„Ich glaube.“

Ein geläufiger und ziemlich alltäglicher Satz, wenn ich sage, „ich glaube, wir haben keine Milch mehr im Kühlschrank.“
Doch sobald der Satz im Zusammenhang mit Religiosität steht, mit irgendeinem Gottesglauben, so wird er zum heiligen Satz, zum magischen Satz — und, wie mir scheint, zum Persilschein für jede Stumpfsinnigkeit, die uns in den (Un-)Sinn kommt.

Ich liebe angeregte Streit- und Grundsatzgespräche, solange die Argumente stark sind. Doch sobald jemand mit dem Holzhammer des „ich weiß!“ (= „ich glaube“) zuschlägt, kriege ich Zustände. Oder muss mich auf meine philosophische Ader zurückbesinnen, die da murmelt …

 

Vor 500’000 Jahren kannten wir nur einen Job, und der hieß Überleben. Gott, war das ein stressbefreites Leben, damals in der Höhle! Damals gab und brauchte es noch keine heiligen Schlagwörter wie Fokus, Zen, Achtsamkeitstraining und dergleichen.
Doch der Zeitgeist hat einiges verändert. Heute geht es hauptsächlich um Leistung und Profilierung, weil sonst unser liebes Ego daherkommt und uns einredet, dass wir kleine, wertlose, ungeliebte Würstchen sind, und das kommt nun gar nicht in die Tüte. Dabei gäbe es in unserer zivilisierten Gesellschaft, seit wir den Säbelzahntiger und andere spitzzahnige Bestien ausgemerzt haben, tausend mal weniger reale Gefahren als in der Steinzeit – der grösste Teil unserer Ängste ist reine Fiktion.

Doch es kommt noch schlimmer. Nicht nur der Beruf, auch die Partnersuche ist inzwischen leistungsdominiert, und die ausgelutschte Weisheit „sei einfach du selbst“ ist zur Lippenbekenntnis verkümmert. De facto müssen wir cool sein, smart, schnell, charmant, fit, schön, faszinierend, und natürlich brauchen wir das passende Tattoo zum passenden Mercedes.

Multitasking

Leben ist also Leistung. Um etwas zu leisten, müssen wir fokussiert sein. Und hier stolpern wir über die eigenen Füße, nämlich über den verflixten Zeitgeist — denn wir leben im Zeitalter der 1001 Fokusse, in einer Welt der ultimativen Verzettelung, auf Neudeutsch Multitasking.

Dass Multitasking dem Menschen weder liegt noch gut tut, ist längst erwiesen. Diejenigen, die sich auf ihr Hansdampf-in-allen-Gassen-Talent immer noch etwas einbilden, sind hoffnungslose Realitätsflüchtlinge, die sich mit koffeinzittrigen Fingern den eigenen Ast absägen.

Fokus = Zufriedenheit

Fokus heißt das Schlüsselwort, und diesen verschollenen Schatz gilt es zu suchen und – falls wir ihn finden – wie ein Heiligtum zu schützen. Denn er entscheidet nicht nur über unsere Leistungsfähigkeit, sondern auch über unsere längerfristige Zufriedenheit im Leben.
Anbei ein Artikel von Harry Groenert, der es auf den Punkt bringt:
Fokus.

Als Schriftsteller und Hypnosetherapeut bin ich dem Wort sehr nahe, es ist mein Hauptarbeitsinstrument. Für die einen sind Worte Schall und Rauch, für die anderen reine Magie. Interessanterweise steht in der Bibel „Am Anfang war das Wort“ – ein Satz, den ich in der Online-Lutherbibel gleich unter dem Titel „Das Wort ward Fleisch“ fand. Eine Metapher, die darauf hindeutet, dass Worte alles andere als nur Schall sind, sondern eine Energieform, die durchaus ins Physische (ins „Fleisch“) übergreifen kann.

Das Wort als Energieform?

Wie mächtig Worte sein können – im Positiven wie im Negativen, beim Schöpfen wie beim Vernichten – ist inzwischen längst wissenschaftlich bewiesen. Was die Placebo– und Nocebostudien schon lange zeigen, wird hier durch eine weitere Studie belegt.

Ein Sprichwort besagt: „Worte sind gratis. Nur ihre Anwendung könnten dich einiges kosten“ …

Lesen Sie folgende Zeilen dazu: Wort

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