der Seele ein Mephisto ist, „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Nun ja, nicht, dass das Töten und Foltern unschuldiger Menschen auf den ersten Blick etwas Gutes ist. Aber im Roman katalysiert dies die Entwicklung der „Guten“, hilft ihnen, über sich selbst hinauszuwachsen.

Ich habe schon einmal versucht, Coppola sterben zu lassen. Der Anschlag missglückte. Der Mafioso aus der Upper West Side ist von den Toten zurückgekehrt. Und wie es aussieht, ist er mit mir noch lange nicht fertig.

Nervenkitzel! In der Verkaufsstatistik von Büchern liegt der Thriller meist weit vorne an der Spitze. Ein Genre, bei dem es in der Regel um schreckliche Dinge geht. Um gefährliche Dinge. Mord, Totschlag, Betrug, Intrigen, Verschwörungen. Alles, was unseren Puls und Blutdruck in die Höhe treibt,  Adrenalin in unsere Gefäße jagt und uns dazu bringt, abends nochmals zu prüfen, ob das Türschloss verriegelt ist, niemand unter unserem Bett liegt und keine seltsamen Geräusche aus dem Keller kommen. So wie man dem Vampir die Tür öffnen muss, laden wir den Nervenkitzel in unser Leben ein.

Nervenkitzel: warum zum Teufel suchen wir das Grauen?

Mit Sicherheit wissen können wir es nicht. Meine persönliche Theorie führt uns in die Vergangenheit: in unsere Entwicklungsgeschichte, zur Evolution des Menschen.

Bis vor Kurzem – also bis vor etwa 500.000 Jahren – gab es für uns Menschen nur einen Job: Überleben. (Wusstest du übrigens, dass wir Menschen zur Untergattung der Trockennasenprimaten und zur Familie der Menschaffen gehören?). Um zu überleben, mussten wir lernen, Gefahren zu erkennen, und zwar schnell. Dinge wie Liebe, romantische Sonnenuntergänge und hübsche Blumen waren fürs Überleben nicht wichtig, weshalb sich unser Gehirn unermüdlich auf potentielle Gefahren konzentrierte.

Säbelzahntiger versus Sonnenuntergang

Szenenwechsel: Eine Gruppe von Höhlenmenschen sitzt ums Lagerfeuer, kaut an Mammutknochen herum oder glotzt stumpf vor sich hin. Plötzlich rennt Ntuc herbei und ruft „Hey, wunderschöner Sonnenuntergang, alle mal raus!“ Die Höhlenbewohner gaffen ihn verständnislos an. Was zum Geier sollte an einem Sonnenuntergang so prickelnd sein, dass man dafür die warme Höhle verlässt?

Doch ein paar Tage später stolpert Ntuc nochmals in die Höhe und brüllt: „Säbelzahntiger!“ Zehn Sekunden später sind alle Höhlenmenschen auf den Bäumen.

Gefahr: Die Mutter aller Reize

Es ist offensichtlich: Das Gefährliche weckt unsere Aufmerksamkeit. Denn während der Sonnenuntergang oder eine hübsche Alpenrose kaum je über Leben und Tod entscheidet, geht uns der Säbelzahntiger an die Eingeweide. Unser Hirn lernte über die Jahrtausende, die Gefahr – neben der Fortpflanzung – als wichtigsten Stimulus einzustufen.Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Smoke Demon Nervenkitzel

Nun hat sich der Mensch und sein Umfeld seit der Höhle dramatisch verändert. Die meisten der früheren Gefahren gibt’s fast gar nicht mehr oder nur in stark verdünnter Version. Säbelzahntiger und Höhlenbären sind ausgestorben, gegen Bakterien gibt’s Antibiotika, gegen Frostbeulen Minergie-Häuser mit Bodenheizung.  Doch nun geschieht das Paradoxe: statt unsere neu gefundene Sicherheit so richtig zu genießen, suchen wir die Gefahr – oder mit dem Nervenkitzel eine Prise davon. Wir lesen Krimis. Ziehen uns Action-Flicks und Horrorfilme rein. Machen Bungee-Jumping, gehen Segelfliegen, frönen dem ungeschützten One-Night-Stand oder fahren Motorrad, möglichst ohne Helm.

Fast scheint es, als hätte sich unser Gehirn als Gefahrendetektor so weit spezialisiert, dass es ohne den Thrill der Gefahr nicht mehr auskommt, förmlich danach lechzt. Ich jedenfalls bekomme einen mächtigen Kick von der fiktiven Gefahr – als Schreibender, als Leser wie auch als Film-Konsument. Und ja, ich glaube immer noch daran, dass neben der etwas perversen Suche (oder Sucht?) nach der Gefahr auch ein therapeutischer Teil dahintersteckt: Wer den Nervenkitzel sucht, konfrontiert seine Ängste. Ob er sie dabei nur anfeuert oder wirklich verdaut, darüber streiten sich die Gemüter.

Lasst uns also abstimmen: Wer glaubt, dass der Thrill das Salz in der Suppe des Lebens ist, der poste einen Kommentar. Und jeder, der anders denkt, natürlich auch … auf eigene Gefahr!

 

„Dämonen existieren. Basta.“

Es grenzt an Besessenheit, aber dieser Mystery Thriller verlangte einfach danach, geschrieben zu werden. Schrägerweise liegt der Ursprung nicht zuletzt in meiner Tätigkeit als Arzt und psychologischer Berater. Gewisse psychische Störungen, die ich in der Praxis sehe, zeigen Aspekte dessen, was man im Mittelalter Besessenheit genannt hätte. Die moderne Medizin und der Zeitgeist lehren uns natürlich, dass Dämonen und Besessenheit Mumpitz und Aberglaube sind, Gott sei Dank …

Doch wissen wir das wirklich? Es gibt keine Beweise, dass es Dämonen gibt. Ebensowenig, dass es sie nicht gibt. „Absence of evidence is no evidence of absence“, wie man wissenschaftlich-trocken bemerken darf.

Also … was wäre, wenn es diese fiesen, meist unsichtbaren Monster tatsächlich gäbe? Wenn wir bloss verlernt hätten, sie zu erkennen, weil wir lieber an fehlgeleitete Neurotransmitter und Ähnliches glauben? Wer von uns hat sich denn noch nie geirrt? Und gibt es nicht gar Menschen, die ihren Irrtümern zum Opfer fallen …?

Damit war der Pakt besiegelt. Der Roman Ace Driller musste geschrieben werden, drängte mich dazu, Türen zu öffnen, hinter denen Dinge lauern, denen wir nicht begegnen möchten. Der Roman ist vollendet, soll nun in die Welt hinaus – aber in kleinen Portionen. Um meine geschätzten LeserInnen langsam auf das Unsagbare vorzubereiten. Denn zu viel auf einmal kann traumatisch sein. Verstörend. Deshalb erscheint ACE DRILLER vorerst exklusiv als Kindle-Serial in sechs Bänden.

Weltbild … was für ein Weltbild?

Mein Tipp: Genieße dein bisheriges Weltbild. Nur noch ein paar Tage. Glaube fest daran, dass die Erde im Wesentlichen ein guter Ort ist. Halte an deinen Illusionen fest. Denn schon sehr bald werden diese in ihren Grundfesten erschüttert.

Ace Driller Prometheus-Gen Dämonen MAD-Liga Yves Patak Mystery Thriller

Keine Sorge, du bist nicht allein. Auch Ace Driller, die Hauptfigur des Romans, muss erstmal tief durchatmen. Dem taffen Ex-Cop aus Brooklyn vergehen nämlich Sehen und Hören, als er hinter die Kulisse der vermeintlich normalen Welt sieht. Als er erkennen muss, dass nichts ist, wie es scheint – und dass hinter dem dünnen Schleier der sogenannten Realität Monster lauern.

„Dämonen … seriously?!“

Lass dich ein auf eine Reise nach New York City, nach Rom, in das Schweizer Gebirge und in die Schattenwelten dahinter. Vergiss alles, was du zu wissen glaubtest. Denn du liegst falsch.

Die Zeit der heilen Welt ist vorbei.

Willkommen auf der anderen Seite …

ACE DRILLER