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Dr. Pataks Patienten-Knigge

Die ultimative Gebrauchsanweisung für Patienten, die wissen, was ihnen zusteht.

Vorwort

Sie kennen es, das primadonnenhafte Gehabe jener Ärzte, die versäumt haben, dass das Zeitalter der ‚Halbgötter in Weiß‘ so tot ist wie der Dodo. Doch die Zeiten der akademischen Arroganz und des fetten Geldbeutels ist für die Kurpfuscher vorbei. Der moderne Patient kennt seine Rechte und sollte nicht davor zurückscheuen, diese auf Biegen und Brechen einzufordern. Wie das geht, erfahren Sie hier:

 

  • Wechseln Sie so oft wie möglich den Hausarzt und Ihre Spezialisten. Vertrauensverhältnis hin oder her, auch Bankexperten empfehlen schließlich eine Risikoverteilung. Statistisch gesehen senken Sie damit das nicht unerhebliche Risiko, jahrelang von ein und demselben Quacksalber falsch behandelt zu werden.

 

  • Bringen Sie Stimmung ins Wartezimmer. Erzählen Sie den anderen Patienten lauthals von den Patzern Ihres Arztes und wie oft Sie ihn bereits hätten verklagen kö

 

  • Kommen Sie auf keinen Fall pünktlich zum vereinbarten Termin. Ärzte lassen einen ohnehin immer warten, warum sollten Sie nicht das gleiche Recht in Anspruch nehmen?

 

  • Sparen Sie sich die Mühe, frisch geduscht und in sauberer Kleidung zum Termin zu erscheinen. Ärzte sind, was Körpergerüche betrifft, sowieso abgestumpft. Zudem bringt die individuelle Note unserer Körperflüssigkeiten (Achselschweiß, Mundgeruch etc.) genauso wie Klamotten, die nach Dönerbude miefen, etwas Abwechslung in den sterilen Praxisalltag, was die Ärzte schätzen. Übermäßige Reinlichkeit könnte bei Ihrem Arzt zudem den Verdacht aufbringen, dass Sie an einer Sauberkeits-Neurose leiden.

 

  • Plagen Sie sich um Gottes Willen nicht mit den komplizierten Namen Ihrer Pillen und Tabletten herum! Beschreibungen wie „die kleine, weiße, runde“ reichen, um Ihrem Arzt einen groben Überblick Ihrer Medikamente zu vermitteln. Wenn ihm solche Angaben nicht reichen, sollten Sie unbedingt seine Kompetenz in Frage stellen. Schließlich ist er der Arzt, nicht Sie!

 

  • Unterbrechen Sie Ihren Arzt, sooft Sie können: Sie riskieren sonst, dass er sich in endlose Reden ergießt und Sie mit medizinischem Fachjargon zu Tode quasselt. Und dies auf Ihre Kosten!

 

  • Egal, wofür Sie einen Termin verlangen, vergessen Sie nie: Sie sind ein Notfall! Ob Sie seit einer Woche an einer einseitig verstopften Nase oder seit fünf Jahren an einer Warze leiden: Sie haben ein Recht darauf, dass man Sie ernst nimmt und sich sofort um Sie kümmert!

 

  • Misstrauen Sie grundsätzlich jeder Diagnose, die Ihr Arzt stellt: statistisch gesehen finden Sie auf Google jederzeit 1000 alternative Diagnosen, und schließlich hat Google eine Trillion mal mehr Wissen gespeichert als jeder Arzt.

 

  • Zeigen Sie Ihrem Arzt, dass Sie ihm dank Internet und Gesundheits-Magazinen jederzeit das Wasser reichen können, was medizinisches Wissen betrifft. Lassen Sie ihn spüren, dass seine Diplome Sie nicht beeindrucken und Sie ihm mit gesunder Skepsis gegenübersitzen. Nur so wird er sich wirklich Mühe geben.

 

  • Auch wenn Sie nur einen viertelstündigen Termin gebucht haben, erzählen Sie Ihrem Arzt unbedingt aus Ihrem Privatleben. Selbst wenn er gestresst erscheint und ständig auf die Uhr schaut – in Wahrheit bereichert es seinen farblosen Ärzte-Alltag, wenn Sie ihm von Ihrem Papagei, Ihrer Tante Adelgund und von Ihrem letzten Urlaub auf Sylt erzählen. Würzen Sie das Gespräch mit Flachwitzen und Anekdoten, und Ihr Arzt wird Sie bald zu seinem Lieblingspatienten ernennen.

 

  • Falls Sie kleine Kinder haben, nehmen Sie diese in die Praxis mit. Sowohl Ihre Mitpatienten im Wartezimmer wie auch Ihr Arzt haben stets Spaß an einem kleinen Dschingis Khan, der das Wartezimmer aufmischt, oder an einer niedlichen Heulboje, die die kühle Praxis-Stille mit etwas Lebendigkeit durchbricht.

 

  • Zahlen Sie Ihre Rechnung nicht zu früh. Lassen Sie sich stets ein paar Monate Zeit, um zu prüfen, ob die Therapie Ihres Arztes wirklich nachhaltig ist. Erst, wenn Sie mindestens drei bis sechs Monate nach der Behandlung immer noch gesund und in Topform sind, ist Ihr Arzt sein (sowieso überrissenes) Honorar

 

  • Falls Sie zu jenen Damen reiferen Alters gehören, die vierzehn Schichten Kleider und Unterwäsche tragen, schämen Sie sich nicht, wenn es eben ein wenig länger dauert, bis Ihr Arzt Sie endlich untersuchen kann: schließlich gehört gegen den Nordwind isolierende Kleidung zur Gesundheitsprophylaxe und ein Korsett zum Kulturerbe. Zudem bringen all die Textilien etwas Farbe in das von klinischem Weiß geprägte Leben Ihres Arztes.

 

  • Falls Sie schwerhörig sind, machen Sie sich keine Gedanken, wenn Sie Ihr Hörgerät nicht zur Konsultation mitnehmen mö Schließlich tut es der Stimme Ihres Arztes gut, wenn er diese zwischendurch bis zur Grenze ausreizen muss.

 

  • Erzählen Sie Ihrem Arzt, wie viele „echte Spezialisten“, Naturheilpraktiker und Wunderheiler Sie regelmäßig konsultieren. Machen Sie ihm klar, dass Sie ein medizinischer Profi und kein blutiger Anfänger im Gesundheits-Business sind. Das Wissen um die Konkurrenz wird Ihren Arzt erst zu Höchstleistungen anstacheln!

 

  • Scheuen Sie sich nicht, vor Ihrem Arzt röchelnd in die Hand zu husten und ihm diese danach zum Abschied zu reichen. Auch Ärzte müssen Ihr Immunsystem trainieren und zudem lernen, ihren Ekel zu überwinden. Geben Sie ihm dazu Gelegenheit.

 

  • Zeigen Sie Zivilcourage. Kommunizieren Sie Ihrem Arzt klipp und klar, in welchen Fällen er Sie nicht optimal behandelt oder gar völlig versagt hat. Lob sollten Sie meiden, weil Ihr Arzt dadurch arrogant und berufsblind werden kö Vor allem bei chronischen Krankheiten ist es sinnvoll, ihn regelmäßig daran zu erinnern, wie enttäuscht Sie sind, dass er es nicht schafft, Sie zu heilen.

 

  • Vorsicht: viele Ärzte verstecken Ihre Inkompetenz hinter Binsenwahrheiten und abgedroschenen Ratschlägen. Wenn Ihr Arzt Ihnen z.B. rät, weniger zu Rauchen und mehr Sport zu treiben, bedeutet dies im Klartext nur, dass er keine Ahnung hat, wie man eine chronische Raucherlunge erfolgreich behandelt. Suchen Sie sich unverzüglich einen neuen Hausarzt.

 

  • Achten Sie auf das Auto, das Ihr Arzt fährt. Die Faustregel lautet: der Wagen Ihres Arztes darf weder zu günstig noch zu teuer sein. Ärzte, die einen Smart, Fiat Panda oder Skoda fahren, tun dies notgedrungen, weil sie medizinische Nieten sind und ihnen die Patienten davonlaufen. Ärzte hingegen, die einen Ferrari, Bugatti oder Tesla fahren, sind skrupellose Abzocker und Halsabschneider. Mit Volvo und VW sollten Sie einigermaßen richtig liegen.

 

  • Achten Sie darauf, ob Ihr Arzt eine Fahne hat. Wie die Boulevardpresse immer wieder betont, sind beunruhigend viele Ärzte Alkoholiker. Ärzte ohne Alkoholausdünstung hingegen gehören oft in die Gruppe der Tablettensüchtigen.

 

  • Auch die Mimik Ihres Arztes sagt viel über ihn aus. Wenn er Ihnen kaum in die Augen schaut, dafür ständig Notizen macht, interessiert er sich eventuell gar nicht richtig für Ihre Krankheit, sondern nur für sein Honorar. Wenn er Ihnen andererseits ständig in die Augen starrt, könnte das eine plumpe Form der Anmache sein. Viele Ärzte sind notorische Schürzenjäger, die sich keinen Deut um Ethik scheren. Eine vorsorgliche Klage kann nie schaden.

 

  • Achten Sie auf die Vergabe von Terminen. Ärzte, die Sie nach jeder Konsultation zu einem Kontrolltermin nötigen, haben es in erster Linie auf Ihre Brieftasche abgesehen und melken Sie wie eine Kuh. Das andere Extrem sind diejenigen Ärzte, die nicht spontan auf die Idee kommen, Ihnen einen Folgetermin zu offerieren. Diesen Quacksalbern sind Sie und Ihre Gesundheit schlichtweg egal, also schnell den Arzt wechseln!

 

  • Die meisten Ärzte beginnen die Konsultation mit Floskeln im Stil von „Wie geht es Ihnen?“ Erzählen Sie Ihrem Arzt, dass Sie seit fünf Minuten vernichtende Schmerzen in der Brust verspüren, oder dass Sie einen Amoklauf mit anschließendem Selbstmord planen. Nur so finden Sie heraus, ob er Ihnen überhaupt richtig zuhö

 

  • Prüfen Sie das Trivial-Wissen Ihres Arztes! Weiß er zum Beispiel, was Morgellons sind? Kann er Ihnen garantieren, dass Ihr juckender Ausschlag wirklich etwas Harmloses ist und nicht ein heimtückischer Befall durch parasitische, außerirdische Fasern, deren Existenz die Ärzteschaft stur verleugnet?

 

  • Selbstschutz geht vor: Analysieren Sie den Charakter Ihres Arztes, indem Sie ihn stalken. Verfolgen Sie ihn, wenn er mit der Familie in den Park geht, spionieren Sie ihn über Facebook und Instagram aus, befragen Sie die anderen Patienten im Warteraum. Wer sagt, dass Ihr Arzt kein wahnsinniger Axtmörder ist? Stirnfalten, eine Hornbrille und ein gruseliges Dauerlächeln können auf Sadismus hindeuten. Denken Sie daran, Josef Mengele war auch Arzt.

 

  • Bevor Ihr Arzt Ihnen eine Spritze oder eine ähnlich gefährliche Therapie zumutet, tun Sie gut daran, ihn an die Genfer Konventionen zu erinnern, die klar besagen, dass jede Art von willkürlicher Folterung eine Straftat ist und durch den obersten Gerichtshof in Den Haag geahndet werden kann.

 

  • Achten Sie auf geheime Flirt-Zeichen zwischen Ihrem Arzt und seiner Sprechstundenhilfe. Sobald Sie deutliche Hinweise auf eine außereheliche Beziehung finden, haben Sie ein ausgezeichnetes Druckmittel in der Hand, um sich beim Herrn Doktor für alle Zeiten eine VIP-Behandlung zu sichern. Benutzen Sie Ihre Handy-Kamera, um kompromittierendes Material zu sammeln.

(YP – 2020)

 

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Wer sich ‚ganzheitlicher (oder holistischer) Lebensberater‘ nennt, nimmt ein grosses Wort in den Mund. Ich sehe diese Bezeichnung nicht als Werbe-Klischee, sondern als Versprechen an meine KlientInnen, in schwierigen und ‚hoffnungslosen‘ Fällen auch mal über den Tellerrand zu schauen und Ansätze auszuprobieren, die auf einen ersten Blick exotisch oder gar gefährlich wirken mögen.

LSD-Therapie

Eine dieser neuen Schienen ist die LSD-Therapie. Ja, richtig gelesen: Therapie. Die meisten kennen LSD aus der Hippie-Bewegung, wo die Droge (die eigentlich vor 75 Jahren als Medikament konzipiert worden war) massiv verteufelt wurde – wahrscheinlich nicht zuletzt aus politischen Gründen, weil die Flower-Power-Blumenkinder eine unwillkommene Schar von (Vietnam-)Kriegsgegnern waren.

Und ja, LSD ist nicht ohne: wie jedes Medikament hat es durchaus auch mögliche Nebenwirkungen.

Grosses Potenzial

Dennoch sind wir Schweizer momentan Vorreiter beim Versuch, das Medikament LSD als Therapeutikum endlich zu etablieren, denn offenbar hat es das Potenzial, Menschen mit Depressionen zu helfen – Menschen, die schon alles versucht haben und oft nur noch den Suizid als Ausweg sehen.  

LSD ist kein Wundermittel, das Depressionen oder Angst/Panikstörungen einfach wegwischt: Es ist viel mehr ein Katalysator, der eine Psychotherapie massiv vertiefen und nachhaltigere Veränderungen im Gehirn fördern kann. LSD und Psychotherapie gehören also zusammen. 

Nachdem ich nun eine Sondergenehmigung des BAG erhalten habe, habe ich in Zusammenarbeit mit Dr. Peter Gasser (einem der hocherfahrenen LSD-Pioniere) und Professor Mathias Liechti von der SÄPT) bereits mit meinen ersten Therapieversuchen begonnen – und diese sind vielversprechend. 

Wenn alles gut läuft, kann ich schon demnächst hier im Patak Blog über erste Erfahrungen berichten.  

Mein erstes Fazit hier schon mal im Voraus:

  1. Manchmal muss man die eigenen Scheuklappen abwerfen und Grenzen sprengen, um das Unwahrscheinliche zu erreichen.
  2. Vorurteile – sogar gegenüber Drogen – können auch Stolpersteine sein.
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