„Ich glaube.“

Ein geläufiger und ziemlich alltäglicher Satz, wenn ich sage, „ich glaube, wir haben keine Milch mehr im Kühlschrank.“
Doch sobald der Satz im Zusammenhang mit Religiosität steht, mit irgendeinem Gottesglauben, so wird er zum heiligen Satz, zum magischen Satz — und, wie mir scheint, zum Persilschein für jede Stumpfsinnigkeit, die uns in den (Un-)Sinn kommt.

Ich liebe angeregte Streit- und Grundsatzgespräche, solange die Argumente stark sind. Doch sobald jemand mit dem Holzhammer des „ich weiß!“ (= „ich glaube“) zuschlägt, kriege ich Zustände. Oder muss mich auf meine philosophische Ader zurückbesinnen, die da murmelt …

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„Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie brabbeln.“

Dabei vergisst man leicht, dass Glaube und Religion zwei völlig verschiedene Planeten sind. Der Glaube ist zwangsläufig: wir können gar nicht nicht glauben. Denn selbst der Atheist ist ein Gläubiger, indem er glaubt, dass es keinen Gott gibt. Und auch wenn Nietzsche meinte, Gott sei tot, gibt es keine wahren Beweise für seine Existenz oder Nicht-Existenz.

Und jetzt kommt es faustdick. Denn das menschliche Ego betritt die Bühne, jener Klabautermann, der in meiner Phantasie stets in einem Fashing-Teufelskostüm auf der Schulter des Menschen sitzt und ihm Drama einredet. Dieser Ego-Teufel ist ein cleveres Bürschchen: Er kidnappt den Glauben und legt ihm die Fesseln der Religion an. Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Pataks Schatzkiste Louis CyphreDie Fesseln sind oft so übertrieben dick, dass man vom Glauben — dem positiven, nützlichen, ressourcenvollen Glauben — kaum noch etwas sieht. Dafür kriegt man den Stacheldraht der Glaubenssätze zu spüren, die Dornenkrone des Dogmatismus, die Stahlketten des Fanatismus. Igitt!

In Angel Heart, einem meiner Lieblingsfilme, gibt es eine unvergessliche Szene: Robert De Niro, in der Rolle des Teufels, sitzt seelenruhig in der Kirche und sagt: „Es gibt auf der Welt gerade genug Religion, um die Menschen sich hassen zu lassen, doch nicht genug, damit sie sich lieben.“
True, bro, true …

Wir können also nicht nicht glauben. Okay. Was wir aber können ist, unseren Glauben zu hinterfragen. Analysieren, ob er uns wirklich nützt — oder gar schadet. Uns und den anderen. Dieses Hinterfragen ist eine Technik, die weit über religiöse Themen hinausreicht. Sie berührt unsere globale Zufriedenheit auf diesem Planeten. Hart, aber wahr: wer nicht hinterfragt, bekennt sich zu Stur- und Dummheit. Was zur Frage führt, ob die große Seuche der Menschheit nun das Ego ist oder die Tatsache, dass wir eben doch nicht so gescheit sind, wie wir immer zu sein hoffen. Schon Einstein sagte: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit — aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

High five, Al.

Als Arzt habe ich mich tausendmal gefragt, warum eine Religion einem das Recht gibt, als (theoretisch) geistig gesunder Mensch an übernatürliche Mächte, an einen oder mehrere Götter zu glauben — während der Schizophrene als geistig kranker Mensch Neuroleptika schlucken muss. Ein Psychiater, dem ich diese Frage stellte, meinte, der einzige Unterschied zwischen Religion und Wahn sei der Leidensdruck. Ein Mensch, der seinen Glauben samt Religion auf gesunde Art lebe, sei glücklich und ein Segen für seine Mitmenschen.

Hmm! Wirklich?

Was ist mit all jenen Menschen, die Andersgläubige misstrauisch beobachten oder ausgrenzen? Was mit den Fanatikern, die ihm Namen eines unsichtbaren, unbeweisbaren Gottes Menschen töten, Frauen unterdrücken und globale Kriege anzetteln? Christentum und Islam haben über die Jahrhunderte Massaker angerichtet, dass es aus den Geschichtsbüchern blutet. Yves Patak Schriftsteller www.PatakBooks.com Relativität GefängnisWenn ich heute jemanden Köpfe und dem Richter sage, dass ich einfach Lust dazu hatte, verbringe ich den Rest meiner Tage hinter schwedischen Gardinen. Wenn ich dasselbe tue und sage, Allah habe mir befohlen, den Ketzer zu töten, finde ich Heerscharen von Menschen, die mich in dieser Haltung unterstützen würden. (Natürlich galt das Gleiche im Mittelalter für den Lieben Gott der Christen als Pauschalausrede für bestialisches Verhalten.

Falls es das „Böse“ gibt, steckt es offenbar in uns. Umso erstaunlicher, dass wir über die Jahrtausende konsequent eine Ausrede brauchen, um Böses zu tun. Dass wir jede Missetat unter dem heiligen Deckmantel des Glaubens und der Religion begehen, und gleichzeitig darauf beharren, dass es stets die „Anderen“ sind, die falsch liegen.

Es wird Zeit, den modernen Menschen vom Homo Sapiens zum Homo zu degradieren. Von der Weisheit trennen uns noch Lichtjahre.
Doch genug der Selbstkritik. Wir sind, was wir sind, und ohne unser Ego samt seiner Dramaqueen-Masche gäbe es weder Bücher noch Filme, denn wer will schon über das Perfekte, das Problemlose berichten?

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Vor 500’000 Jahren kannten wir nur einen Job, und der hieß Überleben. Gott, war das ein stressbefreites Leben, damals in der Höhle! Damals gab und brauchte es noch keine heiligen Schlagwörter wie Fokus, Zen, Achtsamkeitstraining und dergleichen.
Doch der Zeitgeist hat einiges verändert. Heute geht es hauptsächlich um Leistung und Profilierung, weil sonst unser liebes Ego daherkommt und uns einredet, dass wir kleine, wertlose, ungeliebte Würstchen sind, und das kommt nun gar nicht in die Tüte. Dabei gäbe es in unserer zivilisierten Gesellschaft, seit wir den Säbelzahntiger und andere spitzzahnige Bestien ausgemerzt haben, tausend mal weniger reale Gefahren als in der Steinzeit – der grösste Teil unserer Ängste ist reine Fiktion.

Doch es kommt noch schlimmer. Nicht nur der Beruf, auch die Partnersuche ist inzwischen leistungsdominiert, und die ausgelutschte Weisheit „sei einfach du selbst“ ist zur Lippenbekenntnis verkümmert. De facto müssen wir cool sein, smart, schnell, charmant, fit, schön, faszinierend, und natürlich brauchen wir das passende Tattoo zum passenden Mercedes.

Multitasking

Leben ist also Leistung. Um etwas zu leisten, müssen wir fokussiert sein. Und hier stolpern wir über die eigenen Füße, nämlich über den verflixten Zeitgeist — denn wir leben im Zeitalter der 1001 Fokusse, in einer Welt der ultimativen Verzettelung, auf Neudeutsch Multitasking.

Dass Multitasking dem Menschen weder liegt noch gut tut, ist längst erwiesen. Diejenigen, die sich auf ihr Hansdampf-in-allen-Gassen-Talent immer noch etwas einbilden, sind hoffnungslose Realitätsflüchtlinge, die sich mit koffeinzittrigen Fingern den eigenen Ast absägen.

Fokus = Zufriedenheit

Fokus heißt das Schlüsselwort, und diesen verschollenen Schatz gilt es zu suchen und – falls wir ihn finden – wie ein Heiligtum zu schützen. Denn er entscheidet nicht nur über unsere Leistungsfähigkeit, sondern auch über unsere längerfristige Zufriedenheit im Leben.
Anbei ein Artikel von Harry Groenert, der es auf den Punkt bringt:
Fokus.

Als Schriftsteller und Hypnosetherapeut bin ich dem Wort sehr nahe, es ist mein Hauptarbeitsinstrument. Für die einen sind Worte Schall und Rauch, für die anderen reine Magie. Interessanterweise steht in der Bibel „Am Anfang war das Wort“ – ein Satz, den ich in der Online-Lutherbibel gleich unter dem Titel „Das Wort ward Fleisch“ fand. Eine Metapher, die darauf hindeutet, dass Worte alles andere als nur Schall sind, sondern eine Energieform, die durchaus ins Physische (ins „Fleisch“) übergreifen kann.

Das Wort als Energieform?

Wie mächtig Worte sein können – im Positiven wie im Negativen, beim Schöpfen wie beim Vernichten – ist inzwischen längst wissenschaftlich bewiesen. Was die Placebo– und Nocebostudien schon lange zeigen, wird hier durch eine weitere Studie belegt.

Ein Sprichwort besagt: „Worte sind gratis. Nur ihre Anwendung könnten dich einiges kosten“ …

Lesen Sie folgende Zeilen dazu: Wort

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